Drei Komma acht Prozent. Am 17. Juni 2026 hat die Fed unter Kevin Warsh die Leitzinsen unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Diese Entscheidung war erwartet worden, doch der Median des Dot Plot für Jahresende wurde auf 3,8 Prozent angehoben, nach 3,4 Prozent im März. Im selben Quartal wechselte die US-Notenbank von einer Zinssenkungsprognose zu einer Zinserhöhungsprognose.
Das Abstimmungsergebnis war einstimmig, 12 zu 0. Nicht der Leitzins selbst bewegte die Märkte, sondern die Projektionen dahinter. Die Börsen schlossen im Minus: Der Dow Jones verlor laut Bloomberg 0,98 Prozent, der S&P 500 fiel um 1,21 Prozent, der Nasdaq um 1,34 Prozent. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang nach Angaben des US-Finanzministeriums um 16 Basispunkte auf 4,21 Prozent, den höchsten Stand seit über einem Jahr. Der Dollar legte rund ein Prozent zu. Gold verlor über zwei Prozent. Alles passt zu einem Szenario längerer hoher Zinsen, wie auch auf der Sektion USA verfolgt werden kann.
Die Zinssenkung 2026 ist vom Tisch
Neun von achtzehn Mitgliedern rechnen laut dem aktuellen Summary of Economic Projections der Federal Reserve nun mit mindestens einer Zinserhöhung bis Dezember. Im März hatte der Median noch eine Senkung impliziert. Der Grund für die Revision liegt bei der Inflation: Die PCE-Prognose für Ende 2026 stieg auf 3,6 Prozent, nach 2,7 Prozent drei Monate zuvor. Die Verbraucherpreise lagen im Mai auf Jahresbasis bei 4,2 Prozent, dem höchsten Wert seit April 2023. Der Krieg im Iran und der daraus folgende Energiepreisschock belasten die Kalkulation erheblich.
Fed-Prognose PCE-Inflation 2026: März vs. Juni
Quelle: Federal Reserve, Summary of Economic Projections, Juni 2026
Was das für Kryptowährungen bedeutet
Kryptomärkte reagieren erfahrungsgemäß stärker auf Projektionen als auf die eigentliche Zinsentscheidung. Und diese Projektionen haben es in sich. Bitcoin notiert nach CoinGecko-Daten um die 64.500 Dollar, mit dem Risiko eines erneuten Tests der 60.000-Dollar-Marke auf kurze Sicht. Ethereum liegt unter 1.750 Dollar. Höhere Zinsen stärken den Dollar, und ein starker Dollar belastet Bitcoin und Ethereum historisch gesehen spürbar. Dazu steigen die Opportunitätskosten, zinsloses Kapital in Kryptowerten zu halten. Die Erwartung lockererer Finanzbedingungen zum Jahresende, die im März noch Rückenwind für Käufer bedeutete, gilt nun als hinfällig. Zinssenkungen könnten bis 2027 ausbleiben. Aktuelle Kursentwicklungen finden sich in den Sektionen Bitcoin und Ethereum.
Warsh setzt auf Kürze statt Guidance
Das erste Statement unter Fed-Chef Warsh fiel ungewöhnlich kurz aus: drei Abschnitte, rund 114 Wörter, keine Forward Guidance. Warsh selbst bezeichnete es als „curt“, also bewusst knapp. Er verzichtete auf einen eigenen Punkt im Dot Plot, was seiner bekannten Skepsis gegenüber prospektiven Signalen entspricht. Zugleich kündigte Warsh fünf Arbeitsgruppen an, die Operationen, Kommunikation und die Ursachen der Inflation untersuchen sollen. Beim Thema Inflation war er unmissverständlich: Die Fed werde Preisstabilität garantieren, mit einem Engagement, das er als stark und einstimmig bezeichnete. Jerome Powell bleibt als stimmberechtiges Mitglied im Board of Governors.
Worauf jetzt zu achten ist
Die nächste Aktualisierung der Projektionen folgt im September. Bis dahin zählen zwei Faktoren: der weitere Inflationspfad und die erste echte Liquiditätsprobe unter Warsh, denn mögliche Änderungen der Fed-Bilanz hätten Zweitrundeneffekte auf die Kryptomärkte. Für DACH-Anleger, die Kryptogewinne nach der Jahresfrist gemäß §23 EStG steuerfrei halten wollen, verändert ein längeres Hochzinsumfeld den Kalkül: Der Anlagedruck steigt, das Kurspotenzial bleibt kurzfristig eingeschränkt. Der Markt preist bereits ein härteres Jahr ein, als noch Anfang 2026 erwartet, wie wir in der Sektion Trading verfolgen. Die offiziellen Dokumente sind auf der Website der Federal Reserve abrufbar, die Preisdaten beim Bureau of Labor Statistics.
