Tether-Gründer Ardoino und Devasini halten 11,5 % der Juventus-Anteile — USDT-Stablecoin im Hintergrund
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Von Riccardo Curatolo Profilbild Riccardo Curatolo
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Tether, Juventus und die zwei reichsten Italiener der Krypto-Welt

Tether-Gründer Ardoino und Devasini gehören 2026 zu den reichsten Italienern. Sie halten 11,5 % der Juventus-Aktien und haben ein Angebot von 1,1 Mrd. Euro abgegeben — das noch immer nicht zurückgezogen ist.

Vor fünf Jahren kannte sie niemand. Heute gehören sie zu den vier reichsten Italienern des Landes. Und sie wollen Juventus kaufen.

Die Geschichte von Giancarlo Devasini und Paolo Ardoino ist das wohl ungewöhnlichste Erfolgskapitel im Krypto-Bereich — und paradoxerweise jenes, über das in der deutschsprachigen Finanzwelt am wenigsten berichtet wird.

Von Genua und Turin zum globalen USDT-Imperium

Devasini stammt aus Turin. Als ehemaliger plastischer Chirurg, Jahrgang 1964, handelte er zunächst mit Elektronikgadgets, bevor er in die Kryptowelt einstieg. Heute ist er Mitgründer und CFO von Tether — dem Unternehmen hinter USDT, dem weltweit meistgenutzten Stablecoin. Laut Forbes-Daten vom Anfang 2026 zählt er zu den drei reichsten Italienern, eine Position, die er in erstaunlichem Tempo erklommen hat.

Ardoino kommt aus Cisano sul Neva in Ligurien, Jahrgang 1984. Angewandte Mathematik an der Universität Genua, dann ein Startup in London, dann der Einstieg bei Bitfinex im Jahr 2014. Seit Oktober 2023 ist er CEO von Tether. Seit bekannt wurde, dass er Juventus übernehmen will, ist er das bekannteste Gesicht des italienischen Kryptos.

Tether erzielte 2024 einen Rekordgewinn von über 13 Milliarden US-Dollar — überwiegend aus den Renditen auf US-Treasuries, die als Deckung der USDT-Reserven dienen. Mit über 400 Millionen Nutzern weltweit ist der Stablecoin zu einer zentralen Finanzinfrastruktur in Schwellenmärkten geworden: Argentinien, Nigeria, Türkei, Ägypten.

11,5 Prozent Juventus und das abgelehnte Milliarden-Angebot

Das alles hätte wenig mit der Serie A zu tun — wäre da nicht die Aktionärsstruktur von Juventus. Tether hält heute 11,5 Prozent des Kapitals des Turiner Clubs — und ist damit nach Exor, dem Holdingvehikel der Familie Agnelli-Elkann mit 65,4 Prozent, zweitgrößter Anteilseigner.

Der Einstieg verlief schrittweise: 5 Prozent im Februar 2025, dann über 10 Prozent im April, dann die Beteiligung an der Kapitalerhöhung von 100 Millionen Euro. Am 12. Dezember 2025 versandte Ardoino schließlich ein verbindliches Angebot in bar zur Übernahme des Exor-Anteils — bewertet mit 1,1 Milliarden Euro.

John Elkanns Antwort kam innerhalb weniger Stunden. Knapp, endgültig, emotional: "Juventus gehört seit 102 Jahren zu meiner Familie."

Der Verwaltungsrat lehnte einstimmig ab. Tether bekommt Juventus nicht.

Das Angebot ist nicht zurückgezogen — Tether denkt langfristig

Ardoino gibt jedoch nicht auf. In einem ausführlichen Interview im Februar 2026 — ausgestrahlt im Format "Black Box" — stellte er klar:

"Wir glauben, dass Juventus deutlich besser aufgestellt sein könnte, und wir würden gerne zu einer positiven Veränderung beitragen — auch ohne zwingend die Kontrolle zu übernehmen. Giancarlo und ich sind eingefleischte Fans, aber wir sind überzeugt, dass der Club ein enormes ungenutztes Potenzial hat: 200 Millionen Fans weltweit, viele davon in Schwellenmärkten, die wir mit Tether bedienen. Wir ziehen das Angebot nicht zurück."

Tether hat bereits einen Mann im Juventus-Verwaltungsrat: Francesco Garino, nominiert auf der Aktionärsversammlung im November 2025. Das ist keine symbolische Präsenz. Es ist ein Fuß in der Tür.

Hinzu kommt ein weiteres Datenpunkt: Im März 2026 rangieren Devasini und Ardoino laut aktuellen Erhebungen auf Platz 1 und Platz 4 der reichsten Italiener. Ihre finanzielle Position ist deutlich stärker als zum Zeitpunkt des 1,1-Milliarden-Angebots.

Was Tethers Vorgehen für Investoren und den Krypto-Markt bedeutet

Aus DACH-Perspektive ist diese Geschichte aus mehreren Gründen relevant. USDT ist auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz die meistgenutzte Stablecoin — sei es auf Börsen wie Bitpanda oder im P2P-Handel. Tethers Finanzstärke, gestützt auf US-Treasuries, steht dabei im direkten Kontrast zu den strengen Transparenzanforderungen, die die BaFin und die MiCA-Verordnung an Stablecoin-Emittenten stellen.

Tether selbst ist bislang nicht als MiCA-konformer E-Geld-Token zugelassen — ein Umstand, den regulierungsbewusste Anleger im DACH-Raum beachten sollten. Gleichzeitig zeigt die Juventus-Episode, wie Krypto-Vermögen zunehmend in traditionelle Wirtschaftsbereiche vordringt. Zwei Männer, die mit einem digitalen Dollar-Äquivalent Milliarden verdient haben, versuchen nun, einen der bekanntesten Fußballclubs Europas zu übernehmen.

  • Tethers USDT-Marktkapitalisierung überstieg Anfang 2026 die Marke von 140 Milliarden US-Dollar.
  • Der Rekordgewinn von 13 Milliarden Dollar 2024 entspricht dem Jahresgewinn mancher europäischen Großbanken.
  • Für langfristig orientierte Krypto-Investoren im DACH-Raum bleibt entscheidend: Wie entwickelt sich die MiCA-Konformität von USDT, und welche Handelsplätze werden den Token weiterhin anbieten?

Die Lage bleibt offen. Exor verkauft nicht — das ist aktuell Stand der Dinge. Aber Ardoino sitzt mit mehr als 11 Prozent am Tisch, hat einen Vertreter im Verwaltungsrat, und Tether wird von Quartal zu Quartal finanziell stärker. In der Hochfinanz hat das Wort „niemals

Von Riccardo Curatolo Profilbild Riccardo Curatolo
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