Leuchtende Kugel eines Prognosemarkts mit steigender Wahrscheinlichkeitskurve und Waschbärmaske auf dunklem…
Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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Insider Trading auf Polymarket: Google-Ingenieur gewinnt 1,2 Mio. Dollar

Google-Ingenieur Michele Spagnuolo soll 1,2 Mio. Dollar auf Polymarket gewonnen haben, mit internen Suchdaten. Zweiter Insider-Trading-Fall in einem Monat.

Michele Spagnuolo, IT-Sicherheitsingenieur bei Google und italienischer Staatsbürger mit Wohnsitz in der Schweiz, soll auf der Prognoseplattform Polymarket 1,2 Millionen Dollar Gewinn erzielt haben, indem er interne Google-Suchdaten nutzte, um auf den meistgesuchten Begriff des Jahres zu wetten. Die Wette galt öffentlich als aussichtslos, weil die Plattform die Wahrscheinlichkeit dieses Ergebnisses nahe null einschätzte. Tatsächlich kannte Spagnuolo das Ergebnis bereits, da er Zugang zu vertraulichen Nutzerdaten des Konzerns hatte. Ende Mai 2026 nahm ihn die Staatsanwaltschaft in Manhattan fest und erhob Anklage wegen Commodity-Betrugs, Telekommunikationsbetrugs und Geldwäsche. Der Fall stellt erneut die Frage, ob Insider Trading auf Prognosemärkten wirksam verhindert werden kann.

Die unmögliche Wette auf d4vd

Spagnuolo, 36 Jahre alt, nutzte ein Konto unter dem Namen „AlphaRaccoon“. Laut Anklageschrift setzte er darauf, dass der Sänger d4vd die am häufigsten gesuchte Person auf Google im Jahr 2025 sein würde, zu einem Zeitpunkt, als der Markt diesem Ausgang eine nahezu verschwindende Wahrscheinlichkeit zumaß. Google veröffentlichte die Ergebnisse des „Year in Search“ offiziell am 4. Dezember 2025. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Konto AlphaRaccoon bereits 1,2 Millionen Dollar eingestrichen. Das entscheidende Indiz ist das Timing: Spagnuolo kannte das Ergebnis vor der Öffentlichkeit, weil er zuvor auf vertrauliche, kommerziell sensible Daten seines Arbeitgebers zugegriffen hatte. Mehrere Beobachter hatten dieses Konto bereits im Dezember als verdächtig gemeldet.

Die zwei Insider-Trading-Fälle auf Polymarket

Quelle: DOJ/SDNY-Akten, Mai 2026

$1,2M
$400K
Spagnuolo (Google)Soldato (Maduro)

Warum sich ein Sicherheitsexperte erwischen ließ

Genau darin liegt das Paradox. Spagnuolos Beruf war der Schutz sensibler Informationen. Zu Fall gebracht hat ihn das Simpelste: Seine Wetten waren öffentlich, dauerhaft auf einem Register festgehalten, das jeder einsehen kann. Die „sichere Wette“, ermöglicht durch eine transparente Plattform, ist dieselbe, die ihn entlarvt hat. Nach dem Gewinn soll er laut Anklageschrift versucht haben, Herkunft und Eigentümerschaft des Geldes zu verschleiern. Genau dieser Verschleierungsversuch begründet den Geldwäschevorwurf. Für DACH-Anleger relevant: Die Frage, ob solche Event-Kontrakte als Commodity oder als reguliertes Finanzinstrument nach deutschem Recht einzustufen wären, bleibt offen.

Polymarket auf Seiten der Staatsanwaltschaft

Die Plattform hat sich nicht als passives Opfer dargestellt. Ein Sprecher erklärte, man habe eng mit der Staatsanwaltschaft des Southern District of New York zusammengearbeitet, und betonte, Polymarket sei der einzige Prognosemarkt, dessen Kooperation bislang zu einer Anklage wegen Insider Tradings in den USA geführt habe. Das Timing ist kein Zufall. Polymarket kehrt nach Jahren des Rückzugs in den US-Markt zurück, nachdem die CFTC die Plattform zuvor mit einer Geldstrafe belegt hatte. Laut Presseberichten erhielt das Unternehmen eine Investition von 2 Milliarden Dollar von der Muttergesellschaft der NYSE, und Donald Trump Jr. sitzt im Beirat. In diesem Umfeld ist die Kooperation mit Staatsanwälten nicht nur eine Pflicht, sondern ein klares Signal an Regulatoren und Wall Street.

Was sich tatsächlich verändert

Dies ist bereits der zweite vergleichbare Fall innerhalb von etwas mehr als einem Monat. Im April wurde laut DOJ-Akten ein Soldat der Spezialstreitkräfte angeklagt, klassifizierte Informationen genutzt zu haben, um auf Polymarket auf den Verbleib des venezolanischen Präsidenten Maduro zu wetten, und dabei über 400.000 Dollar einzustreichen. Das eigentliche Problem ist theoretischer Natur. Prognosemärkte vermarkten sich als Wahrheitsmaschinen, die verteiltes Wissen bündeln und genaue Wahrscheinlichkeiten erzeugen. Dieses Versprechen belohnt konstruktionsbedingt jene, die mehr wissen als andere. Wer auf regulierten Märkten mehr weiß als andere, begeht häufig eine Straftat. Die CFTC vertritt die Auffassung, dass Event-Kontrakte regulierte Swaps darstellen, doch die genaue operative Grenzziehung steht noch aus.

Je stärker Polymarket in den USA wächst, desto mehr riskiert jede „sichere Wette“, ein Justizfall zu werden. Die Plattform hat erkannt, dass Expansion und interne Regulierung mittlerweile untrennbar verbunden sind. Spagnuolo steht vor einer Anklage, die seinen Fall als Präzedenzfall nutzen wird. Die primäre Quelle bleibt die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan, das US Attorney's Office des Southern District of New York, während der regulatorische Rahmen für Event-Kontrakte der Commodity Futures Trading Commission untersteht. Für Anleger im DACH-Raum zeigt der Fall, wie transparent aufgezeichnete On-Chain-Aktivitäten selbst erfahrene Sicherheitsexperten überführen können.

Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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