Am 24. Juni zog Binance, der weltweit größte Kryptobörse, seinen europäischen Lizenzantrag in Griechenland zurück. Nur wenige Tage vor der MiCA-Frist am 1. Juli 2026.
Die Folge ist gravierend: Der Marktführer riskiert, vom europäischen Markt ausgeschlossen zu werden, während kleinere Wettbewerber ihre Zulassungen längst erhalten haben.
Was ist passiert
Binance hatte seinen Antrag im Januar in Griechenland gestellt und auf eine Behörde gesetzt, die noch keine Lizenzen vergeben hatte und schnellere Verfahren versprach. Die Wette ist nicht aufgegangen.
Nach Berichten über eine drohende Ablehnung zog die Börse den Antrag zurück und sucht nun die Zulassung in einem anderen EU-Mitgliedstaat. Die Aufsichtsbehörden in Griechenland, Irland und Lettland sollen laut Reuters Bedenken geäußert haben: frühere Sanktionen wegen Geldwäsche, die Konzernstruktur und eine Unternehmenskultur, die als zu risikofreudig eingestuft wurde.
Binance versichert, dass die Nutzerfonds sicher und zugänglich sind. Das Unternehmen will betroffene Kunden direkt kontaktieren und zeigt sich zuversichtlich, in den nächsten Monaten eine Lizenz zu erhalten.
Warum der 1. Juli eine Zäsur ist
In der Praxis: am 1. Juli 2026 endet die Übergangsphase der MiCA-Verordnung. Ab diesem Datum gilt: Ohne Lizenz dürfen Kryptobörsen keine Kunden in der EU mehr bedienen.
Der entscheidende Mechanismus heißt EU-Pass: Eine einzige Zulassung, erteilt von einem beliebigen Mitgliedstaat, gilt automatisch in allen 27 EU-Ländern und den 30 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums. Wer diesen Pass besitzt, kann überall operieren. Wer ihn nicht bekommt, ist überall draußen. In Frankreich hat die zuständige Behörde AMF den Betrieb ohne Lizenz ausdrücklich als potenziell strafbar eingestuft.
Nur wenige bestehen die MiCA-Hürde
Anteil zugelassener Kryptounternehmen, von über 1.200 registrierten. Quelle: ESMA, 2026
Die Zahlen zeigen eine harte Auslese. Von über 1.200 zuvor registrierten Unternehmen haben laut ESMA nur rund 200 die vollständige Zulassung erhalten, und kaum 15 dürfen eine echte Handelsplattform betreiben.
Bekannte Namen haben die Hürde genommen: Kraken, Coinbase, Bitvavo, OKX, Crypto.com, Revolut und Ripple besitzen bereits ihre MiCA-Lizenz. Binance ist der einzige verbliebene Großakteur ohne Zulassung. Wie ein Branchenkenner treffend formulierte: Größe verschafft keine Abkürzung zur Lizenz.
Was sich für europäische Nutzer ändert
Für DACH-Nutzer ist dieser Punkt besonders relevant. Die ESMA hat klare Regeln für Anbieter ohne Lizenz festgelegt: keine neuen Kunden, kein Marketing, und die Dienstleistungen werden auf das notwendige Minimum reduziert, damit bestehende Nutzer verkaufen, transferieren oder Positionen schließen können.
Wer Binance aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nutzt: Die Guthaben bleiben zugänglich. Bestimmte Dienste könnten jedoch eingeschränkt werden, bis die Börse eine neue Lizenz erlangt. Offizielle Mitteilungen von Binance direkt verfolgen und Vorsicht vor Betrugsversuchen walten lassen, die die aktuelle Unsicherheit ausnutzen.

Eine der von den Behörden genannten Alternativen: Assets auf eine zugelassene Plattform übertragen oder in Eigenverwahrung nehmen. Ein guter Anlass, sich mit dem Thema Self-Custody und sichere Krypto-Verwahrung zu befassen. Für deutsche Anleger gilt dabei: Die 12-monatige Steuerfreiheit nach §23 EStG bleibt unberührt vom Lizenzstatus der Börse, solange die Coins rechtzeitig auf eine lizenzierte oder selbstverwaltete Wallet transferiert werden.
Das größere Bild: MiCA formt den europäischen Markt zu einem kleineren, regulierten und stärker institutionellen Raum um, in dem selbst der weltgrößte Anbieter die Regeln nicht umgehen kann. Während Europa die Zügel anzieht, öffnen sich die USA mit dem CLARITY Act und den neuen SEC-Leitlinien zur Token-Regulierung in die entgegengesetzte Richtung. Für Nutzer gilt: Es zählt nicht mehr nur, welche Börse man nutzt, sondern ob diese Börse im jeweiligen Markt regulatorisch zugelassen ist. Alle offiziellen Informationen finden sich direkt bei der ESMA und der Europäischen Kommission.
