Rund drei Milliarden US-Dollar Nominalvolumen in kaum mehr als einer Woche Beta-Betrieb. So viel bewegte der unbefristete Bitcoin-Future von Kalshi, bevor die CME Group am 18. Juni 2026 Klage gegen die CFTC einreichte, um das rechtliche Fundament des Produkts zu erschüttern. Die weltgrößte Terminbörse zieht ihren eigenen Regulator vor Gericht.
Der Streit dreht sich um ein einziges Wort: perpetual. Perpetual Futures, seit Jahren auf ausländischen Plattformen verbreitet, haben kein Verfallsdatum und erlauben Preisspekulationen ohne den Besitz des Basiswerts. Stattdessen werden zwischen den Parteien Finanzierungsraten ausgetauscht. Die CFTC hat diese Produkte erstmals für den regulierten US-Markt geöffnet. Die CME behauptet, die Behörde habe sie dabei falsch eingestuft.
Was die CFTC genehmigt hat, und wann
Die Chronologie ist entscheidend, denn sie bildet auch den Kern der Verfahrensrüge der CME:
- 29. Mai 2026Die CFTC genehmigt den BTCPERP-Kontrakt von KalshiEX als börsennotierten Future auf einem Designated Contract Market unter Berufung auf den Commodity Exchange Act.
- Anfang JuniKalshi weitet die Perpetuals auf weitere Kryptowährungen aus. Im Beta-Betrieb überschreitet das Nominalvolumen laut Unternehmensangaben drei Milliarden US-Dollar.
- 4. Juni 2026CME-Chef Terry Duffy kritisiert das Verfahren öffentlich: Die Prüfung sei in weniger als 24 Stunden per Selbstzertifizierung abgeschlossen worden, obwohl das Produkt nach seiner Einschätzung eine vollständige Überprüfung erfordert hätte.
- 17. und 18. Juni 2026Duffy kündigt die Klage bei CNBC an, tags darauf folgt die Einreichung. Die CFTC hatte unterdessen Coinbase eine No-Action-Zusage für Derivate auf digitale Rohstoffe erteilt.
Future oder Swap? Die Drei-Milliarden-Frage
Das Argument der CME ist technisch und präzise. Der Dodd-Frank Act, der 2010 den Commodity Exchange Act ergänzt hat, unterscheidet klar zwischen Swaps und Futures. Laut Duffy liegt ein Swap vor, sobald zwei Parteien Zahlungen austauschen, wie es bei den Finanzierungsraten von Perpetuals der Fall ist. Der Commodity Exchange Act definiert einen Future zudem als Kontrakt mit Lieferung oder Fälligkeit. Ein Perpetual hat per definitionem kein Fälligkeitsdatum. Die praktischen Folgen sind erheblich.
Margin-Risikoperiode: Future vs. Swap
Quelle: Dodd-Frank Act, Marginalanforderungen, 2026
Warum die Einstufung alles verändert
Die Unterscheidung ist keine akademische Fingerübung. Würden Perpetuals als Swaps eingestuft, müssten Plattformen wie Kalshi sich als Swap Dealer registrieren lassen, mit anderen Eigenkapital-, Margen- und Aufsichtsregeln. Die Margin-Risikoperiode steigt von einem auf fünf Tage, was die Haltekosten von Positionen spürbar verändert. Zudem verschiebt sich, wer solche Produkte überhaupt listen darf: Die CME verweist auf ihre exklusiven Lizenzvereinbarungen mit den Anbietern der relevanten Referenzkurse. Im Kern geht es um die Geschwindigkeit, mit der regulierte Perpetuals den US-Markt erreichen, ein Thema mit direkter Relevanz für alle, die Trading mit Bitcoin betreiben.
Eine breite juristische Front
Der Konflikt steht nicht allein. Am selben Tag entschied ein Bundesrichter in Michigan, dass Sportwetten-Prediction-Markets nicht unter die Zuständigkeit der CFTC fallen. Der Sechste Bundesberufungskreis ist gespalten: Zwei Urteile sprechen für die Bundesstaaten, eines für die Prediction Markets. Die Sache geht nächsten Monat in die Berufung, mit dem Supreme Court als wahrscheinlichem letzten Schiedsrichter.
Die CFTC reagierte scharf und bezeichnete den Schritt der CME als juristische Kriegserklärung gegen die Behörde und ihre Innovationsagenda. Die Behörde kündigte an, die Klage abweisen zu lassen. Duffy, der die CME-Führung im März 2027 abgeben wird, verglich das aktuelle Spekulationsklima mit der Stimmung vor der Finanzkrise 2008. Alle regulatorischen Details finden sich auf den Websites der CFTC und der CME Group. Letztlich wird ein Gericht entscheiden, wer die Schienen für Perpetuals in den USA kontrolliert. Die Rechtsunsicherheit allein wiegt bereits schwerer als jede Genehmigung.
