Bitcoin Depot Insolvenz: 9.276 Bitcoin-ATMs offline am 18. Mai 2026
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Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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Bitcoin Depot insolvent: 9.276 ATMs offline am 18. Mai 2026

Am 18. Mai 2026 stellte Bitcoin Depot in Texas Chapter-11-Insolvenz an. 9.276 ATMs sind offline, der Q1-Umsatz brach laut Unternehmensangaben um 49,2 % ein,…

9.276 Geldautomaten abgeschaltet. Am 18. Mai 2026 hat Bitcoin Depot, der größte Bitcoin-ATM-Betreiber Nordamerikas, beim Insolvenzgericht des Southern District of Texas einen Chapter-11-Antrag gestellt. Das Netzwerk ist bereits offline. Rund 9.000 Geräte stellten innerhalb weniger Stunden den Betrieb ein, während Bitcoin laut CoinGecko bei 76.800 Dollar notiert und damit zum ersten Mal in der Geschichte der Krypto-ATMs ein börsennotiertes Unternehmen aus dem Markt ausscheidet.

Das Paradox ist kaum zu übersehen. Bitcoin Depot war gegründet worden, um Normalbürgern den Zugang zu Bitcoin zu erleichtern: Kioske in Supermärkten und Tankstellen, niedrigschwellig und schnell. Das Konzept funktionierte so gut, dass das Unternehmen zum Marktführer in Nordamerika aufstieg. Dann prallte Bitcoin Depot auf genau jene Regulierungen, die die Krypto-Branche seit Jahren zu reformieren versucht.

Eckdaten auf einen Blick

  • Aktive ATM-Kioske (vor der Abschaltung): 9.276
  • Umsatz Q1 2026 (vorläufig, laut Unternehmensangaben): 83,5 Mio. USD (minus 49,2 % im Jahresvergleich)
  • Nettoverlust Q1 2026: 9,5 Mio. USD
  • Kursverlust der BTM-Aktie (6 Monate): minus 79,48 %
  • IT-Angriff (April 2026): 3,7 Mio. USD entwendet
  • Chapter-11-Antrag: 18. Mai 2026, Texas

Eckdaten

  • ATM-Kioske aktiv (vor Abschaltung) 9.276
  • Umsatz Q1 2026 (vorläufig) $83,5M (-49,2% ggü. Vorjahr)
  • Nettoverlust Q1 2026 $9,5 Mio.
  • Kursverlust BTM-Aktie (6 Monate) -79,48%
  • IT-Angriff (April 2026) $3,7M entwendet
  • Chapter-11-Antrag gestellt 18. Mai 2026, Texas

Quelle: Bitcoin Depot Pressemitteilung Globe Newswire · CoinDesk · 18. Mai 2026

Quelle: Bitcoin Depot Pressemitteilung Globe Newswire · CoinDesk · 18. Mai 2026

Wie man 9.000 Geräte an einem Tag abschaltet

Alex Holmes, der im März 2026 zum Geschäftsführer ernannt worden war, nachdem Connecticut bereits die Lizenz für Geldtransfers ausgesetzt hatte, nannte im offiziellen Kommuniqué das regulatorische Umfeld als Hauptursache. In der Pressemitteilung auf Globe Newswire erklärte er: „Die Bundesstaaten haben zunehmend strengere Compliance-Anforderungen auferlegt, einschließlich neuer Transaktionslimits, und in einigen Jurisdiktionen direkte Einschränkungen oder Verbote für BTM-Betreiber.“ Der Subtext ist eindeutig: Massachusetts und Iowa haben Klagen gegen Bitcoin Depot eingereicht und dem Unternehmen vorgeworfen, Krypto-Betrug in großem Stil ermöglicht zu haben. Hinzu kommen die Prozesskosten der kanadischen Tochtergesellschaft, die in einen Rechtsstreit über 18,5 Millionen US-Dollar verwickelt ist, sowie der IT-Angriff vom April, bei dem laut Unternehmensangaben 3,7 Millionen US-Dollar aus Firmen-Wallets entwendet wurden. Die Kombination dieser Faktoren war letztlich untragbar.

Das ATM-Modell selbst arbeitete mit dünnen Margen. Die Kiosk-Gebühren lagen typischerweise zwischen 15 % und 20 % pro Transaktion, eine Quote, die nur bei hoher Retail-Nachfrage und geringem Regulierungsdruck tragfähig ist. Sobald die Aufsichtsbehörden täglich Transaktionslimits von unter 1.000 US-Dollar durchsetzen, sinken Volumen und Einnahmen drastisch, während die Fixkosten konstant bleiben. Der vorläufige Quartalsumsatz von 83,5 Millionen US-Dollar im Q1 2026, laut Unternehmensangaben ein Rückgang von 49,2 % gegenüber dem Vorjahr, zeigt die ganze Wucht des Einbruchs. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist vernichtend: Einem Nettogewinn von 12,2 Millionen US-Dollar im Q1 2025 steht ein Nettoverlust von 9,5 Millionen US-Dollar im Q1 2026 gegenüber. Für DACH-Anleger ist dies auch ein Hinweis darauf, wie regulatorische Eskalation in anderen Märkten Geschäftsmodelle kippen kann, die hier unter BaFin-Aufsicht bislang stabiler operieren.

Was passiert mit Geld im Bitcoin-ATM, wenn der Betreiber insolvent wird?

Chapter 11 bedeutet keine sofortige Liquidation. Bitcoin Depot hat ein freiwilliges, geordnetes Insolvenzverfahren eingeleitet, mit Vinson & Elkins als Rechtsberatern und Portage Point Partners als Restrukturierungsberater. Das erklärte Ziel ist ein gerichtlich überwachter Verkauf der Vermögenswerte. Die kanadischen Gesellschaften sind in das US-Verfahren einbezogen; weitere ausländische Einheiten werden nach ihren jeweiligen nationalen Rechtsordnungen abgewickelt.

Nutzer, die Gelder in offenen Transaktionen oder in gekoppelten Wallets hatten, sollten den Kundendienst kontaktieren, solange das Verfahren noch läuft. Die physischen Kioske verteilen kein Bitcoin mehr: Das Netzwerk ist seit dem heutigen Morgen offline. Technisch gesehen gehören die Guthaben in den Nutzer-Wallets nicht zum Vermögen von Bitcoin Depot, weshalb das Insolvenzverfahren diese nicht direkt berühren sollte. Das Wörtchen „sollte“ verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Wer die Entwicklungen rund um kanadische ATM-Betreiber verfolgt hat, weiß, dass prozedurale Garantien und tatsächliche Zeitpläne nicht immer übereinstimmen.

Kanada ist ein besonders aufschlussreiches Beispiel: Ottawa hat nach Betrugsschäden von 704 Millionen kanadischen Dollar im Jahr 2025 ein vollständiges Verbot aller rund 4.000 Bitcoin-ATMs im Land vorgeschlagen. Das regulatorische Muster, das sich in den USA und Kanada abzeichnet, ist auch für europäische Aufsichtsbehörden wie die BaFin relevant, die den Krypto-ATM-Sektor bislang streng lizenzpflichtig gehalten hat.

Die Warnsignale, die der Markt bereits sendete

Bitcoin Depot ist nicht aus heiterem Himmel gefallen. Die BTM-Aktie hatte in den vergangenen sechs Monaten 79,48 % ihres Wertes verloren. Wochen zuvor war bereits ein „Going Concern Warning“ in den Unternehmensberichten erschienen. Die Lizenzsuspendierung in Connecticut datiert auf März 2026. Die Geschwindigkeit des endgültigen Zusammenbruchs überrascht trotzdem: Noch vor wenigen Monaten war Bitcoin Depot mit 9.276 aktiven Kiosken in den USA, Kanada und Australien der unangefochtene Marktführer. Der zweitgrößte Betreiber, Coinstar über die Partnerschaft mit Coinme, verwaltet laut Branchenangaben rund 5.000 Geräte und hat bislang keine direkten Auswirkungen kommuniziert. Vor drei Monaten schien es undenkbar, dass der Sektorführer noch vor Jahresende vom Markt verschwinden würde.

Die Staatsanwälte von Massachusetts und Iowa haben sich zum heutigen Insolvenzantrag nicht geäußert, doch die Klagen wegen Beihilfe zu Krypto-Betrug laufen weiter und könnten den Vermögensverkauf juristisch erschweren. Bei einem Umsatz von noch 83,5 Millionen US-Dollar im Q1 2026 haben Marke und physisches Netzwerk einen Restwert. Jemand wird sie kaufen, wahrscheinlich zu einem deutlich niedrigeren Preis als auf dem Höhepunkt. Der globale Bitcoin-ATM-Markt hatte laut Allied Market Research im Jahr 2025 einen Wert von 8,5 Milliarden US-Dollar, mit einer Wachstumsprognose auf 22 Milliarden US-Dollar bis 2032. Die Makrozahlen verändern sich nicht.

Was sich verändert, ist die Frage, wer unter dem Druck der US-Regulierungsbehörden überlebensfähig bleibt. Die Lücke von 9.276 abgeschalteten Kiosken wird nicht dauerhaft leer bleiben. Gefragt ist ein Betreiber mit niedrigeren Compliance-Kosten, sauberen Lizenzen und Margen, die robust genug sind, um das Tempo der Rechtsstreitigkeiten zu absorbieren. Bitcoin Depot war dieses Unternehmen nicht.

Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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