GENIUS Act Stablecoin-Münze vor geschlossenem Banktresor, USA Regulierung 2026
Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
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GENIUS Act: USA verpassen Frist, Banken bleiben außen vor

Der GENIUS Act trat am 18. Juli 2025 in Kraft, doch die USA verfehlten die Ein-Jahres-Frist für die Abschlussregeln. Stablecoins sind legal, Banken bleiben…

Vor genau einem Jahr verabschiedeten die USA das Gesetz, das sie zur Heimat regulierter Stablecoins machen sollte. Am 18. Juli 2026, dem ersten Jahrestag dieses Gesetzes, versäumten die eigenen Aufsichtsbehörden die Frist für die abschließenden Durchführungsregeln.

Das Ergebnis ist ein Paradox, das viel darüber aussagt, wie der Westen genau dort stolpert, wo er eigentlich voranpreschen möchte: Stablecoins sind legal, doch die Banken stehen weiterhin draußen vor der Tür. Der Grund dafür ist tiefer als eine gewöhnliche Behördenverzögerung.

Was am 18. Juli geschah

Der GENIUS Act, das amerikanische Rahmengesetz für Stablecoins, trat am 18. Juli 2025 in Kraft. Er setzte eine klare Frist: Binnen eines Jahres sollten fünf Aufsichtsbehörden die abschließenden Regeln veröffentlichen, angefangen mit jenen, die festlegen, welche Vermögenswerte eine Stablecoin im Verhältnis eins zu eins besichern dürfen. Diese Frist verstrich ohne Ergebnis. Emittenten und Börsen stehen nun vor unklaren Compliance-Fristen, kurz vor dem für Januar 2027 geplanten Enforcement.

Die Uhr des GENIUS Act

Die drei wichtigsten Meilensteine des Stablecoin-Gesetzes. Quelle: GENIUS Act, 2026

  • 18. Juli 2025: Das Gesetz tritt in Kraft. Die USA haben ihren Stablecoin-Rahmen.
  • 18. Juli 2026: Frist für die Abschlussregeln. VERPASST.
  • Januar 2027: Enforcement tritt in Kraft. Die Regeln fehlen noch immer.

Das Einfrieren der Banken

Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Ohne abschließende Regeln, die festlegen, welche Reserven zulässig sind, dürfen amerikanische Geschäftsbanken kein Kapital für Stablecoin-Infrastruktur einsetzen. Das Gesetz, das sie ins Spiel bringen sollte, hält sie vorerst auf der Ersatzbank. Eine Lücke, die den US-Markt genau dann um sofortige Dollar-Abwicklungsschienen bringt, wenn alle danach suchen.

Der Markt hat derweil nicht auf die Regulierer gewartet: Die Stablecoin-Marktkapitalisierung liegt laut Analyseanbieter Bitwise bei rund 310 Milliarden US-Dollar, knapp unter dem im Mai erreichten Rekordhoch von 322 Milliarden. Bitwise bezeichnete diese Stabilität als stillen Belastbarkeitstest in einer schwierigen Marktphase.

Der wahre Grund für die Verspätung: ein Billionen-Dollar-Machtkampf

Hinter der versäumten Frist steckt kein Behördenversagen, sondern ein handfester Machtkampf. Der heißeste Streitpunkt ist, ob Börsen auf Stablecoins eine Rendite anbieten dürfen. Die Banken, vertreten durch ihre einflussreichen Verbände ABA und BPI, bekämpfen diese Möglichkeit mit einem konkreten Argument: Würden Stablecoins Zinsen zahlen, könnten Sparer bis zu 1,3 Billionen US-Dollar von traditionellen Bankkonten abziehen, so ihre Befürchtung. Dieselbe Debatte hält auch den CLARITY Act im US-Senat fest.

Die Zahl, die alles blockiert

Aktueller Stablecoin-Markt im Vergleich zu den Einlagen, die Banken zu verlieren fürchten. Quelle: ABA/BPI, Bitwise, 2026

1.4007000~310 Mrd.$Stablecoin-Markt~1.300 Mrd.$befürchteter Einlagenabfluss

Zwei verschiedene Größenordnungen: Die Bankenbefürchtung übersteigt den gesamten aktuellen Stablecoin-Markt um das Vierfache.

Die Aufsichtsbehörden haben inzwischen Regeln zur Kundenidentifizierung auf Bankniveau für Emittenten vorgeschlagen, womit USDC von Circle und USDT von Tether unter genaue Beobachtung geraten. Fed-Gouverneur Michael Barr unterstützte die strengeren Vorgaben, warnte aber, der GENIUS Act gehe nicht weit genug gegen Risiken der Geldwäsche bei Sekundärmarkttransaktionen.

Das größere Bild

Dieser Vorgang fügt sich in einen Rahmen, den wir bei SpazioCrypto seit Längerem verfolgen. Japan hat seine Krypto-Regeln in einem einzigen Schritt neu geschrieben, Europa hat seine MiCA vollständig in Kraft, während die USA trotz bestehendem Gesetz nicht in der Lage sind, die Durchführungsvorschriften zu formulieren. Ein Gesetz allein reicht nicht, wenn die Maschinerie an operativen Details hängenbleibt.

Das abschließende Paradox ist von fast eleganter Ironie: Während Washington darüber streitet, wer Rendite anbieten darf, wächst der digitale Dollar auf den privaten Schienen von Tether und Circle weiter, ohne auf irgendeinen Regulierer zu warten. Die eigentliche Frage im Stablecoin-Rennen lautet längst nicht mehr, ob sie legal sein werden, sondern wer die Infrastruktur kontrolliert, während der Staat noch deliberiert. Der entscheidende Indikator für die kommenden Monate: ob die fünf Behörden ihre Regeln noch vor dem Enforcement-Termin im Januar 2027 veröffentlichen. Alle relevanten Dokumente sind auf den Portalen der Federal Reserve und des US-Finanzministeriums einsehbar.

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