Vor einem Jahr überboten sich Krypto-Unternehmen bei dem Versuch, an die Börse zu gehen. Heute bestraft die Börse sie dafür. Gemini, im September 2025 gelistet, ist laut Marktdaten vom Nasdaq 89% unter seinem Ausgabepreis von 37 Dollar gefallen und notiert aktuell bei rund 4,19 Dollar.
Das ist kein Einzelfall. Es ist ein verbreiteter Frost, der eine klare Botschaft für alle sendet, die in diesem Sektor aufbauen.
Was ist passiert
Das Bild ist ernüchternd. Der Einbruch ist kollektiv: BitGo liegt laut Börsendaten vom Juli 2026 rund 77% unter seinem Ausgabepreis vom Januar 2026, Bullish hat seit dem Debüt bei 90 Dollar im August 2025 rund 71% verloren, eToro steht 42% im Minus. Selbst solidere Namen haben gelitten: Figure notiert 14% unter seinem Emissionspreis, Circle 6% darunter.
Die schwerwiegendste Folge zeigt sich nicht in den Kursen selbst, sondern darin, was eingefroren ist: Die anhaltende Schwäche hat die Pipeline künftiger Börsengänge blockiert und mehrere Unternehmen dazu gezwungen, ihre für 2026 geplanten Debüts zu verschieben, bis sich die Märkte stabilisieren.
Der Frost bei den Krypto-IPOs
Kursverlust seit Börsennotierung. Quelle: Marktdaten, Juli 2026
Warum es wichtig ist: zwei Blasen auf einmal
Die tiefere Analyse zeigt, dass zwei Dinge gleichzeitig nachgegeben haben. Die Börsengangswelle von 2025 hatte auf den Optimismus nach den US-Wahlen gesetzt, getragen von regulatorischem Tauwetter und dem Aufkommen der Bitcoin-ETFs. Wer jedoch zum Höhepunkt der Begeisterung an die Börse ging, notierte schlicht auf dem Höchststand.
Als im ersten Halbjahr 2026 Bitcoin-Kurs und Marktstimmung nachgaben und die Bitcoin-ETFs ihren schlechtesten Monat aller Zeiten erlebten, kam die Rechnung doppelt. Einerseits wurde der gesamte Krypto-Zyklus neu bewertet, andererseits verpuffte der Bewertungsaufschlag, den Anleger für das Besitzen einer „Krypto-Geschichte“ zahlten. Für Perfektion bewertete Titel trafen auf einen alles andere als perfekten Markt.
Nicht alle gleich: wer hält, wer bricht
Die Divergenz ist der lehrreichste Teil. Die am härtesten getroffenen Unternehmen, Gemini, BitGo und Bullish, sind reine Exchanges und Verwahrer, deren Schicksal vollständig von Handelsvolumina und der Branchenstimmung abhängt. Die widerstandsfähigeren Unternehmen, Circle und Figure, haben dauerhaftere Einnahmequellen: Zinserträge auf Reserven bei Circle, die Tokenisierungs- und Kreditplattform bei Figure.
Es ist genau dieselbe Lektion, die anderswo im Sektor auftaucht. Der Markt trennt die reine Krypto-Spekulation von Unternehmen mit wiederkehrenden oder vertraglich gesicherten Einnahmen. Wer von der Stimmung lebt, schwankt mit ihr; wer einen stabilen Cashflow hat, übersteht die Turbulenzen besser. Das Label „Krypto“ allein reicht nicht mehr für einen Börsenaufschlag.
Was das für Gründer und Anleger bedeutet
Für Gründer und alle, die den Sektor aus Europa verfolgen, ist dieser Frost mehr als eine amerikanische Randnotiz: Er ist ein Signal. Die öffentlichen Märkte zahlen nicht mehr für Narrative, sie verlangen Zahlen, Margen und Verteidigungsfähigkeit. Die Ära des „Börsengangs auf die Geschichte“ endet; die Ära des „Börsengangs auf die Zahlen“ beginnt.
Diese Schlussfolgerung gilt weit über börsennotierte Unternehmen hinaus. Ob man ein Medium, eine Infrastruktur oder einen Dienst aufbaut: Die Botschaft ist dieselbe. Substanz, echte Umsätze und Glaubwürdigkeit schlagen Hype, vor allem wenn der Markt sich abkühlt. Die IPO-Pipeline wird sich wieder entspannen, sobald der Markt konkreten Wert über Narrativen belohnt. Bis dahin bleibt der Krypto-Börsenjahrgang 2025 eine Mahnung: Zum Höchststand zu notieren ist einfach, im Abschwung brutal. Die Daten sind in den bei der SEC eingereichten Unterlagen und in den offiziellen Kurslisten des Nasdaq nachprüfbar.
