Mechanisches Schwungrad stockt, Bitcoin-Münze fällt vom Sockel, Krise des Strategy-Treasury-Modells
Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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Strategy verkauft Bitcoin: Saylor bricht sein Versprechen

Strategy genehmigt den Verkauf von Bitcoin per Digital Credit Capital Framework, nach vier Jahren „niemals verkaufen“. Mit dem mNAV unter 1 stockt…

Vier Jahre lang galt eine einzige Regel: Bitcoin kaufen und niemals verkaufen. Am 29. Juni hat Strategy diese Regel gebrochen.

Mit einem Dokument namens Digital Credit Capital Framework hat das frühere Unternehmen MicroStrategy von Michael Saylor ein Programm formalisiert, das den Verkauf von Bitcoin zur Liquiditätsverwaltung erlaubt. Der Markt reagierte paradoxerweise mit Kursgewinnen.

Was Strategy angekündigt hat

Das Herzstück der Maßnahme ist das BTC Monetization Program: die Genehmigung, Bitcoin im Wert von bis zu rund 1,25 Milliarden Dollar zu veräußern, was etwa 20.000 BTC entspricht, also 2,5 % der Reserven. Die Erlöse sollen für drei Zwecke verwendet werden: Aufstockung der Dollarreserve, Zahlung von Dividenden auf Vorzugsaktien und Finanzierung von Aktienrückkäufen.

Begleitend dazu eine Bilanzrestrukturierung. Die Barreserve steigt auf rund 2,55 Milliarden Dollar, die Dividende auf die Vorzugsaktie STRC wird von 11,5 % auf 12 % angehoben, und es werden zwei Rückkaufprogramme im Umfang von jeweils bis zu einer Milliarde Dollar genehmigt. Strategy besitzt 847.363 Bitcoin, und vergangene Woche hat das Unternehmen erstmals seit langer Zeit keine neuen Bitcoin gekauft.

Die Prämie von Strategy ist verschwunden

Quelle: SEC-Unterlagen und Marktdaten. Der mNAV misst, wie viel MSTR im Verhältnis zu den gehaltenen Bitcoin wert ist

4x2x1x0Schwellenwert 1,0x: darunter stockt das Schwungrad3,89x0,87x0,72xNov. 2024Feb. 2026Jun. 2026

Warum das Schwungrad stockt

Das Geschäftsmodell von Strategy funktioniert wie ein Schwungrad. Solange MSTR mehr wert ist als die gehaltenen Bitcoin, emittiert das Unternehmen Aktien mit Aufschlag, kauft weitere Bitcoin und steigert so den Wert je Aktie. Das Modell funktioniert nur, solange diese Prämie besteht. Genau diese Prämie ist verschwunden: Vom Spitzenwert von 3,89x Ende 2024 ist der mNAV unter 1 gefallen, wie SpazioCrypto in der Analyse zu Strategy unter Druck bereits dokumentiert hat.

Fällt der mNAV unter 1, ist die Ausgabe neuer Aktien gleichbedeutend damit, die eigenen Bitcoin mit Abschlag zu verkaufen. Der wichtigste Kapitalzufluss versiegt. Genau deshalb ist die formale Genehmigung zum direkten Bitcoin-Verkauf, so begrenzt er auch sein mag, ein Paradigmenwechsel in der Unternehmenslogik und kein buchhalterisches Detail.

Kapitulation oder schlichte Bilanzpflege?

Der Markt ist bei der Einordnung dieser Maßnahme gespalten. Für den bekannten Bitcoin-Kritiker Peter Schiff hat Saylor faktisch kapituliert: vom größten Bitcoin-Käufer zum größten Verkäufer. Strategy selbst weist die Kapitulationsnarrative zurück: Bitcoin bleibe der primäre Reservewert, und die Liquiditätsverwaltung ändere nichts an der grundsätzlichen Überzeugung.

Wall Street hat die gewonnene Klarheit vorerst honoriert. Die Aktie legte am Ankündigungstag um über 12 % zu, gab am Folgetag einen Teil davon wieder ab, und Saylor hat Disziplin bei der Ausgabe neuer Aktien in Phasen zugesagt, in denen der mNAV nahe an 1 liegt. Banken wie Citi haben ihre positive Einschätzung beibehalten.

Das Risiko für den gesamten Markt

Das eigentlich heikle Element ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Fällt der Bitcoin-Preis, sinkt der mNAV. Um Liquidität zu beschaffen, könnte Strategy gezwungen sein, mehr Bitcoin zu verkaufen. Das erzeugt zusätzlichen Abwärtsdruck, der den Preis weiter drückt. Bei 847.363 Bitcoin, rund 4 % aller jemals existierenden Coins laut SEC-Unterlagen, ist das kein Problem allein von Strategy.

Das Umfeld ist ohnehin angespannt: Die institutionelle Nachfrage zieht sich zurück. Laut Branchendaten war der Juni 2026 der schlechteste Monat aller Zeiten für Bitcoin-ETFs. Knapp 200 börsennotierte Unternehmen haben das Treasury-Modell von Strategy kopiert. Stellt der Vorreiter auf das umgekehrte Schema um, stellt sich die Frage, wie lange die Nachahmer standhalten. Die relevanten Dokumente sind in den SEC-Unterlagen sowie auf der offiziellen Website von Strategy einsehbar.

Dieser Inhalt dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Die genannten Assets sind hochvolatil und bergen das Risiko eines vollständigen Kapitalverlusts.

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