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Frankreich fordert den Dollar mit Euro-Stablecoin heraus

Roland Lescure bricht ein Tabu: Frankreich will mehr Euro-Stablecoins. Qivalis, 12 EU-Banken wie UniCredit und BNP Paribas, fordert den Dollar heraus.

Aktualisiert 25 Aug. 2026 3 min read Wie wir arbeiten

Am 17. April 2026 sprach der französische Finanzminister Roland Lescure auf einer Krypto-Konferenz in Paris Worte aus, die noch vor wenigen Monaten in genau dieser Hauptstadt undenkbar gewesen wären. Europa, sagte er, brauche mehr Euro-Stablecoins. Das hat kein Influencer getwittert. Das hat ein Minister am Mikrofon vor einem Publikum aus Bankern und Branchenvertretern erklärt. Und jetzt ist das Rennen wirklich eröffnet.

Die Wende von Paris, die niemand erwartet hatte

Bis vor Kurzem war die offizielle Haltung Frankreichs klar und restriktiv. Lescures Vorgänger Bruno Le Maire hatte öffentlich erklärt, private Stablecoins hätten „keinen Platz auf europäischem Boden“, und stufte sie als Bedrohung für die Währungssouveränität ein. Heute hat sich der Ton radikal verändert. Lescure hat nicht nur die Tür geöffnet, sondern die Banken der Europäischen Union ausdrücklich aufgefordert, bei tokenisierten Einlagen und neuen an die Gemeinschaftswährung gekoppelten Token schneller voranzugehen. Seine Einschätzung der aktuellen Lage war unmissverständlich: Das Volumen von Euro-Stablecoins im Vergleich zu Dollar-Stablecoins sei „unbefriedigend“. Ein Kurswechsel, der in der europäischen Regulierungsgeschichte ein Vorher und Nachher markiert.

Qivalis: 12 Banken mit einem klaren Ziel

Im Zentrum der Ankündigung steht Qivalis, ein in Amsterdam gegründetes Konsortium aus zwölf großen europäischen Bankinstituten: ING, UniCredit, BNP Paribas, BBVA, Banca Sella, CaixaBank, Danske Bank, DekaBank, KBC, Raiffeisen Bank International, SEB und DZ Bank. CEO ist Jan-Oliver Sell, ehemaliger Leiter des Deutschlandgeschäfts von Coinbase; Vorsitzender des Aufsichtsgremiums ist Sir Howard Davies, ehemaliger Deputy Governor der Bank of England.

Stablecoins
Stablecoins

Der Token soll im Verhältnis 1:1 an den Euro gekoppelt sein, mit Reserven, die zu mindestens 40 % aus Bankeinlagen und im Übrigen aus kurzfristigen europäischen Staatsanleihen bestehen. Der Start wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, vorbehaltlich der EMI-Lizenz der niederländischen Zentralbank, ganz im Einklang mit dem MiCA-Regelwerk, das heute die regulatorische Referenzgrundlage für die gesamte Kryptobranche in der EU bildet.

Die Zahl, die alles ins rechte Licht rückt

Die Zahlen sind brutal. Allein Tether zirkuliert mit über 185 Mrd. US-Dollar. Der Gesamtwert der auf Dollar lautenden Stablecoins liegt bei über 310 Mrd. US-Dollar. Und die Euro-Stablecoins? Insgesamt noch unter einer Milliarde. Der Euro-Stablecoin von Société Générale, der bislang einzige mit nennenswertem Volumen, bringt es gerade einmal auf 64 Millionen Euro im Umlauf. Jan-Oliver Sell hat das Problem mit einer einzigen Zahl auf den Punkt gebracht: Der Euro macht 20 bis 25 % der traditionellen globalen Finanzaktivität aus, steht aber nur für 0,2 % der On-Chain-Transaktionen. „That’s a huge disconnect“, sagte er. Das konkrete Risiko hat einen präzisen Namen: „digital dollarization“, der Prozess, bei dem Europa gezwungen wäre, auf unbestimmte Zeit über amerikanische Rails zu operieren, sollte es keine eigene Euro-Blockchain-Infrastruktur aufbauen.

Das ist ein Thema, das SpazioCrypto genau verfolgt: von der Analyse zum von Italien und Deutschland vorgeschlagenen Kill Switch gegen ausländische Stablecoins bis zu den ersten von HSBC in Hongkong vergebenen Stablecoin-Lizenzen: Der Kampf um die digitale Währungssouveränität hat bereits begonnen.

Italien ist Teil des Projekts

Es ist keine rein französische oder allgemein kontinentale Angelegenheit. Zu den Gründungsmitgliedern von Qivalis zählen zwei italienische Banken: UniCredit und Banca Sella. Ein Zeichen dafür, dass das nationale Bankensystem verstanden hat, worum es geht. Zusammen mit der Wende von BNP Paribas bei Krypto-ETNs für Privatanleger in Frankreich und dem von Amundi und Spiko getriebenen Wachstum der europäischen Tokenisierung vervollständigt Qivalis ein immer klareres Bild: Die große europäische Finanzwelt schaut nicht mehr nur von außen zu.

Was in den nächsten Monaten zu erwarten ist

Qivalis führt bereits fortgeschrittene Verhandlungen mit Börsen, Market Makern und Liquiditätsanbietern, um vom ersten Tag des Starts an ein operatives Listing sicherzustellen. Erklärtes Ziel ist es, der Standard-Euro-Token auf regulierten Börsen, institutionellen Verwahrstellen und DeFi-Plattformen zu werden. Daten von RBC Capital Markets zeigen, dass zwei Drittel der europäischen Banken die Nachfrage noch als begrenzt wahrnehmen, doch wenn sich ein Minister so klar positioniert, neigt der Markt dazu, sich zu bewegen. Diesmal kommt der Anstoß von oben. Und in Europa gibt es selten ein Zurück.

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