Am 1. Juni 2026 hat Anthropic vertraulich seinen Börsengang-Antrag bei der SEC eingereicht. Überraschend: Auf den Prediction Markets hatten die meisten darauf gesetzt, dass OpenAI als Erstes diesen Schritt wagen würde. Gil Luria von DA Davidson fasste die Stimmung treffend zusammen:
Es ist ein Rennen darum, sich zu quotieren, bevor das Kapital ausgeht.
Der Zeitpunkt überrascht selbst Branchenkenner.
Wer hat zuerst gehandelt
Anthropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude und dem Coding-Assistenten Claude Code, hat den vertraulichen Antrag am Montag bei der SEC gestellt. OpenAI soll in den nächsten Tagen oder Wochen folgen. Beide könnten bereits im Herbst 2026 an die Börse gehen. Dass Anthropic den Schritt zuerst machte, ist das eigentliche Nachrichtenereignis: Laut aktuellem Stand reagierte die Gesellschaft auf den Druck der Märkte früher als erwartet. Die Bestätigung kam über die eigenen Kanäle: → Aktuelle Beiträge von @AnthropicAI auf X.
Warum gerade jetzt
Die Zahlen erklären die Eile. Anthropic schloss Ende Mai eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar ab, laut Reuters-Berichten, was die Bewertung auf über 965 Milliarden Dollar hebt. OpenAI war laut Bloomberg im März 2026 mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Zwei private Schwergewichte, die in enormem Tempo Kapital verbrennen und in den öffentlichen Märkten das einzige ausreichend tiefe Finanzierungsbecken sehen. Wer zuerst ein Bewertungsmodell für ein KI-Labor definiert, setzt den Preis für die gesamte Branche.
Anthropic setzt klar auf das Unternehmensgeschäft: Nach eigenen Angaben zählt das Unternehmen über 300.000 Business-Kunden, mit einem annualisierten Umsatzrhythmus von geschätzten 26 Milliarden Dollar. Wer den Kontext rund um KI und Finanzen verfolgt, findet bei SpazioCrypto weiterführende Analysen zu GPT-5.5 und agentischer KI im Bankensektor sowie zu KI-Agenten, die in USDC bezahlen, in der Rubrik Künstliche Intelligenz.
Bewertungen der drei großen privaten KI-Labore (Milliarden USD)
Bewertungen der drei großen privaten KI-Labore (Milliarden USD)
Quellen: Reuters, Bloomberg · Bewertungen zu verschiedenen Zeitpunkten (Anthropic Mai 2026, OpenAI März 2026, xAI Jan. 2026)
Quellen: Reuters, Bloomberg · Bewertungen zu verschiedenen Zeitpunkten (Anthropic Mai 2026, OpenAI März 2026, xAI Jan. 2026)
Wann geht Anthropic an die Börse?
Ein offizielles Datum gibt es nicht. Der Antrag ist vertraulich, die Zahlen bleiben unter Verschluss, bis sich das Unternehmen zur Veröffentlichung entscheidet. Die SEC-Vertraulichkeitsregelung lässt genau das zu. Realistische Szenarien sehen den Börsengang im Herbst 2026, möglicherweise im selben Zeitfenster wie OpenAI. Der Markt steht damit vor zwei der größten Tech-Börsengänge aller Zeiten innerhalb weniger Monate, nachdem auch SpaceX im Frühjahr für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Wer profitiert und wer trägt das Risiko
Auf dem Papier profitieren vor allem Frühphaseinvestoren und Mitarbeiter mit Aktienoptionen. Das eigentliche Risiko liegt auf einer anderen Ebene: Das KI-Labor-Narrativ wird erstmals dem vollen Druck der öffentlichen Märkte ausgesetzt, wo Gewinn- und Verlustrechnung zählen, nicht nur Visionen. Der Aufstieg von Anthropic hat 2026 bereits Software- und IT-Aktien unter Druck gesetzt, da Anleger zunehmend autonome KI-Tools als Bedrohung für klassische Softwaremodelle einpreisen.
Auch für den Krypto-Bereich gibt es einen direkten Bezug: KI-Token reagierten auf die Stimmungsschwankungen der Branche, wie bei den KI-Token-Rallys trotz fallendem Bitcoin zu sehen war. Der Wettbewerb bei Sprachmodellen bleibt hart, von DeepSeek, das Bitcoin in einem Trading-Vergleich schlug, bis zur Konkurrenz durch Alibabas Qwen 2.5.
Der Kontrast zur übrigen digitalen Finanzwelt ist deutlich: Während KI auf Wall Street zusteuert, verzeichnen Bitcoin-ETFs laut aktuellen Marktberichten Rekordzufluss-Umkehrungen. Reuters berichtete über die Entwicklung zuerst: aktuelle Beiträge von @Reuters auf X.
Was bleibt, ist eine aufschlussreiche Asymmetrie. OpenAI, laut Bloomberg-Recherchen, strebt einen der größten Börsengänge der Geschichte an, mit einer potenziellen Bewertung von bis zu 1.000 Milliarden Dollar. Noch vor Monaten hatte Finanzchefin Sarah Friar einen baldigen Börsengang als nicht unmittelbar geplant bezeichnet. Dann änderte sich der Wind. Anthropic reichte zuerst ein, OpenAI folgt, und den Kalender bestimmt, wer zuerst das Kapital ausgeschöpft hat. Das Rennen dreht sich nicht um das bessere Produkt. Es dreht sich um die Kasse.
