• Startseite
  • Fintech
  • Digitaler Euro: Neun Banken im Test, BaFin beobachtet den EZB-Fahrplan
Digitaler Euro Pilottest mit neun europäischen Banken und EZB-Fahrplan bis 2029
Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
2 min read

Digitaler Euro: Neun Banken im Test, BaFin beobachtet den EZB-Fahrplan

Eur.Bank startet mit neun Banken: EZB erwartet bis Ende Juni Rückmeldungen der Zahlungsdienstleister zum Digitaleuro-Pilot mit Ausgabe frühestens 2029.

Neun italienische Banken, ein technischer Praxistest ab dem 3. Juni 2026 und ein entscheidendes Signal, das bis Ende des Monats erwartet wird. Der digitale Euro ist kein Konferenzthema mehr, sondern Realität in den Rechenzentren der Kreditinstitute. Das Experiment trägt den Namen Eur.Bank, läuft im Rahmen der MiCA-Verordnung und prüft die Infrastruktur, noch nicht das öffentliche Angebot. Gleichzeitig läuft eine Frist, die vielen entgangen ist: Die EZB hat Zahlungsdienstleister bis zum 14. Mai aufgefordert, sich für das Pilotprojekt zu bewerben, und die Rückmeldung zu diesen Bewerbungen wird bis Ende Juni 2026 erwartet.

Der Zeitplan spricht klarer als jede Erklärung. Die Vorbereitungsphase, die im November 2023 begann, wurde im Oktober 2025 erfolgreich abgeschlossen, als der EZB-Rat beschloss, zur nächsten Phase überzugehen. Seitdem folgt das Projekt einem präzisen Ablauf: Entwicklungsphase ab dem dritten Quartal 2026, Betriebsphase ab der zweiten Jahreshälfte 2027 mit einer Laufzeit von zwölf Monaten, mögliche Erstausgabe im Jahr 2029. Jeder Schritt bleibt jedoch an eine einzige Bedingung geknüpft: die Verabschiedung der europäischen Verordnung bis 2026.

Digitaler Euro: der EZB-Fahrplan

Quelle: EZB-Pressemitteilungen und Banca d'Italia, 2025-2026

Vorbereitung 2023Entwicklung 2026Pilot 2027Betrieb 2028Ausgabe 2029

Was die neun Banken wirklich testen

Das italienische Experiment ist kein kommerzielles Angebot, und das lässt sich nicht oft genug betonen. Es handelt sich um einen reinen Infrastrukturtest. Parallel dazu arbeitet ein Konsortium von neun europäischen Banken, darunter UniCredit, an einem MiCA-konformen Euro-Stablecoin über eine Gesellschaft mit E-Geld-Lizenz in den Niederlanden, mit einer geplanten Ausgabe in der zweiten Jahreshälfte 2026. Die beiden Spuren, öffentliches digitales Zentralbankgeld und regulierte private Stablecoins, verlaufen nebeneinander und zeigen dieselbe Dringlichkeit: Europa will eigene Zahlungsinfrastrukturen. Für DACH-Anleger ist dabei relevant, dass BaFin-beaufsichtigte Institute wie die Deutsche Bank und die DZ Bank die EZB-Pilotphase aufmerksam verfolgen.

Vier Zahlungsszenarien im Pilotprojekt

Wenn die Betriebsphase in der zweiten Jahreshälfte 2027 startet, wird der Pilot vier Anwendungsfälle testen: Online- und Offline-Überweisungen zwischen Privatpersonen, NFC-gestützte Zahlungen im Einzelhandel sowie Online-Zahlungen auf Websites und in Apps.

Zahlungsdienstleister werden das Nutzer-Onboarding und die Transaktionsverarbeitung in enger Zusammenarbeit mit der EZB und den nationalen Zentralbanken übernehmen. Laut EZB-Unterlagen werden die geschätzten Kosten bis zur Erstausgabe rund 1,3 Milliarden Euro betragen, wobei der Aufwand für Banken vergleichbar mit dem der Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie gehalten werden soll.

Die politische Dimension hinter der Technik

Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, verknüpfte den digitalen Euro am 1. Juni in Seoul mit europäischer Souveränität, vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und einer zunehmend von Dollar-Stablecoins dominierten Zahlungslandschaft. Die Botschaft ist eindeutig: Ohne eigene öffentliche Infrastruktur droht der Euroraum, von fremden Zahlungsschienen abhängig zu werden.

Der entscheidende Beschluss liegt beim EZB-Rat und wird erst nach der Verabschiedung der Verordnung fallen. Der Gesetzgebungsprozess ist bereits weit fortgeschritten: Die Europäische Kommission legte das Gesetzespaket im Juni 2023 vor, der EU-Rat legte im Dezember 2025 seine Verhandlungsposition fest, das Europäische Parlament signalisierte im Februar 2026 breite politische Unterstützung.

Für Verbraucher und Anleger im DACH-Raum gilt der gleiche Grundsatz wie für alle EU-Bürger: Der digitale Euro wird laut offiziellen EZB-Dokumenten als Ergänzung zum Bargeld eingeführt, nicht als Ersatz dafür. Wer den Stand der Dinge verfolgen möchte, kann die EZB-Pressemitteilung zur neuen Projektphase sowie das MiCAR-Monitoring der Banca d'Italia einsehen. Die breitere europäische Regulierungslandschaft verfolgen wir in den Bereichen Europa und Regulierung. Ende Juni wird zeigen, ob das Pilotprojekt die kritische Masse an teilnehmenden Banken erreicht hat, um wirklich Fahrt aufzunehmen.

Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
Aktualisiert am
Fintech Banken Europa
Consent Preferences