Bitcoin hat den tiefsten Stand seit 21 Monaten erreicht und dabei die Marke von 58.000 Dollar gestreift, bevor eine Gegenbewegung den Kurs auf rund 59.770 Dollar hob. Gemessen am Oktober-2025-Allzeithoch liegt Bitcoin damit laut CoinGecko-Daten rund 53 Prozent im Minus.
Die entscheidende Frage ist nicht, warum der Kurs gefallen ist. Sie lautet: Ist der Vier-Jahres-Zyklus, der Bitcoin seit jeher antreibt, noch intakt, oder haben institutionelle Anleger ihn dauerhaft verändert? Diese Frage entscheidet die gesamte Richtung für 2026.
Die Zahlen der Lage
Das Marktbild ist eindeutig von Angst geprägt. Der Fear-and-Greed-Index ist laut Daten von Alternative.me in die Zone „extreme Angst“ abgerutscht, rund eine Milliarde Dollar an gehebelten Positionen wurden liquidiert, und die amerikanischen Spot-ETFs verzeichneten sechs Wochen in Folge Mittelabflüsse. Das erste Halbjahr schloss im negativen Bereich ab.
Die unmittelbaren Ursachen sind bekannt: hartnäckige Inflation, Rotation in KI-Aktien, und Bitcoin verhält sich zunehmend wie ein klassischer Risikoasset statt wie digitales Gold, wie SpazioCrypto bereits analysiert hat. Doch unter dem kurzfristigen Lärm verbirgt sich ein tiefer gehender theoretischer Riss.
Bitcoin-Bärenmärkte im Vergleich
Rückgang vom Hoch zum Tief je Zyklus. 2026: vorläufiger Wert, Zyklus läuft. Quelle: Marktdaten
laufend
These: Der Zyklus lebt noch
Wer an den Vier-Jahres-Zyklus glaubt, liest diesen Kursverfall als bekanntes Drehbuch. Bitcoin folgt seit jeher einem Rhythmus, der durch das Halving getaktet wird: Das Tief kommt deutlich nach dem Hoch, und das Hoch lag im Oktober 2025.
In dieser Lesart sind extreme Angst, Mittelabflüsse und technische Brüche keine Anomalien. Sie sind genau die Symptome der Post-Peak-Phase. Und sie implizieren eine unbequeme Konsequenz: Der echte Boden könnte noch tiefer liegen, irgendwo in der zweiten Jahreshälfte 2026, bevor die durch das nächste Halving 2028 angetriebene Erholung einsetzt.
Why is the four-year cycle dead?
, Matt Hougan (@Matt_Hougan) July 25, 2025
1) The forces that have created prior four-year cycles are weaker:
i) The halving is half as important every four years;
ii) The interest rate cycle is positive for crypto, not negative (as it was in 2018 and 2022);
iii) Blow-up risk is… https://t.co/F9ybjHEeB5
Grayscale Research hat den wunden Punkt benannt: On-Chain-Daten zeigen Bitcoin als unterbewertet, jedoch noch nicht auf dem Niveau der Tiefststände früherer Zyklen. Das bedeutet: Es gibt noch Spielraum nach unten.
Die Gegenthese: Der Zyklus ist tot
Auf der anderen Seite stehen jene, die behaupten, das alte Metronom habe aufgehört zu ticken. Der Grund trägt einen Namen: institutionelle Investoren. Spot-ETFs, Unternehmensbilanzen und Portfolio-Allokationen haben eine strukturelle Nachfrage geschaffen, die es zuvor schlicht nicht gab, wie wir bereits analysiert haben, als Institutionen an den Tiefpunkten akkumulierten.
Diese Käufer denken nicht in Halving-Zyklen. Sie folgen makroökonomischen und portfoliobezogenen Logiken und neigen dazu, ihre Positionen zu halten. In dieser Lesart ähnelt Bitcoin zunehmend Gold: ein reifer Asset-Wert in langsamem Aufstieg, der einen Boden finden könnte, der weit über dem liegt, was das alte Schema vorsähe. Eine Korrektur, kein Absturz.
Von 126k bis 60k: sinkende Hochpunkte
Bitcoin in US-Dollar, wichtige Kursmarken. Quelle: Marktdaten, 2026
Matt Hougan von Bitwise treibt diese Logik auf die Spitze: Für den langfristigen Investor ist der Boden nicht einmal der entscheidende Punkt. Was zählt, ist die Identifikation der nächsten Hochpunkte. Das ist die Denkweise derjenigen, die dem Zyklusmodell den Rücken gekehrt haben.
Was entscheidet, wer recht hat
Die Wahrheit ist: Niemand kennt die Zahl, und wer sie mit Gewissheit verkauft, verkauft in Wirklichkeit etwas anderes. Kursziele leiten sich davon ab, welche These sich als richtig erweist, nicht umgekehrt.
Es gibt jedoch konkrete Stellschrauben, die man im Blick behalten muss. Erstens das Verhalten gehebelter Halter: Geben sie nach, gibt die Liquidationskaskade dem Zyklusmodell recht. Zweitens das makroökonomische Umfeld, von der Fed bis zur Inflation, das Bitcoin weiterhin wie einen Tech-Wert bewegt. Drittens der regulatorische Rahmen, vom US-amerikanischen Clarity Act bis zur MiCA-Frist des 1. Juli in Europa.
Eine Zahl bleibt bestehen, und sie stammt aus dem ersten Diagramm: Dieser Bärenmarkt hat bislang laut Marktdaten nur halb so viel Schaden angerichtet wie jene von 2018 und 2022. Das kann zweierlei bedeuten: entweder hält der institutionelle Boden, oder das Schlimmste steht noch aus. Dieselbe Zahl, zwei Narrative. Sich heute mit Gewissheit für eines zu entscheiden, ist keine Analyse. Das ist Glaube.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Ein überverkaufter Markt kann weiter fallen. Krypto-Assets sind mit hohen Risiken verbunden, und Sie können einen Teil oder Ihr gesamtes investiertes Kapital verlieren.
