GameStop verpfändet 4.709 Bitcoin an Coinbase als Sicherheit für eine Covered-Call-Strategie
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Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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GameStop verpfändet 4.709 Bitcoin an Coinbase für Covered-Call-Strategie

GameStop hat offengelegt, dass 4.709 Bitcoin als Sicherheit für eine OTC-Covered-Call-Strategie bei Coinbase hinterlegt wurden — kein Verkauf, sondern Financial Engineering. Eine Analyse.

27. März 2026 — Kein Verkauf, sondern eine ausgeklügelte Finanztransaktion. Das bei der SEC eingereichte 10-K offenbart die wahre Natur des Transfers, der wochenlange Spekulationen ausgelöst hatte.

Das Rätsel vom Januar 2026: Verkauf oder nicht?

Als On-Chain-Daten zu Beginn dieses Jahres zeigten, dass GameStop seine gesamte Bitcoin-Reserve zu Coinbase Prime verschob, interpretierte die Krypto-Community den Schritt sofort als mögliche Liquidierung. Die Lesart erschien plausibel: ein strukturell angeschlagenes Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von 25 % und einem durch digitale Downloads ausgehöhlten Kerngeschäft, das sich von dem einzigen Asset trennt, das bullische Narrative rund um seine Aktie erzeugen kann.

Die Einreichung des Jahresberichts 10-K am Dienstag, dem 24. März, beendete die Spekulationen. GameStop gab bekannt, dass 4.709 seiner 4.710 Bitcoin als Sicherheit für eine Over-the-Counter-Covered-Call-Strategie bei Coinbase hinterlegt worden waren — nicht am Markt verkauft.

Wie die Strategie funktioniert: Covered Calls und Einkommensgenerierung

Der Mechanismus ist technisch präzise. GameStop verkaufte Over-the-Counter-Call-Optionen gegen nahezu die gesamte Bitcoin-Position mit Ausübungspreisen zwischen 105.000 $ und 110.000 $ pro Coin und Laufzeiten bis zum 27. März 2026.

Die Logik entspricht einer klassischen Einkommensstrategie: Die Optionsprämie wird sofort vereinnahmt, im Austausch gegen den Verzicht auf potenzielle Gewinne, falls Bitcoin den Strike-Preis übersteigt. Die Struktur verwandelt ein typischerweise hochvolatiles Bitcoin-Investment in etwas, das eher einer festverzinslichen Strategie ähnelt.

Da Bitcoin aktuell bei rund 66.000–67.000 $ notiert — deutlich unterhalb des Strike-Preises von 105.000 $ — befinden sich die Optionen tief im Out-of-the-Money-Bereich. GameStop dürfte die vereinnahmten Prämien behalten, ohne die Bitcoin abgeben zu müssen. Das Filing weist eine Verbindlichkeit von 0,7 Millionen Dollar aus den Optionen sowie einen unrealisierten Gewinn von 2,3 Millionen Dollar aus.

Die bilanzielle Auswirkung: Vom direkten Asset zur Forderung

Der technisch interessanteste Aspekt betrifft die Auswirkungen dieser Transaktion auf die Bilanz des Unternehmens. Da die Vereinbarung Coinbase das Recht einräumt, die verpfändeten Bitcoin weiterzuverpfänden, zu vermischen oder zu verkaufen, war GameStop verpflichtet, diese 4.709 BTC als direkte Assets aus der Bilanz zu entfernen und durch eine Forderung auf digitale Assets im Wert von 368,3 Millionen Dollar zum 31. Januar 2026 zu ersetzen.

Vereinfacht gesagt: GameStop hält eine Schuldanerkennung von Coinbase, keine Bitcoin in direkter Verwahrung. Dies ließ das Unternehmen in der Rangliste öffentlicher Unternehmen nach Bitcoin-Reserven vom 21. auf den 190. Platz abrutschen.

Der Kontext: Ein Unternehmen, das sich Warten nicht leisten kann

Dieser Schritt muss vor dem Hintergrund des operativen Geschäfts bewertet werden. GameStop verzeichnete einen Umsatzrückgang von 25 %, wobei die Umsätze im vierten Quartal 2025 um rund 14 % zurückgingen. Angesichts sinkender Erlöse ohne klare Wachstumsperspektive setzt das Unternehmen auf Financial Engineering zur Ertragserzielung.

Die Strategie setzt GameStop in scharfen Kontrast zu Unternehmen wie Strategy (ehemals MicroStrategy) unter Michael Saylor, die die Volatilität von Bitcoin gezielt für exponentielle Gewinne nutzen. GameStop hatte seine Bitcoin-Position im Anschluss an ein Treffen zwischen CEO Ryan Cohen und Michael Saylor im Februar 2025 aufgebaut, um Bitcoin-Treasury-Management-Ansätze zu erkunden. Das Ergebnis, ein Jahr später, ist eine deutlich vorsichtigere Strategie — deren langfristige Logik diskussionswürdig bleibt.

Was jetzt passiert

Die Covered Calls verfallen heute, am 27. März 2026. Da Bitcoin deutlich unterhalb der Strike-Preise notiert, dürften die Kontrakte wertlos verfallen und GameStop die Prämien behalten. Einige der Absicherungen waren bereits unausgeübt verfallen, wobei die entsprechenden Sicherheiten bei Coinbase Credit verblieben.

Die strategische Frage bleibt offen: Wird GameStop diesen Weg fortsetzen und neue Covered Calls auf die Position strukturieren, oder wird die Bitcoin-Position anderweitig eingesetzt? Das 10-K lässt einen Spielraum: Das Unternehmen erklärte, die Erlöse aus den Wandelanleihen 2030 auch für den Kauf von Bitcoin verwenden zu wollen — ein Signal, dass die Krypto-Strategie noch nicht beendet ist.

Die Einschätzung von SpazioCrypto

Der Schritt von GameStop ist aus einem Grund lehrreich, der über das einzelne Unternehmen hinausgeht: Er zeigt, wie sich die Bitcoin-Treasury-Strategie von Unternehmen weiterentwickelt. Nicht mehr nur "Buy and Hold" als Überzeugungssignal, sondern ein Instrument des aktiven Financial Engineerings. Das ist eine Marktreifung — zugleich aber ein Zeichen dafür, wie schwer es strukturell schwachen Unternehmen fällt, Bitcoin-Positionen zu halten, ohne der Versuchung kurzfristiger Monetarisierung nachzugeben.

Die Narrativ des "Bitcoin als strategische Wertreserve" trägt sich besser, wenn das dahinterstehende Geschäft fundamental solide ist. Bei GameStop ist das derzeit nicht der Fall.

Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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