Am 9. April 2026 sorgte eine einzige Zahl für Aufsehen in der gesamten Branche: 400 Millionen US-Dollar Assets under Management in weniger als drei Wochen nach dem Launch.
Dahinter steckt kein DeFi-Protokoll, das über ein Wochenende aus dem Boden gestampft wurde. Es ist das Ergebnis eines regulierten Fonds, den Amundi — Europas größter Vermögensverwalter mit über 2,3 Billionen Euro AUM — gemeinsam mit dem französischen Fintech Spiko auf Ethereum und Stellar aufgebaut hat. Chainlink bildet das tragende Infrastrukturgerüst. Der Fonds heißt SAFO, Spiko Amundi Overnight Swap Fund, und ist bereits der am schnellsten wachsende tokenisierte Fonds, der je auf Chainlink aufgebaut wurde — schneller sogar als BlackRock BUIDL.
Was ist SAFO — und wie unterscheidet er sich strukturell?
Die meisten bestehenden tokenisierten Fonds sind im Kern Blockchain-Wrapper für US-Staatsanleihen. SAFO funktioniert grundlegend anders: Statt direkt in Staatsanleihen zu investieren, nutzt der Fonds vollständig besicherte Total Return Swaps mit erstklassigen Kontrahenten — darunter BNP Paribas, Goldman Sachs, JP Morgan, UBS, Barclays, Citi, Morgan Stanley und HSBC.
Die Gegenpartei zahlt dem Fonds eine vereinbarte Rendite oberhalb der risikofreien Zinssätze und erhält dafür die Erträge aus dem zugrundeliegenden Portfolio. Das Instrument richtet sich explizit an Corporate Treasury Management und institutionelle Sicherheiten, ist in vier Währungen verfügbar — Euro, US-Dollar, Britisches Pfund und Schweizer Franken — und hat eine Mindestanlage von einer Einheit der jeweiligen Währung.
Chainlink als Infrastruktur: NAV-Reporting und Cross-Chain-Interoperabilität
Chainlink ist das verbindende Layer, das das gesamte Konstrukt zusammenhält. Das Protokoll übernimmt für SAFO zwei kritische Funktionen: die automatisierte NAV-Berichterstattung — welche die Off-Chain-Bewertung des Fonds mit der On-Chain-Ausführung verknüpft — sowie die Cross-Chain-Interoperabilität, die den Fonds auf mehreren Netzwerken zugänglich und liquidierbar macht, ohne auf jeder einzelnen Chain eine separate Replik zu benötigen. Dieses Design löst gleichzeitig zwei der drei schwierigsten Probleme in der Infrastruktur tokenisierter Fonds.
The Spiko Amundi Overnight Swap Fund (SAFO) uses Chainlink for automated NAV reporting & secure cross-chain interop.
— Chainlink (@chainlink) March 19, 2026
SAFO features an EU‑regulated UCITS structure backed by fully collateralized total return swaps, launching with $100M in committed AUM: https://t.co/q7G6VvqCw1 pic.twitter.com/HxOE3eYNPl
Zach Rynes, Community Liaison bei Chainlink, kommentierte den Meilenstein am 9. April auf X und hob hervor, dass SAFO einen noch stärkeren Start hingelegt habe als BUIDL — der tokenisierte Fonds von BlackRock, der bislang als Branchenreferenz gilt. Gleichzeitig hat die Chainlink Reserve 131.656 zusätzliche LINK akkumuliert (über 1,1 Millionen US-Dollar), womit die Gesamtbestände auf über 3 Millionen LINK gestiegen sind. Damit festigt sich das Projekt unter den Top-35-Haltern des Tokens.
Für Beobachter des RWA-Marktes ist das ein klares Signal: Die Tokenisierung schreitet schneller voran, als der Token-Markt es bislang einpreist.
Die Zahlen: Schneller als BUIDL, größer als es scheint
SAFO schloss seinen offiziellen Launch am 19. März 2026 mit 100 Millionen US-Dollar committiertem AUM ab. Innerhalb von drei Wochen vervierfachte sich dieser Betrag. Zum Vergleich: BlackRocks BUIDL, heute die globale Benchmark für tokenisierte Fonds, startete in den ersten Wochen deutlich verhaltener. Der gesamte RWA-Markt liegt im April 2026 bei rund 27,6 Milliarden US-Dollar, davon etwa 12,8 Milliarden in tokenisierten Staatsanleihen. Spiko hatte bereits im Februar 2026 die Marke von einer Milliarde US-Dollar an verteilten Assets überschritten — mit über 3.300 aktiven Kunden und 92 % der Assets aus Business-Nutzern. Vor SAFO übertrafen in dieser Kategorie nur BUIDL und Circle USYC diese Größenordnung.
MiCA, UCITS und der europäische Regulierungsrahmen
Für DACH-Investoren und institutionelle Anleger ist die Regulierungsstruktur entscheidend. SAFO kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Europa mit MiCA endlich einen klaren und vollständig operativen Rechtsrahmen für Krypto-Assets besitzt — und in dem traditionelle Finanzinstitutionen die Blockchain-Technologie nicht länger ignorieren können. Jamie Dimon führte in seinem Aktionärsbrief vom April 2026 Stablecoins, Smart Contracts und Tokenisierung ausdrücklich als direkte strategische Wettbewerber von JPMorgan auf. Amundi geht einen Schritt weiter: Das Unternehmen redet nicht über Tokenisierung, sondern setzt sie praktisch um.
Die UCITS-Struktur ist dabei von zentraler Bedeutung: Sie erlaubt Amundi, SAFO mit einem einzigen regulatorischen Pass in der gesamten EU zu vertreiben — ohne länderspezifische Einzelgenehmigungen. Für deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen, die Unternehmenskapital verwalten, bedeutet das institutionelle Liquidität mit nahezu sofortigem Settlement, On-Chain-Transparenz und 24/7-Übertragbarkeit. Klassische Geldmarktfonds bieten das schlicht nicht.
Aus steuerrechtlicher Perspektive — relevant für deutsche Anleger nach EStG §23 und der Jahresfrist — gilt: SAFO ist als regulierter Investmentfonds strukturiert, nicht als direktes Krypto-Asset, was die steuerliche Einordnung gegenüber reinen Token-Investments grundlegend verändert. Eine individuelle steuerliche Beratung bleibt selbstverständlich empfehlenswert.
Zur JPMorgan-Blockchain-Strategie: Jamie Dimon und JPMorgan: Der Blockchain-Schwenk ist offiziell.
Zum US-Regulierungsrahmen: CLARITY Act und Tokenisierung: Die Anhörung im US-Kongress.
Was das für den RWA-Markt bedeutet — und was jetzt zu beobachten ist
SAFO ist nicht einfach ein weiterer tokenisierter Fonds. Es ist der Beweis, dass die institutionelle Tokenisierung in Europa die Pilotphase hinter sich gelassen hat und in den echten Betrieb übergegangen ist. 400 Millionen US-Dollar in drei Wochen bei einem regulierten, mehrwährungsfähigen, Multi-Chain-Produkt für Corporate Treasury lassen sich nicht mit Hype erklären — sondern mit echter Nachfrage seitens Treasurern, CFOs und Vermögensverwaltern, die nach effizienten, transparenten und regelkonformen Instrumenten suchen.
Chainlink positioniert sich dabei als De-facto-Infrastrukturschicht für diese Kategorie — genau wie bei BUIDL, Franklin Templeton BENJI und anderen institutionellen Produkten. Das ist kein Zufall: Ohne zuverlässige Oracles, die den NAV in Echtzeit On-Chain bringen, und ohne Cross-Chain-Interoperabilität funktioniert ein tokenisierter Fonds, der auf mehreren Netzwerken verteilt wird, schlicht nicht.
- Institutionelle Anleger sollten die Verfügbarkeit von SAFO in ihrer Jurisdiction prüfen.
- Treasury-Manager sollten die Settlement-Effizienz gegenüber klassischen Geldmarktfonds vergleichen.
- Regulierungsexperten sollten verfolgen, wie BaFin die UCITS-Passportierung tokenisierter Fonds behandelt.
2026 zeichnete sich bereits als Jahr der institutionellen RWAs ab. Mit SAFO tokenisiert Europa nicht nur mit — es setzt den Standard.
