Kraken entlässt 150 Mitarbeiter wegen KI, IPO mit 20 Milliarden Dollar in der Schwebe
  • Home
  • Fintech
  • Kraken entlässt 150 Mitarbeiter wegen KI: IPO mit 20 Mrd. Dollar wackelt
Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
3 min read

Kraken entlässt 150 Mitarbeiter wegen KI: IPO mit 20 Mrd. Dollar wackelt

Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, entlässt am 15. Mai 150 Mitarbeiter wegen KI. Der geplante Börsengang mit 20 Mrd. Dollar Zielwert könnte laut…

150 Stellen gestrichen. Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, hat am 15. Mai 5 % der Belegschaft abgebaut. Offizieller Grund: künstliche Intelligenz. Die Entscheidung wirft Fragen auf. Der Exchange hat laut Bloomberg und CoinDesk in den vergangenen acht Monaten 2,65 Milliarden US-Dollar für Übernahmen ausgegeben und entlässt nun 150 von 3.000 Mitarbeitern, weil automatisierte Tools bestimmte Aufgaben überflüssig machen. Dieses Paradox lässt sich kaum ignorieren.

Übernahmen für 2,65 Mrd. Dollar, weniger Personal: die Logik hinter Payward

Seit Januar 2025 hat Payward acht Unternehmen übernommen. Die drei größten Deals, laut CoinDesk: NinjaTrader (US-Futures-Plattform mit CFTC-Lizenz) für 1,5 Milliarden Dollar, Bitnomial (regulierte digitale Derivate) für 550 Millionen und Reap Technologies (Stablecoin-Zahlungen) für 600 Millionen. Zusammen: 2,65 Milliarden Dollar. Im gleichen Zeitraum schrumpfte die Belegschaft. Im Oktober 2024 wurden bereits 400 Stellen gestrichen, rund 15 %. Diese Woche kamen weitere 150 hinzu. In achtzehn Monaten hat Payward die Mitarbeiterzahl um fast 550 Personen reduziert.

Der Plan hat eine innere Logik. Die Übernahmen erweitern die regulatorischen Lizenzen und die geografische Präsenz. Die Stellenstreichungen verbessern die Margen. Das angestrebte Ergebnis: ein schlankeres, profitableres Unternehmen, das für den öffentlichen Markt attraktiver ist. Kraken meldete für das dritte Quartal 2025 Einnahmen von 648 Millionen Dollar, das beste Quartal der Unternehmensgeschichte, gemäß eigener Pressemitteilung. Seitdem hat der Markt an Fahrt verloren, und das Unternehmen hat sich angepasst.

Kennzahlen im Überblick

  • Entlassene Mitarbeiter (15. Mai 2026): 150 (5 % von 3.000)
  • Gesamte Stellen gestrichen seit Oktober 2024: ca. 550
  • Übernahmen 2025 bis 2026: 2,65 Mrd. Dollar (8 Deals)
  • Bewertung der Finanzierungsrunde April 2026: 13,3 Mrd. Dollar
  • Angestrebte IPO-Bewertung: 20 Mrd. Dollar
  • Vertrauliche S-1-Einreichung bei der SEC: 19. November 2025

Kennzahlen

  • Entlassene Mitarbeiter (15. Mai 2026) 150 (5 % von 3.000)
  • Gesamte Stellen gestrichen seit Oktober 2024 ca. 550
  • Übernahmen 2025 bis 2026 2,65 Mrd. USD (8 Deals)
  • Bewertung Finanzierungsrunde April 2026 13,3 Mrd. USD
  • Angestrebte IPO-Bewertung 20 Mrd. USD
  • Vertrauliche S-1-Einreichung SEC 19. November 2025

Quellen: CoinDesk, Bloomberg, KuCoin News · 15. Mai 2026

Payward: Übernahmen nach Wert (USD Mrd.)

Quelle: CoinDesk, Bloomberg · 2025-2026

Payward: Übernahmen nach Wert (USD Mrd.)

Warum entlässt Kraken vor dem Börsengang Mitarbeiter?

Die offizielle Antwort, die Bloomberg über eine anonyme Quelle zitiert: KI hat bestimmte operative Rollen überflüssig gemacht. Payward hat automatisierte Tools auf spezifische Funktionen ausgerollt und erwartet derzeit keine weiteren Entlassungen. Die inoffizielle Antwort ist direkter. Unternehmen, die sich auf einen Börsengang vorbereiten, müssen Kostendisziplin vorweisen. Jeder Prozentpunkt Verbesserung beim EBITDA verdoppelt sich bei der Marktbewertung.

Die vertrauliche S-1-Einreichung bei der SEC datiert vom 19. November 2025. Payward pausierte die Pläne im März 2026 mit Verweis auf ungünstige Marktbedingungen. Die April-Runde bewertete das Unternehmen mit 13,3 Milliarden Dollar, laut Bloomberg 33 % unter dem Höchststand von Ende 2025. Die Deutsche Börse stieg mit 200 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,5 % ein, im Rahmen einer im Dezember 2025 angekündigten strategischen Partnerschaft. Auf der Consensus Miami erklärte Co-CEO Arjun Sethi, Kraken sei „zu 80 % bereit“ für den Börsengang. Bloomberg schätzt, dass die Notierung erst 2027 kommen könnte.

Für DACH-Nutzer, die Kraken als Exchange für die Steuererklärung nach dem deutschen Einkommensteuergesetz (EStG §23) nutzen, ändert der Börsengang kurzfristig wenig. Langfristig antwortet ein börsennotiertes Unternehmen seinen Aktionären: Höherer Margendruck führt bei Retail-Nutzern oft zu höheren Gebühren.

KI und Krypto-Exchanges: ein bereits laufender Prozess

Kraken hat dieses Modell nicht erfunden. KI-Agenten operieren bereits autonom auf Exchanges wie Hyperliquid und führen Aufträge ohne menschliches Eingreifen aus. McKinsey zählt laut eigenen Angaben 25.000 digitale Agenten in der eigenen Unternehmensstruktur. JPMorgan hat solche Systeme auf 250.000 Mitarbeiter verteilt. Der Krypto-Sektor bewegt sich schneller, weil die Prozesse dort bereits vollständig digital sind.

Kundensupport, On-Chain-Monitoring, Sicherheitswarnungen, Risikoanalyse: alles Funktionen, die ein trainiertes Modell präziser, schneller und zu Grenzkosten nahe null erledigt. Das Alpha-Arena-Experiment hat bereits gezeigt, dass KI-Modelle menschliche Trader in Live-Perpetual-Kontexten übertreffen. Was intern in den Exchanges geschieht, folgt demselben Prozess. Nur weniger sichtbar.

Der entscheidende Parameter ist die Lücke zwischen der April-Bewertung (13,3 Mrd. Dollar) und dem angestrebten IPO-Ziel (20 Mrd. Dollar): 6,7 Milliarden Dollar, die der Markt schließen muss, bevor Payward das Börsengang-Fenster erneut öffnet. Der US-amerikanische Clarity Act bietet einen konkreten Katalysator: Erreicht der Senat die 60 Stimmen vor der Sommerpause am 21. Mai, verändert sich das regulatorische Umfeld, und das Interesse institutioneller Investoren an börsennotierten Exchanges könnte bereits im Sommer zurückkehren. Ohne diese Weichenstellung wird Bloombergs Schätzung für 2027 zur Ausgangslage. Zu beobachten bleibt auch das Erpressungsverfahren rund um den Datenzwischenfall vom April 2026: 2.000 betroffene Konten, keine Gelder gefährdet, aber ein Vorfall, den ein Pre-IPO-Unternehmen lieber nicht in den Unterlagen stehen hätte.

Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
Aktualisiert am
Fintech KI
Consent Preferences