Bitcoin-Miner bauen ASIC-Racks um und investieren in KI-Infrastruktur für künstliche Intelligenz
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Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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Bitcoin-Miner werden zu KI-Unternehmen: Der große Strategiewechsel 2026

Bitcoin-Miner erzielen bis Ende 2026 bis zu 70 % ihrer Einnahmen aus KI. MARA, Core Scientific und Hut 8 verkaufen BTC, um den Wandel zu finanzieren.

Etwas Historisches passiert in der Mining‑Industrie. Die Unternehmen, die Milliarden verdient haben, indem sie Bitcoin abgebaut haben, bauen ihre ASIC‑Racks ab, verkaufen ihre BTC‑Bestände und verwandeln ihre Rechenzentren in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Es ist kein taktischer Schritt. Es ist eine stille Revolution, die die Identität einer ganzen Branche neu schreibt.

Laut dem Q1‑2026‑Report von CoinShares könnten börsennotierte Miner bis Dezember 2026 bis zu 70% ihrer Erlöse aus der AI gewinnen – gegenüber etwa 30% heute. Allein diese Zahl sagt alles.

Warum Bitcoin‑Mining nicht mehr rentiert

Die Ursache ist einfach: Bitcoin zu minen kostet heute mehr, als es wert ist. Die durchschnittlichen Produktionskosten eines einzelnen BTC für börsennotierte Miner lagen nach Angaben von CoinShares im vierten Quartal 2025 bei rund 79.995 US‑Dollar. Bitcoin schwankte im selben Zeitraum zwischen etwa 68.000 und 75.000 US‑Dollar – die Verluste waren strukturell, nicht temporär.

Das Bitcoin Halving vom April 2024 hat die Belohnung von 6,25 auf 3,125 BTC pro Block gesenkt und die garantierten Erlöse pro Recheneinheit halbiert. Der Hashprice – die Metrik, die misst, wie viel ein Miner pro Petahash pro Tag verdient – brach im ersten Quartal 2026 auf rund 29 Dollar pro PH/s/Tag ein, ein Niveau, das seit dem Post‑Halving von 2024 unbekannt war. Die Bruttomargen im Bitcoin‑Mining fielen von rund 90% im Bullrun 2021 auf etwa 60% heute, während AI‑Cloud‑Dienste Margen um 85% liefern und Energiekosten sinken.

Die Gleichung ist nicht mehr tragbar – und die Zahlen der Branche sprechen eine klare Sprache.

Wer Bitcoin verkauft, um GPUs zu kaufen

Die Liste jener Spieler, die offiziell den Pivot vollzogen haben, ist lang. Hier die wichtigsten Fälle:

  • MARA Holdings hat in den letzten Monaten über 1 Milliarde US‑Dollar in BTC verkauft – ein Schritt, der vor einem Jahr für ein Unternehmen, bekannt für seinen HODL‑Wahn, noch einen Skandal bedeutet hätte. CEO Fred Thiel erklärte, das Ziel sei es, „die Rechenleistung für die produktivste Nutzung“ zu nutzen. MARA hält noch 53.822 BTC, aber die Strategie hat sich gewandelt.
  • Core Scientific, bereits nach dem Insolvenzverfahren 2024 zurückgekehrt, hat einen 12‑jährigen Vertrag über 10,2 Milliarden US‑Dollar mit CoreWeave geschlossen. Man verkaufte etwa 175 Millionen US‑Dollar in BTC, um die Umstellung zu beschleunigen; bereits 39% des Umsatzes kommt aus AI‑Colocation.
  • Hut 8 unterzeichnete einen 7‑Milliarden‑Dollar‑Vertrag mit dem Google‑backed Fluidstack für ein 245‑MW‑AI‑Datacenter über 15 Jahre. Man erklärte im Q4‑2025‑Earnings‑Call, Bitcoin sei nicht mehr „strategisch langfristig relevant“.
  • IREN (ehemals Iris Energy) schloss einen 9,7‑Milliarden‑Dollar‑Deal mit Microsoft über 76.000 NVIDIA‑GB300‑GPUs auf 200 MW in ihrem Campus Childress, Texas. Man hält 0 BTC in der Kasse. 0. Es ist eine strategische Entscheidung, keine Notwendigkeit.
  • TeraWulf hat HPC‑Verträge im Gesamtwert von 12,8 Milliarden US‑Dollar und erhält bereits 27% des Umsatzes aus AI.
  • Cipher Digital (ehemals Cipher Mining) hat 34% seiner BTC‑Bestände liquidiert und will rein ein HPC‑Infrastruktur‑Operator werden.

Der „Mullet“‑Datacenter: Bitcoin hinten, AI vorne

Im Sektor ist eine Metapher viral geworden: die „Mullet Data Center Strategy“ – Bitcoin im hinteren Teil, als flexibles, unterbrechbares Workload zur Netzbalancierung, und AI in der vorderen, mit langfristigen Verträgen und stabilen Margen. IREN ist das Paradebeispiel dafür.

„Die langfristigen Wirtschaftlichkeiten von HPC‑ und AI‑Datacentern sollten das Bitcoin‑Mining übertrumpfen“, sagte Brian Dobson, Managing Director von Clear Street, gegenüber Bloomberg.

Was passiert mit dem Bitcoin‑Netzwerk?

Eine berechtigte Frage: Wenn die Miner ihre eigentliche Funktion aufgeben, wer sichert die Blockchain?

Die Antwort ist: Das Netzwerk ist robuster, als viele denken. Der Hashrate‑Spike von 1.160 EH/s im Oktober 2025 ist auf etwa 961–1.000 EH/s gesunken, aber das Difficulty‑Adjustment von Bitcoin hat sich bereits angepasst. Die Blockchain verzeichnete drei aufeinanderfolgende negative Difficulty‑Anpassungen Ende 2025, die erste solche Serie seit Juli 2022 – ohne katastrophale Folgen.

Wer im „reinen“ Mining bleibt – mit neuer Hardware und günstiger Energie – ist strukturell stärker positioniert, da die Konkurrenz geschrumpft ist. CoinShares prognostiziert, dass der Hashrate bis Ende 2026 1,8 Zettahash erreichen kann – aber nur, wenn Bitcoin wieder über 100.000 US‑Dollar steht.

Die Risiken des Pivots

Die Transformation ist nicht nur ein Spaziergang. Die Unternehmen türmen Schulden auf, wie nie zuvor in der Mining‑Branche:

  • IREN führt etwa 3,7 Milliarden US‑Dollar an wandelbaren Anleihen.
  • TeraWulf hat insgesamt rund 5,7 Milliarden Schulden.
  • Cipher Digital hat 1,7 Milliarden US‑Dollar an Senior‑Secured‑Notes herausgegeben; der Vierteljahreszins explodierte innerhalb eines Quartals von 3,2 auf 33,4 Millionen US‑Dollar.

Das sind nicht mehr Mining‑Anleihen, sondern Wetten eines Infrastruktur‑Operators – mit der Hoffnung, dass die AI‑Erlöse rechtzeitig kommen.

Wenn Google, Microsoft und andere Hyperscaler die Nachfrage nach Rechenleistung drosseln, könnten die exponiertesten Firmen in ernste Schwierigkeiten geraten. Das ist ein reales Risiko, das Investoren kennen müssen.

Die Stimme derer, die bereits gewählt haben

Bitfarms‑CEO Ben Gagnon sagte es ohne Umschweife: „Wir sind keine Bitcoin‑Company mehr.“ Ein Satz, der laut war, aber den Geist der Zeit gut trifft. Bitdeer hat seine BTC‑Bestände auf 0 gesenkt, um den AI‑Ausbau zu finanzieren. Auch Riot Platforms, wenn auch langsamer, hat den ersten Datacenter‑Leasing‑Deal mit AMD unterzeichnet.

Meltem Demirors, General Partner bei Crucible Capital, resümierte: „Bitcoin‑Mining hat das Blueprint für den AI‑Compute‑Boom und die moderne Datacenter‑Architektur geschaffen.“

Fazit: Ende einer Ära, Anfang einer neuen

Die Narrative des Miners als ideologischer Hüter von Bitcoin, als HODL‑Gläubiger und Satoshi‑Sparer, zerbröckelt unter dem Gewicht der realen Wirtschaft. Die Branche, die die sicherste Blockchain der Geschichte baute, erfindet sich neu als Infrastruktur für die nächste Generation von Sprach‑ und KI‑Modellen.

Das ist nicht zwangsläufig schlecht für Bitcoin. Es bedeutet aber, dass das Netzwerk zunehmend von effizienten, spezialisierten Minern geleitet wird – ohne die Ablenkung durch AI‑Compute – und dass das nächste Halving 2028 unter ganz anderen strukturellen Voraussetzungen stattfinden wird.

Wer überlebt, der hat schon klar entschieden, auf welcher Seite er steht.

Von Giulia Ferrante Profilbild Giulia Ferrante
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