• Home
  • Verordnung
  • Bitcoin, Ethereum und Solana sind offiziell Digitale Rohstoffe
Bitcoin, Ethereum und Solana offiziell als digitale Rohstoffe von SEC und CFTC klassifiziert
Von Riccardo Curatolo Profilbild Riccardo Curatolo
3 min read

Bitcoin, Ethereum und Solana sind offiziell Digitale Rohstoffe

SEC und CFTC haben gemeinsam ein 68-seitiges Interpretationsdokument veröffentlicht, das Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP und 12 weitere Kryptowährungen offiziell als digitale Rohstoffe — nicht als Wertpapiere — klassifiziert.

Der 17. März 2026 wird als historisches Datum in die Geschichte der Kryptobranche eingehen. Die SEC und die CFTC — die beiden wichtigsten Finanzaufsichtsbehörden der USA — haben gemeinsam ein 68-seitiges Interpretationsdokument veröffentlicht, das den regulatorischen Status von 16 bedeutenden Kryptowährungen neu definiert. Die Aussage ist eindeutig: Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP und zwölf weitere digitale Assets sind keine Wertpapiere (Securities). Sie sind digitale Rohstoffe (Digital Commodities) und werden künftig von der CFTC reguliert — nicht von der SEC.

Eine Unterscheidung, die für die gesamte Branche von grundlegender Bedeutung ist.

Das Ende eines jahrelangen Regulierungsvakuums

Die Kryptobranche hat jahrelang unter erheblicher Rechtsunsicherheit gelitten. Die zentrale Frage lautete stets: Ist Bitcoin ein Wertpapier? Ist Ethereum ein Wertpapier? Ist Solana eines? Die Antwort bestimmte alles — welche Exchanges legal operieren konnten, welche Finanzprodukte angeboten werden durften und welche Unternehmen dem Durchsetzungsrisiko der SEC ausgesetzt waren.

Die frühere Strategie der SEC — Regulierung durch Klagen statt durch klare Regeln — hatte zu jahrelanger Unsicherheit, kostspieligen Rechtsstreitigkeiten und einer Abwanderung von Kapital und Fachkräften in regulatorisch freundlichere Jurisdiktionen geführt. Mit der gemeinsamen Veröffentlichung vom 17. März scheint diese Phase formal abgeschlossen.

Die Klassifizierung umfasst 16 Kryptowährungen, die nun offiziell als digitale Rohstoffe unter CFTC-Aufsicht anerkannt sind. Das Dokument stellt zudem klar, dass die vier wichtigsten Staking-Formen sowie entgeltfreie Airdrops keine Wertpapiertransaktionen mehr darstellen.

Welche Assets betroffen sind — und was das konkret bedeutet

Die im Interpretationsdokument genannten Assets zählen zu den größten nach Marktkapitalisierung und globaler Verbreitung. Die Aufsicht wechselt von der SEC — mit ihrem umfangreichen Wertpapierrecht — zur CFTC, die traditionell für Rohstoffmärkte wie Öl, Gold und Derivate zuständig ist.

Konkret bedeutet das:

  • Für Exchanges: deutlich geringeres Durchsetzungsrisiko bei der Listung und dem Handel dieser Assets — ein relevanter Faktor auch für europäische Plattformen wie Bitpanda, die in den US-Markt expandieren wollen
  • Für institutionelle Anleger: größere Rechtssicherheit bei der Integration von Krypto in Portfolios und regulierte Produkte
  • Für Blockchain-Projekte: ein stabilerer Rechtsrahmen für Betrieb, Entwicklung und Kapitalaufnahme in den USA
  • Für Staking: Staking-Aktivitäten werden nicht mehr als Angebot von Finanzinstrumenten behandelt, was neue Produktkategorien ermöglicht

Der CLARITY Act: der nächste Schritt

Die Entwicklung ist historisch — muss aber eingeordnet werden. Bei der aktuellen Klassifizierung handelt es sich um ein Interpretationsdokument, kein dauerhaftes Gesetz: Der US-Kongress muss den CLARITY Act verabschieden, um diese Neuklassifizierung rechtlich verbindlich zu machen.

Der Gesetzesentwurf steht im Mittelpunkt komplexer politischer Verhandlungen. Republikanische Senatoren diskutieren Berichten zufolge, eine Deregulierung für Gemeinschaftsbanken als Teil eines breiteren Gesetzespakets an den CLARITY Act anzuhängen, während die Verhandlungen über Stablecoin-Renditen zu 99 % abgeschlossen sein sollen.

Kurz gesagt: Die Richtung ist klar, der parlamentarische Weg aber noch offen. Jedes Update aus dem Senat in den kommenden Monaten könnte die Märkte bewegen.

Das Gesamtbild: 2026 als Jahr der regulatorischen Umsetzung

Diese Entwicklung steht nicht isoliert. Der GENIUS Act — das föderale Stablecoin-Gesetz, das Präsident Trump im Juli 2025 unterzeichnete — hatte bereits den Weg geebnet: Die vollständige Umsetzung ist bis zum 18. Juli 2026 geplant, die FDIC hat bereits Verfahren vorgeschlagen, die es Banken ermöglichen sollen, Stablecoins auszugeben.

2026 zeichnet sich als das Jahr ab, in dem die USA von der Regelentwicklung zur Regelanwendung übergehen. Analysten erwarten, dass es weniger ein Jahr neuer Regulierung als ein Jahr der Konsolidierung und operativen Verankerung bestehender Rahmenbedingungen sein wird.

Für die globalen Märkte — und insbesondere für den deutschsprachigen Raum — ist diese transatlantische regulatorische Konvergenz ein bedeutsames Signal. Während BaFin und die europäische MiCA-Verordnung bereits einen klaren Rahmen setzen, schafft die US-Klassifizierung nun Anschlussfähigkeit: Institutionelle Anleger, die bisher auf Rechtssicherheit in den USA gewartet haben, erhalten nun eine belastbare Grundlage.

Was weiterhin ungeklärt bleibt

Regulatorische Klarheit beseitigt nicht alle Risiken. Die Klassifizierung als Rohstoff schützt auf Exchanges verwahrte Assets nicht vor plattformspezifischen Risiken wie Insolvenz, Hacks oder Auszahlungssperren — die Selbstverwahrung bleibt der direkteste Weg zur vollen Kontrolle über eigene digitale Assets.

Steuerliche Fragen bleiben ebenfalls offen. Die neue SEC/CFTC-Klassifizierung betrifft den regulatorischen Status der Assets, nicht ihre steuerliche Behandlung. Für deutsche Anleger gilt weiterhin: Nach §23 EStG sind Gewinne aus Kryptowährungen nach einer Haltedauer von zwölf Monaten (Jahresfrist) steuerfrei — die neue US-Klassifizierung ändert daran nichts. Staking-Erträge bleiben in den USA steuerpflichtiges Einkommen; auch in Deutschland gelten sie als sonstige Einkünfte.

Fazit

Die gemeinsame SEC/CFTC-Maßnahme vom 17. März 2026 stellt wohl den bedeutendsten regulatorischen Wandel für den US-Kryptomarkt seit Jahren dar. Sechzehn Assets — darunter die drei größten nach Marktkapitalisierung nach Bitcoin — erhalten eine Klassifizierung, die Unsicherheit reduziert, den institutionellen Zugang erleichtert und die Rohstofflogik endgültig von der Wertpapierlogik trennt.

Das nächste Kapitel heißt CLARITY Act. Und die Märkte warten bereits darauf.

Von Riccardo Curatolo Profilbild Riccardo Curatolo
Aktualisiert am
Verordnung Vereinigte Staaten
Consent Preferences

Krypto-Nationen: Der Kampf um Geld, Macht und Code

Eine Dokumentation darüber, wie Bitcoin und Blockchain globale Finanzen und geopolitische Machtstrukturen verändern – von El Salvadors Bitcoin-Experiment bis zur EU-Regulierung und dem Aufstieg dezentraler Finanzsysteme.