Strategy hat zwischen dem 27. Juli und dem 2. August 2026 insgesamt 1.638 Bitcoin verkauft und dabei laut einer bei der SEC eingereichten Pflichtmeldung rund 104,7 Millionen US-Dollar eingenommen. Der Durchschnittsverkaufspreis von etwa 63.957 Dollar lag dabei deutlich unter dem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.419 Dollar, was einem Verkauf mit Verlust entspricht. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte dienen die Erlöse nicht dem Erwerb weiterer Bitcoin, sondern der Deckung laufender Verbindlichkeiten.
TL;DR: Strategy hat erneut 1.638 Bitcoin unter Einstandspreis verkauft und kauft seit über fünf Wochen keine Bitcoin mehr. Die Erlöse fließen in Dividenden, Aktienrückkäufe und Barreserven, was das ursprüngliche Akkumulationsmodell grundlegend verändert.
Die Zahlen im Detail
Die Fakten liegen schwarz auf weiß im SEC-Dokument. Zwischen dem 27. Juli und dem 2. August 2026 veräußerte Strategy 1.638 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 63.957 Dollar und erzielte damit Einnahmen von etwa 104,7 Millionen Dollar. Das Unternehmen hatte diese Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 75.419 Dollar erworben, wie aus früheren SEC-Einreichungen hervorgeht. Der Verkauf erfolgte also mit einem erheblichen Buchverlust.
Nach diesem Verkauf hält Strategy laut den eigenen Angaben noch 842.138 Bitcoin. Es handelt sich um den dritten Bitcoin-Verkauf im Jahr 2026. Noch auffälliger ist jedoch ein anderer Umstand: Das Unternehmen hat seit über fünf Wochen keinen einzigen Bitcoin mehr gekauft. Für ein Unternehmen, das über Jahre hinweg bei jeder Gelegenheit zukaufte, ist dieses Schweigen bemerkenswert.
Strategy increased its USD Reserve by $250M and repurchased $81M of $STRC. This increased USD Duration by 57 days to 2.3 years and tightened STRC's BTC Credit by 5 bps. As of 8/2/26, we hold ₿842,138 in our BTC Reserve and $4.0B in our USD Reserve. $MSTR https://t.co/t7bGZJ8Q3o
, Michael Saylor (@saylor) August 3, 2026
Wohin das Geld fließt
Das Wesentliche liegt nicht im Verkauf selbst, sondern in seiner Verwendung. Die rund 104,7 Millionen Dollar aus dem Bitcoin-Verkauf wurden zusammen mit weiteren 290 Millionen Dollar aus dem Verkauf eigener Aktien für drei konkrete Zwecke eingesetzt: Dividendenzahlungen an Inhaber von Vorzugsaktien, Rückkauf eines Teils dieser Vorzugsaktien zur Kursstützung sowie Aufstockung der Barreserve auf nunmehr 4,0 Milliarden Dollar.
Die Schatzkammer, die jahrelang Wert angehäuft hat, verkauft nun Stück für Stück ihre wertvollsten Bestände, um finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen. Die Tesoreria finanziert sich selbst, wie man im Deutschen sagen würde: der Apparat zehrt von seinen eigenen Reserven.
Der Kurswechsel bei Strategy
Vom Akkumulierer zum Verkäufer. Quelle: SEC-Dokumente, August 2026
- 1.638 BTC verkauft: zu ~63.957 Dollar, unter dem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.419 Dollar. Dritter Verkauf im Jahr 2026.
- Kein Kauf seit über 5 Wochen: Für ein Unternehmen, das kontinuierlich zukaufte, ist das eine deutliche Zäsur.
- Verwendung der Mittel: Dividenden auf Vorzugsaktien, Aktienrückkäufe und Barreserve auf 4 Milliarden Dollar erhöht.
Saylors Verteidigung
Es wäre einseitig, diese Geschichte allein als Kapitulation zu erzählen. Michael Saylor hat eine eigene Lesart vorgelegt, die ernst genommen werden sollte. Auf den Vorwurf, seine Philosophie verraten zu haben, reagierte er entschieden: Er habe nie eine strikte „Niemals-Verkaufen“-Politik vertreten. Gesamtjährlich habe das Unternehmen deutlich mehr Bitcoin gekauft als verkauft. Die aktuellen Verkäufe ordnete er in ein Ende Juni offiziell angekündigtes Liquiditätsprogramm ein, das genau für solche Situationen konzipiert worden sei.
Seine Argumentation lautet, dass es sich nicht um eine Notlösung handelt, sondern um ein reifes Bilanzmanagement: Ein kleiner Teil der Reserven wird liquidiert, um die Finanzstruktur zu stärken und in Zukunft mehr Bitcoin kaufen zu können. Er betonte, dass das Unternehmen seine Zahlungsfähigkeit dadurch um fast zwei Monate verlängert habe. Das ist eine nachvollziehbare Position. Sie ändert jedoch nichts am grundlegenden Wandel im Geschäftsmodell.
Warum dieser Wandel historisch ist
Das ursprüngliche Modell von Strategy, das Dutzende Nachahmer weltweit inspiriert hat, basierte auf einer impliziten Zusage an die Investoren: Die Bitcoin-Reserven können nur wachsen. Diese Zusage ist heute gebrochen. Das neue Programm erlaubt ausdrücklich den Verkauf von Bitcoin im Umfang von bis zu 5 Milliarden Dollar zur Deckung laufender Kosten. Analysten, die das Unternehmen beobachten, werten dies als Eingeständnis, dass die Reserven eben nicht zwingend immer zunehmen werden.
Der Kontext macht die Lage noch heikler. Strategy sitzt auf potenziellen Buchverlusten von rund 10,9 Milliarden Dollar auf seinen Bitcoin-Positionen zu aktuellen Marktpreisen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 40 Prozent an Wert verloren, und mehrere Analysten haben ihre Kursziele nach unten korrigiert. Vor diesem Hintergrund ist die erklärte Priorität nicht mehr die Akkumulation von Bitcoin, sondern die Wahrung finanzieller Flexibilität. Die Frage, wie belastbar ein Dogma ist, wenn die Bilanzzahlen unter Druck geraten, stellt sich also auch für Strategy ganz konkret.
Just as we tracked, Michael Saylor's @Strategy did sell $BTC again.
, Lookonchain (@lookonchain) August 3, 2026
Last week, Strategy sold 1,638 $BTC($102.4M) and now holds 842,138 $BTC ($52.65B).https://t.co/dQzZC0Le82 https://t.co/dOw5YM06Pd pic.twitter.com/TpYYnLDWqj
Was das für den Markt bedeutet
Diese Entwicklung geht weit über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Strategy hat als Pionier ein ganzes Modell geprägt: Bitcoin in die Unternehmensbilanz aufnehmen, kaufen und warten. Dutzende Firmen weltweit haben dieses Rezept übernommen. Der Schwenk des Vorbilds ist deshalb ein Signal für alle Nachahmer: Eine Bitcoin-Schatzkammer ist keine Perpetuum-mobile-Maschine. Sie hat Kosten, Verpflichtungen. In einem ungünstigen Marktumfeld kann sie gezwungen sein, genau das zu verkaufen, was sie eigentlich hüten soll.
Für DACH-Investoren, die dem Strategy-Modell gefolgt sind oder Bitcoin-lastige Unternehmensaktien halten, ergibt sich eine konkrete Lehre: „Niemals verkaufen“ ist ein eingängiges Mantra, solange der Markt steigt. Sobald Dividenden fällig werden, Schulden bedient werden müssen und der Bitcoin-Kurs unter dem Einstandspreis liegt, setzen sich Bilanzzwänge durch. Strategy bleibt mit Abstand der größte institutionelle Bitcoin-Halter weltweit. Doch das Unternehmen zeigt gerade, dass auch die stärkste Überzeugung an den Grenzen des Kassenbestands endet. Welche regulatorischen Rahmenbedingungen für Bitcoin-Bilanzen in Deutschland nach §23 EStG gelten, sollten Anleger bei ihrer eigenen Positionsbewertung im Blick behalten.


