Industrieller Roboterarm montiert ein leuchtendes digitales Gehirn in einer futuristischen Fabrik
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Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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NVIDIA und LG bauen KI-Fabrik in Korea: Physical AI nimmt Fahrt auf

NVIDIA und LG Group errichten eine KI-Fabrik in Korea für Robotik, autonomes Fahren und GPU-Cloud. Was Physical AI bedeutet und warum Europa aufhorchen sollte.

Vier Geschäftsfelder unter einem Dach, angekündigt am 7. Juni und bekräftigt in den Pressemitteilungen vom 10.: Robotik, autonomes Fahren, Rechenzentrum-Infrastruktur und GPU-Cloud-Dienste. NVIDIA und LG Group haben eine der umfassendsten Kooperationen vorgestellt, die der Chiphersteller je mit einem koreanischen Konzern geschlossen hat. Im Mittelpunkt steht eine KI-Fabrik, die LG die Recheninfrastruktur liefert, um KI-Anwendungen entlang aller Geschäftsbereiche zu trainieren, zu simulieren, zu validieren und zu deployen. Kein Einzelprodukt, sondern eine Plattform.

Der Kontext wiegt genauso schwer wie die Ankündigung selbst. LG Electronics hatte die koreanische KI-Rallye bislang von der Seitenlinie verfolgt: Samsung legte laut Branchenberichten seit Jahresbeginn 2026 um 144 Prozent zu, getrieben von der Nachfrage nach Speicherchips, SK Hynix sogar um 200 Prozent auf derselben These, während LG als klassisches Konsumgüterunternehmen eingestuft blieb. Die Nachricht drehte das Bild rasch. In den Tagen der Ankündigung erreichte die LG-Electronics-Aktie an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen das von der koreanischen Börse festgelegte Tageslimit von 30 Prozent, und zog dabei LG CNS, LG Corp, LG Innotek sowie LG Uplus auf historische Höchststände mit.

Koreas KI-Rallye: Performance seit Jahresbeginn 2026

Quelle: Marktdaten aus Branchenberichten, Anfang Juni 2026 (% seit Jahresbeginn)

+200%
+144%
+30%/Tag
SK HynixSamsungLG Elec. (Limit)

Was bedeutet „Physical AI“?

Das technische Herzstück der Vereinbarung ist die Robotik. LG integriert NVIDIA-Technologien in seine industrielle Plattform PhysicalWorks: das offene Isaac-Framework für Robotik, die Cosmos-Modelle für virtuelle Welten sowie die GR00T-Basismodelle für Roboter. Physical AI lässt sich so beschreiben: Ein Gehirn muss lernen, einen Körper in der realen Welt zu bewegen. Dafür braucht es Training in simulierten Umgebungen, bevor ein realer Einsatz möglich ist. Das historische Grundproblem ist der Mangel an Trainingsdaten für Roboter. Genau hier liegt der interessanteste Teil der Kooperation: LG Electronics baut eine „Physical AI Data Factory“, eine Datenfabrik, die Trainingsmaterial für Robotik generiert, indem dieselbe Pipeline genutzt wird, mit der LG seine Roboter validiert.

Das erste konkrete Produkt: ein Haushaltsroboter

CLOiD, der Haushalts-Cobot, den LG im Januar auf der CES 2026 vorgestellt hat, ist das erste Produkt, das die gesamte Simulationspipeline durchläuft. Konzipiert für häusliche Aufgaben, verfügt CLOiD über zwei Gelenkarme mit je sieben Freiheitsgraden und fünf einzeln ansteuerbare Finger pro Hand. LG validiert den Roboter in physikalisch präzisen virtuellen Umgebungen, bevor er in Wohnungen eingesetzt wird. Auf der Seite der Sprachmodelle arbeiten NVIDIA und LG AI Research an EXAONE zusammen, einem der wichtigsten koreanischen Sovereign-AI-Modelle, das mit Blackwell-GPUs, dem NeMo-Framework und offenen Nemotron-Datensätzen entwickelt wird.

Seoul Purpose: How NVIDIA and South Korea Are Building the Future of AI
Home to cutting-edge sovereign AI infrastructure and robotics innovators, as well as one of the world's most passionate gaming communities, South Korea is one of the world's centers of AI. NVIDIA founder and CEO Jensen Huang is in Seoul this week to meet the partners and builders behind that work.

Warum das auch für Europa relevant ist

Die LG-Vereinbarung ist ein Baustein eines größeren Plans. In denselben Wochen gab NVIDIA Kooperationen mit SK Group, Samsung, Hyundai und Doosan bekannt und verknüpfte damit Cloud, Speicher, Robotik und Fertigung mit der eigenen Plattform. Das Ergebnis verschafft Korea lokal betriebene KI-Rechenkapazität, jedoch keine vollständige Unabhängigkeit: Hardware und ein Großteil der Architektur bleiben an NVIDIA gebunden.

Roboterarm und holografisches Gehirn
Roboterarm und holografisches Gehirn

Das ist genau die Spannung, die alle Strategien zur „digitalen Souveränität“ durchzieht: Man will Kapazitäten auf dem eigenen Territorium, erwirbt sie aber durch Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Für Deutschland und Europa, das den Wettlauf um Rechenzentren beobachtet, ist die Schlussfolgerung klar: Digitale Souveränität bemisst sich daran, wer den gesamten Stack kontrolliert, nicht nur daran, wo die Server stehen. Die technischen Details der Vereinbarung sind im offiziellen NVIDIA-Blog veröffentlicht, der breitere koreanische Rahmen ist in der Mitteilung zum NVIDIA-Korea-Ökosystem dokumentiert. Die offene Frage betrifft Europa direkt: Wann baut Europa seine eigene Physical-AI-Fabrik, und mit welchem Anbieter? Deutschland sollte diese Debatte nicht den anderen überlassen.

Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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