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Digitaler Euro als leuchtendes Symbol mit EU-Sternen und Smartphone-Zahlung, EZB Pilotprogramm 2026
Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
3 min read

Digitaler Euro: ECON grünes Licht, EZB wählt Pilotbanken im Juli

Der ECON-Ausschuss hat am 23. Juni 2026 den digitalen Euro freigegeben. Im Juli wählt die EZB die Pilotbanken. Sieben Bewerbungen kommen aus Italien, mehr als…

Sieben italienische Banken bewerben sich um die Teilnahme am Pilotprogramm des digitalen Euro, mehr als jedes andere Land im Euroraum. Am 23. Juni 2026 hat der ECON-Ausschuss des Europäischen Parlaments das Rahmenpaket freigegeben. Anfang Juli entscheidet die EZB, welche Institute zugelassen werden. Um die Tragweite zu verstehen, lohnt es sich, zwei Ebenen zu trennen, die häufig vermischt werden: das Gesetz und die Währung selbst.

Was das Europäische Parlament beschlossen hat

Der ECON-Beschluss funktioniert wie eine Ampelschaltung an einer Kreuzung. Der Ausschuss baut keine Straße, er regelt, wer wann fahren darf. Die Verordnung verpflichtet die EZB nicht zur Ausgabe der Währung, schafft aber den rechtlichen Rahmen, ohne den keine Emission möglich ist.

Es bleiben also zwei klar getrennte Gleise. Auf dem einen liegt das Gesetz, das sich noch in der Schlussabstimmung zwischen Parlament, Rat und Kommission befindet. Auf dem anderen liegt die eigentliche Währung, über deren endgültige Ausgabe allein die EZB entscheidet. Zwar erst nach der Verabschiedung der Verordnung. Die EZB hat Piero Cipollone damit beauftragt, die Gesetzgeber über die finanziellen Stabilitätsrisiken und die Kosten für die Banken zu informieren.

Im Kern geht es um Zahlungssouveränität. In einem Kontinent, der nach wie vor von Dollar-denominierten Zahlungskreisläufen und Stablecoins abhängt, soll der digitale Euro das Zentralbankgeld im Mittelpunkt des täglichen Zahlungsverkehrs halten. Die Abhängigkeit von SWIFT und privaten US-Netzwerken soll damit strukturell verringert werden.

Was sich für Bürger konkret ändert

Der entscheidende Punkt lässt sich klar benennen. Der digitale Euro soll das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen, wie die offiziellen Dokumente der EZB ausdrücklich festhalten. Es handelt sich um elektronisches Zentralbankgeld, nutzbar per App oder Karte, auch ohne Internetverbindung im Offline-Modus.

Pro Wallet ist ein Haltelimit geplant, das einen übermäßigen Abfluss von Bankeinlagen verhindern soll. Diskutiert wird laut Berichten über einen Betrag von rund 3.000 Euro, offiziell bestätigt hat die EZB diese Zahl bislang nicht. Wer das Limit überschreiten möchte, kann das Wallet mit dem eigenen Bankkonto verknüpfen.

Ein Detail, das viele Bedenken zerstreut, betrifft den Datenschutz. Die EZB erklärt ausdrücklich, dass sie aus den von ihr verwalteten Zahlungsdaten weder die Identität der Nutzer noch deren Kaufverhalten ableiten kann.

Der Widerstand der Banken

De facto: an dieser Stelle wird die Geschichte komplizierter. Der Bankensektor steht dem digitalen Euro skeptisch gegenüber und betrachtet ihn als direkten Wettbewerber. Die Banken befürchten Einlagenabflüsse, sinkende Margen im Zahlungsverkehr und erhebliche Anpassungskosten.

Zu den Kosten hat die EZB den Mitgesetzgebern konkrete Zahlen geliefert. Die Implementierungskosten für den Bankensektor werden laut EZB auf 4 bis 5,8 Milliarden Euro geschätzt, ein Wert unterhalb der ursprünglichen Branchenschätzungen, weil Infrastrukturen gemeinsam genutzt werden. Die EZB argumentiert zudem, dass die Haltelimits die Finanzstabilität absichern.

Das ist keine Randnotiz. Viele Kreditinstitute bewegen sich im digitalen Bereich bereits auf anderen Feldern, von der Krypto-Verwahrung bis zu neuen Zahlungsdiensten. Die Frage, ob der digitale Euro die bestehenden Bankdienstleistungen verdrängt oder nur ergänzt, wird die Diskussion im DACH-Raum noch lange bestimmen. BaFin und Deutsche Bundesbank beobachten die Entwicklung eng.

Italien führt die Bewerberliste an

Das auffälligste Datum ist geografischer Natur. Unter den mehr als 50 Kandidaten aus dem Euroraum stellen italienische Institute mit sieben Bewerbungen die größte nationale Gruppe. Das Land ist auf diesen Termin gut vorbereitet.

Bewerbungen für das Pilotprogramm des digitalen Euro

Quelle: EZB und Finanzmedienmeldungen, Juni 2026

50+
7
Gesamter EuroraumItalien (nationaler Rekord)

Das ist kein Zufall. Am 3. Juni startete das technische Experiment Eur.Bank, an dem neun italienische Banken im MiCA-Rahmen beteiligt sind. Es handelt sich um eine Architekturprüfung, kein öffentliches Angebot, doch das Signal ist deutlich: Das System läuft bereits.

Für den DACH-Raum ist die Frage, wie viele deutsche, österreichische und Schweizer Institute unter den 50 Kandidaten vertreten sind, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantwortet. Die BaFin hat bislang keine eigene Liste veröffentlicht. Die Deutsche Bundesbank verfolgt das Projekt als Mitglied des Eurosystems und ist an der Vorbereitung der technischen Spezifikationen beteiligt.

Der Zeitplan im Überblick

Der Fahrplan ist lang und verlangt Geduld. Die Auswahl der Zahlungsdienstleister für das Pilotprogramm fällt im Juli. Die operative Phase beginnt in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 und läuft zwölf Monate lang. Getestet werden Zahlungen zwischen Privatpersonen, NFC-Zahlungen im Handel sowie Online-Transaktionen.

Eine mögliche erste Ausgabe des digitalen Euro ist weiterhin für 2029 vorgesehen, abhängig von der Verabschiedung der Verordnung bis 2026. Die Projektdetails sind auf der EZB-Seite zum Pilotprogramm abrufbar. Ende Juni und Anfang Juli werden zeigen, ob das Pilotprojekt die kritische Masse für einen echten Start erreicht hat.

Für Anleger und Bankkunden im DACH-Raum bedeutet das konkret: Ein digitaler Euro-Wallet mit bis zu 3.000 Euro würde das Ersparte nicht ersetzen, aber eine neue, souveräne Zahlungsschiene eröffnen. Wer Krypto-Assets über Plattformen wie Trade Republic oder Bitpanda hält, sollte die Frage im Blick behalten, wie ein digitaler Euro das Wettbewerbsfeld für private Zahlungsdienstleister verändert. Die EZB wird ihre Pilotentscheidung noch im Juli 2026 bekanntgeben.

Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
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