Präsident Donald Trump hat am Dienstag angekündigt, dass die "provisorischen Behörden" Venezuelas zwischen 30 und 50 Millionen Barrel Öl an die USA liefern werden. Die Ankündigung kommt nur wenige Tage nach der aufsehenerregenden Militäroperation, die zur Gefangennahme von Nicolás Maduro durch die US-Streitkräfte führte.
In einem Beitrag auf Truth Social veröffentlicht, stellte Trump klar, dass das Rohöl "zum Marktpreis verkauft" und der Erlös "von mir als Präsident der Vereinigten Staaten kontrolliert" werden wird. Bei einem Preis von rund 56 Dollar pro Barrel könnte das Geschäft einen Gesamtwert von fast 2,8 Milliarden Dollar erzielen.
Ich freue mich, ankündigen zu können, dass die provisorischen Behörden in Venezuela zwischen 30 und 50 MILLIARDEN Barrel hochwertiges, sanktioniertes Öl an die Vereinigten Staaten von Amerika liefern werden', sagte Trump in den sozialen Medien
Das Interesse Washingtons am Energiesektor des Landes mit den größten nachgewiesenen Reserven der Welt ist nicht flüchtig. Ein Treffen im Oval Office zwischen dem Präsidenten und Spitzenmanagern von Ölgiganten wie Exxon, Chevron und ConocoPhillips ist bereits für Freitag geplant. In der Zwischenzeit wurde Energieminister Chris Wright angewiesen, den Plan "sofort" auszuführen und Tanker zu den US-Häfen zu bringen.
Der Rebus der Bitcoin-Reserven
Während sich die mit Rohöl beladenen Schiffe darauf vorbereiten, in See zu stechen, hat sich die Aufmerksamkeit der Analysten auf einen viel schwieriger abzufangenden Vermögenswert verlagert: die angeblichen Bitcoin-Reserven, die Maduros Regime angehäuft hat, um internationale Sanktionen zu umgehen.
Die Angaben über die Größe dieses "Schattenschatzes" sind widersprüchlich:
- Project Brazen spekuliert, dass Venezuela rund 60 Milliarden Dollar in Bitcoin halten könnte.
- Bitcointreasuries.net meldet stattdessen eine viel bescheidenere Zahl: 240 BTC, das sind etwa 22 Millionen Dollar.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine dieser Zahlen durch eine endgültige On-Chain-Analyse bestätigt worden. Weder die digitalen Geldbörsen noch die Verwahrer, die diese Gelder angeblich verwaltet haben, sind bekannt. Experten halten es jedoch für logisch, dass Caracas nach seinem Ausschluss von den globalen Finanzmärkten Zuflucht in Kryptowährungen gesucht hat, was auch an den (gescheiterten) Versuch im Jahr 2018 mit der Einführung des staatlichen Tokens "Petro" erinnert.
Eine technische und rechtliche Herausforderung
Im Gegensatz zu Petro kann Bitcoin nicht physisch beschlagnahmt werden. Die Beschlagnahmung erfordert die Beschaffung privater Schlüssel oder die Kooperation von Verwahrern. In Anbetracht der Art des Regimes ist es unwahrscheinlich, dass Maduro sich auf Verwahrungsdienste unter US-amerikanischer Gerichtsbarkeit verlassen hätte.
Das Spiel ist also extrem spannend: Wenn die US-Behörden in der Lage wären, die privaten Schlüssel von Maduro oder seinen engen Mitarbeitern zu beschaffen, könnten sie sofort Milliarden beschlagnahmen. Wenn nicht, bleiben diese Vermögenswerte für immer unzugänglich.
Auf dem Weg zu einer strategischen Reserve der USA?
Die Spekulationen erhalten eine fundamentale politische Bedeutung, wenn sie mit Trumps Durchführungsverordnung zur Schaffung einer "Strategischen Bitcoin-Reserve" zum Nulltarif für die Steuerzahler verknüpft werden. Die Beschlagnahmung der venezolanischen Gelder würde eine theoretische Lösung für das Problem bieten, wie man Bitcoin anhäufen kann, ohne die Staatskasse zu belasten.
Wenn die Reserven existieren und mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden, die vor US-Gerichten verfolgt werden können, könnte die Regierung beschließen, die Token nicht zu verkaufen, sondern sie als Reserven in ihrem Portfolio zu behalten. Während das venezolanische Öl seinen Weg in die USA findet, bleibt das Schicksal von Maduros Bitcoins hinter unbekannten kryptografischen Schlüsseln versiegelt, außerhalb der Reichweite jeglicher traditioneller gewaltsamer Maßnahmen.
