Dollar-Stablecoin zerfällt in getrennte Register vor einer neoklassischen Zentralbank, BIZ-Bericht 2026
Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
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BIS verwirft Stablecoins 2026: kein Geld, Souveränität bedroht

Die BIZ stuft Stablecoins im Jahresbericht 2026 nicht als Geld ein: 99,4 % sind Dollar-gebunden, Banken droht Kreditklemme, die Souveränität steht auf dem…

316 Milliarden Dollar. So groß ist laut CoinGecko der aktuelle Stablecoin-Markt, und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht darin noch lange kein Geld. Das schreibt sie in ihrem Jahresbericht vom 28. Juni 2026.

Die BIZ ist die Zentralbank der Zentralbanken. Wenn aus Basel ein so klares Urteil kommt, ist das kein Marktrauschen, sondern das internationale Währungssystem, das spricht. Frank Smets, Leiter der Währungsabteilung, brachte es auf den Punkt: Stablecoins sind kein Geld.

Die vier Tests, die Stablecoins nicht bestehen

Der BIZ-Bericht misst Stablecoins an den Eigenschaften, die das Vertrauen in Geld begründen, und stuft sie auf mehreren Ebenen als unzureichend ein.

  • Einheitlichkeit: Ein Euro muss immer einen Euro wert sein. Stablecoins weichen von der Parität ab.
  • Elastizität: Die Zentralbank-Abwicklungsfunktion fehlt vollständig.
  • Interoperabilität: Dasselbe Token lebt auf Ethereum und Solana in getrennten Registern, Bridges fügen zusätzliche Risiken hinzu.
  • Integrität: Permissionless-Infrastrukturen schwächen Geldwäschekontrollen. Für BaFin-regulierte Institute ist das besonders relevant.

Beim Rücknahme-Mechanismus ähneln Stablecoins laut BIZ eher einem ETF als echtem Geld. Ein Vergleich, der schwer wiegt.

Das Risiko, das Basel beunruhigt: Dollarisierung

Der politisch brisanteste Punkt ist die Stablecoin-Dollarisierung. In Ländern mit schwachen Währungen nutzen Haushalte Dollar-Token als Wertaufbewahrungsmittel. Das erodiert die Währungssouveränität, reduziert die Bankenintermediation und setzt diese Länder Kapitalflüssen aus.

Die Zahl, die alles erklärt: Laut dem BIZ-Jahresbericht 2026 sind 99,4 Prozent aller währungsgesicherten Stablecoins an den Dollar gebunden. Alle anderen Währungen machen zusammen nur 0,6 Prozent aus.

Fast alle Stablecoins sind Dollar

Quelle: BIZ, Jahreswirtschaftsbericht 2026

  • An den Dollar gebunden: 99,4 %
  • Andere Währungen (Euro, Yen u. a.): 0,6 %

Genau diese Abhängigkeit versucht Europa mit dem digitalen Euro aufzubrechen, den die EZB als Frage der Währungssouveränität behandelt. Die vollständige Stellungnahme der BIZ ist in der offiziellen Pressemitteilung verfügbar.

Was Banken riskieren: Kreditklemme möglich

De facto: wandern Einlagen massenhaft von Bankkonten in private Token ab, verlieren Banken Refinanzierungsmittel und schränken die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen ein. Selbst in einem Szenario mit einem bis drei Billionen Dollar an Stablecoin-Volumen bleibt der Nettoeffekt auf das Wachstum moderat, in einigen Modellen leicht negativ, so der BIZ-Bericht.

Entscheidend ist die Zusammensetzung der Reserven. Tether und Circle verdienen an den Zinsen auf ihre Dollarreserven, während Nutzer nichts davon sehen. Auf der Integritätsseite zeigt die Zentralisierung ihre Kehrseite: Emittenten können Token einfrieren, wie beim USDT-Einfrierfall in Verbindung mit Geldwäsche zu beobachten war.

Die BIZ-Alternative: das einheitliche Register

Basel belässt es nicht bei Kritik. Der Bericht schlägt ein einheitliches Register vor, das tokenisierte Zentralbankreserven, tokenisierte Bankeinlagen und weiteres reguliertes Privatgeld unter einem Dach zusammenführt, mit einem öffentlichen Anker im Zentrum.

Ein Prototyp existiert bereits: Projekt Agorá vereint acht Zentralbanken und über vierzig Institutionen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Das ist dieselbe Logik, der japanische Großbanken folgen, die eine Stablecoin unter behördlicher Aufsicht ausgeben. Die technischen Details finden sich im entsprechenden Kapitel des Jahresberichts.

Der blinde Fleck des BIZ-Berichts

Was der Bericht kaum beleuchtet: Regulierung schließt die beschriebenen Lücken bereits. In den USA schreibt der GENIUS Act 1:1-Reserven vor. In Europa zeigt MiCA gegenüber Stablecoin-Emittenten klare Konsequenzen, und die BaFin setzt den Rahmen für den DACH-Markt um.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Stablecoins perfektes Geld sind. Sie lautet, ob öffentlich tokenisiertes Geld früh genug kommt, bevor private Stablecoins zu groß werden, um ignoriert zu werden. Mit dem Jahresbericht 2026 hat die BIZ den Einsatz erhöht.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Krypto- und Stablecoin-Markt unterliegt regulatorischen und marktspezifischen Risiken.

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