Fünf Schritte geschafft, vier noch vor sich, und ein Kalender, der jede Woche enger wird. Der CLARITY Act, das Gesetz, das dem amerikanischen Kryptomarkt endlich klare Regeln geben soll, wurde am 1. Juni auf den Senatskalender gesetzt.
Doch eine Zahl beschreibt die Lage besser als jede Pressemitteilung: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz noch 2026 unterzeichnet wird, ist laut Polymarket-Daten von 82 Prozent im Februar auf rund 47 Prozent gefallen. Aus einer Gewissheit wurde eine Münzwurf.
Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act 2026 Gesetz wird
Schätzungen der Prediction Markets (Polymarket). Quelle: crypto.news, DeFi Rate, 2026
Wo das Gesetz wirklich steht
Der CLARITY Act durchläuft insgesamt neun Stationen, von denen noch vier ausstehen. Die schwierigsten vier. Das Gesetz passierte das Repräsentantenhaus im Juli 2025 mit einer parteiübergreifenden Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen, erhielt im Mai 2026 grünes Licht vom Bankenausschuss des Senats und landete am 1. Juni auf dem Legislativkalender. Ab hier wird es ernst.
- Die Plenardebatte im Senat, die wertvolle Kalenderzeit beansprucht.
- Die 60-Stimmen-Hürde für die Abstimmung: das größte Hindernis, denn neben den zwei bereits im Ausschuss gewonnenen Demokraten fehlen noch etwa sieben weitere.
- Die Zusammenführung der Fassungen des Repräsentantenhauses und des Landwirtschaftsausschusses des Senats zu einem einzigen Gesetzestext.
- Die Unterschrift des Präsidenten als letzter formeller Schritt.
Warum der CLARITY Act ins Stocken geraten ist
Zwei miteinander verwobene Konfliktlinien bremsen das Gesetz. Die erste betrifft Stablecoins: Bankenlobbyisten lehnen renditebringende Token entschieden ab, weil sie einen Abfluss von Einlagen befürchten. Senator Thom Tillis sucht nach einem Kompromiss, der bestimmte Formen von „Vergütung“ zulässt, jedoch kein echtes Renditeangebot auf Reserven.
Die zweite Konfliktlinie ist ethischer Natur. Es geht um Vorschriften, die Interessenkonflikte bei Regierungsbeamten verhindern sollen. Im Mittelpunkt steht die Familie des Präsidenten, die laut Berichten aus Krypto-Projekten rund 2,3 Milliarden Dollar eingenommen haben soll. Hinzu kommt ein schlichtes, aber entscheidendes Problem: Zeit. Vor der Sommerpause sind nur noch wenige Sitzungswochen übrig, und auf der Tagesordnung stehen weitere schwere Dossiers, darunter das Wohnungsbaugesetz, die FISA-Verlängerung und die Resolution zu Kriegsvollmachten. Das ursprüngliche Zieldatum 4. Juli ist bereits auf Ende Juli, September oder die Jahresabschlusssitzung verschoben worden.
Was passiert, wenn das Gesetz scheitert
Die Konsequenzen sind konkret. Scheitert der CLARITY Act vollständig, warnte Senatorin Cynthia Lummis, würde das nächste realistische Zeitfenster für eine umfassende Regulierung erst 2030 kommen, weil ein neuer Kongress von vorn beginnen müsste. Bis dahin bliebe die ungeklärte Zuständigkeitsteilung zwischen SEC und CFTC ungelöst. Diese Abgrenzungsfrage zwischen beiden Behörden ist vergleichbar mit dem Regulierungskonflikt, den auch die BaFin und die europäischen Aufsichtsbehörden im Rahmen von MiCA erst mühsam beigelegt haben. Die Behörden würden den Sektor weiterhin von Fall zu Fall über Sanktionen steuern.
Schutzregelungen für Entwickler kämen nicht in Kraft, und institutionelles Kapital, das auf Rechtssicherheit wartet, würde weiter an der Seitenlinie bleiben. Selbst eine bloße Verzögerung hat ihren Preis: Der Optimismus-Aufschlag in den Kursen baut sich langsam ab, wie bereits bei XRP zu beobachten war. Die Prediction Markets, die diese Wahrscheinlichkeiten messen, zeigen einen konstant sinkenden Konsens.
Am Ende stehen drei Szenarien: Verabschiedung noch 2026, Verschiebung auf 2027 oder Scheitern bis 2030. Die Wahrscheinlichkeiten inzwischen nahezu gleich verteilt sind. Die kommenden Wochen entscheiden, welchen Weg das meisterwartete Gesetz der Branche nimmt. Für einen Markt, der seit einem Jahrzehnt auf klare Regeln wartet, endet die Wartezeit entweder jetzt, oder sie verlängert sich abermals. Den offiziellen Gesetzestext und den Verfahrensstand findet man auf Congress.gov sowie auf der Website des Bankenausschusses des Senats. Alle weiteren Entwicklungen verfolgt SpazioCrypto in der Rubrik Regulierung.
Häufige Fragen
Wie standen die Chancen, dass der CLARITY Act 2026 verabschiedet wird?
Die Prediction Markets von Polymarket bezifferten die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz vor Ende 2026 unterzeichnet wird, zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung des Artikels (Juli 2026) auf rund 47%, nach 82% im Februar — von nahezu sicher zum Münzwurf.
Warum geriet der CLARITY Act im Senat ins Stocken?
Zwei Streitpunkte bremsten ihn: der Widerstand der Bankenlobby gegen verzinsliche Stablecoins, bei dem Senator Thom Tillis einen Kompromiss vermittelte, und ein Ethikstreit über Regeln zu Krypto-Interessenkonflikten von Amtsträgern. Ein dichter Gesetzgebungskalender vor der Sommerpause sorgte zusätzlich für einen logistischen Engpass und verschob das realistische Zeitfenster vom 4. Juli auf September oder eine Sitzung zum Jahresende.
Welche Schritte fehlten noch, bis der CLARITY Act Gesetz werden konnte?
Vier der neun Gesetzgebungsschritte: die Debatte im Plenum des Senats, die 60-Stimmen-Hürde (die rund sieben demokratische Senatoren über die zwei hinaus erforderte, die im Ausschuss zugestimmt hatten), der Abgleich des Texts des Repräsentantenhauses mit der Fassung des Landwirtschaftsausschusses des Senats und die Unterschrift des Präsidenten.
Was würde passieren, wenn der CLARITY Act scheitert?
Senatorin Cynthia Lummis warnte, die nächste realistische Gelegenheit für eine umfassende Krypto-Gesetzgebung wäre 2030, da ein neuer Kongress den Prozess neu starten müsste. Die ungelöste Zuständigkeitsgrenze zwischen SEC und CFTC bliebe bestehen: Beide Regulierer würden weiter von Durchsetzungsverfahren zu Durchsetzungsverfahren regieren, und der Schutz für Entwickler bliebe ein bloßes Ziel.


