Zwischen 15 und 25 Prozent jährlich. Das ist die Rendite, die BlackRock ab dem 16. Juni 2026 mit seinem neuen Bitcoin-Income-ETF BITA verspricht. Auf dem Papier ist es ein weiteres Produkt des weltgrößten Vermögensverwalters. In der Praxis ist es der Versuch, die Bedeutung von Bitcoin-Besitz neu zu definieren: nicht mehr nur eine Wette auf den Kurs, sondern ein Asset, das regelmäßige Ausschüttungen liefert. Das Debüt an der Nasdaq fällt in einen denkbar ungünstigen Moment, während Spot-ETFs ihren schlechtesten Monat aller Zeiten erleben.
Das Mechanismus basiert auf einer Covered-Call-Strategie, die auf IBIT, BlackRocks Spot-Fonds, aufgebaut ist. BITA verkauft Call-Optionen, kassiert die Prämien und schüttet sie monatlich aus, mit dem Ziel, mindestens 70 % der Bitcoin-Kursgewinne zu erfassen. Die Verwaltungsgebühr beträgt 0,65 % pro Jahr, also weniger als bei Konkurrenzprodukten. BlackRock kommt damit sowohl Goldman Sachs (erwartet im Juli) als auch bereits bestehenden Produkten zuvor. Alles nach Vorschrift: Die SEC erteilte am Abend des 15. Juni grünes Licht, nach der Einreichung des Form 8-A. Doch eine Ausschüttung auf Bitcoin hat einen versteckten Preis, und der ist nicht die Gebühr.
Wie Covered Call wirklich funktioniert: Zukunft verkaufen, heute kassieren
Die Logik der Covered-Call-Strategie ist so alt wie die Märkte selbst. Man hält einen Vermögenswert, verkauft einem anderen das Recht, ihn zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Kassiert dafür sofort eine Prämie. BITA macht genau das mit seinem Bitcoin-Engagement, das über IBIT und direkt bei Coinbase verwahrtes BTC gehalten wird. Die Prämie wird zur monatlichen Ausschüttung. Entscheidend ist, was man im Gegenzug abgibt. Wenn Bitcoin stark über den Strike-Preis steigt, bleibt der eigene Gewinn gedeckelt. Inhaber von reinem IBIT weiter profitieren. Bei Kursrückgängen bietet die eingenommene Prämie kaum Schutz: Sie ist ein schmales Polster, kein Fallschirm. Die Rendite ist zudem nicht garantiert. Sie steigt bei hoher Volatilität und sinkt, wenn der Markt sich beruhigt.
Jährliche Gebühren im Vergleich
Quelle: BlackRock-Prospekte und SEC-Daten, Juni 2026
Für wen BITA geeignet ist, und für wen nicht
BlackRock ist beim Zielpublikum eindeutig. BITA richtet sich an Anleger, die monatliche Ausschüttungen wünschen: Rentner, Berater, die ertragsbasierte Portfolios verwalten, sowie Institutionen mit Renditevorgaben. Wer das volle Kurspotenzial von Bitcoin anstrebt, sollte bei IBIT oder beim direkten Asset bleiben. Der Wettbewerbsvorteil liegt beim Preis: 0,65 % gegenüber 0,95 bis 0,99 % bei konkurrierenden Covered-Call-Fonds, dazu die Integration mit IBIT, die hohe Liquidität sicherstellt. Es bleibt ein Produkt, das ein Gefühl verkauft, nämlich Planbarkeit, bei einem Basiswert, der alles andere als planbar ist. Kein Wunder, dass manche den gegenteiligen Weg bevorzugen und einfach halten, so wie Strategy, das weiter akkumuliert.
ALL SET: the iShares Bitcoin Premium Income ETF $BITA is launching TOMORROW (tue). Confirmed by Nasdaq. Also, the ETF will target 15-25% annual yield while trying to capture at least 70% of bitcoin's upside in process. pic.twitter.com/BK0M4cO4mj
, Eric Balchunas (@EricBalchunas) June 15, 2026
Das Timing-Paradox
Hier liegt das eigentliche Signal. BITA startet, während das verwaltete Vermögen amerikanischer Spot-ETFs laut SoSoValue von 104 auf 94 Milliarden Dollar innerhalb weniger Wochen gesunken ist und der Markt von Unsicherheit geprägt ist. Bitcoin hat sich nach der US-Iran-Einigung wieder über 65.500 Dollar erholt, doch das Bild bleibt fragil, zumal die Fed-Sitzung vom 16. und 17. Juni unmittelbar bevorsteht. Die täglichen Zuflüsse lassen sich auf dem ETF-Dashboard von SoSoValue verfolgen.
Die Wette von BlackRock ist klar: Institutionellen Anlegern einen Grund geben, Bitcoin auch in Seitwärts- und Abwärtsphasen zu halten, und dieser Grund heißt Rendite. Für DACH-Investoren ist dabei ein steuerlicher Hinweis relevant: Monatliche Ausschüttungen aus ETFs, die nicht der deutschen Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag unterliegen, können je nach Depotstruktur anders behandelt werden. Ein Blick in die Fondsdetails und ggf. eine Rücksprache mit einem Steuerberater lohnt sich vor dem Einstieg.
Was sich wirklich verändert
Sollte BITA nennenswerte Mittelzuflüsse verzeichnen, normalisiert sich Bitcoin als renditegenerierendes Allocation-Asset und öffnet damit Türen zu Vorsorge- und Einkommensportfolios, die das Asset bisher gemieden haben. Goldman Sachs folgt im Juli, und das Rennen um Bitcoin-Income-ETFs beginnt. Das Risiko spiegelt die Prämie: In einem starken Aufwärtsmarkt schauen BITA-Inhaber dabei zu, wie IBIT davonläuft; bei einem Crash ist die monatliche Ausschüttung ein dünnes Polster.
Wie viel ist der Markt bereit zu zahlen, um Volatilität in einen monatlichen Ausschüttungsscheck zu verwandeln?
