So funktioniert es wirklich
Der Mechanismus ist raffinierter, als es auf den ersten Blick scheint. Der Fonds hält BTC nicht direkt. Er kauft Anteile bereits existierender Spot-ETFs — etwa IBIT von BlackRock oder FBTC von Fidelity — und verkauft dann Call-Optionen auf diese Position. Die Optionen generieren eine Prämie, die den Anlegern jeden Monat als regelmäßige Rendite ausgeschüttet wird. Im Gegenzug verzichtet der Fonds bei starken Rallys auf einen Teil des möglichen Aufwärtspotenzials.
Es ist dieselbe Logik wie beim JEPI von JPMorgan auf S&P-500-Aktien — ein Fonds mit mehr als 35 Milliarden Dollar — nur erstmals auf Bitcoin angewendet von einer Bank dieser Größenordnung. Raj Garigipati und Oliver Bunn von GSAM werden das Portfolio aktiv verwalten, mit einer optionalen Absicherung, die je nach Marktlage zwischen 40% und 100% des BTC-Engagements abdeckt.
Eric Balchunas reagiert: „Schock“
Eric Balchunas, ETF-Analyst bei Bloomberg und einer der meistbeachteten Kommentatoren zu diesem Thema, hat daraus keinen Hehl gemacht. Auf seinem X-Profil schrieb er ohne Umschweife:
“SHOCK: Goldman jumping into the bitcoin ETF game.. with a filing for a Bitcoin Premium Income ETF”
— @EricBalchunas, 14. April 2026
Balchunas vermutete außerdem, dass Goldman BlackRock beim Launch zuvorkommen könnte. Die gewählte Struktur — Registrierung unter dem Investment Company Act von 1940 mit einer Tochtergesellschaft auf den Cayman Islands — folgt anderen regulatorischen Wegen als BlackRock mit seinem ähnlichen Januar-Filing. „Goldman may sense an opportunity to leapfrog them“, schrieb er. Und fügte eine Formulierung hinzu, die bereits viral gegangen ist: Solche Produkte seien „boomer candy“ — Bitcoin für Leute, die Kupons der reinen Spekulation vorziehen.
Der Kontext: eine Woche nach Morgan Stanley
Das Timing ist kein Zufall. Nur sieben Tage zuvor hatte Morgan Stanley MSBT gestartet, den ersten Spot-Bitcoin-ETF, der direkt von einer großen US-Bank emittiert wurde, und in der ersten Woche über 100 Millionen Dollar eingesammelt — der erfolgreichste Start in der Geschichte des Instituts, wie Amy Oldenburg, Leiterin für digitale Vermögenswerte der Bank, in einem Bloomberg-Interview bestätigte.
Goldman reagierte mit einem anderen Produkt, gedacht für ein anderes Anlegerprofil. Nicht für diejenigen, die auf den Preis spekulieren wollen, sondern für jene, die Bitcoin-Exposure möchten, ohne jeden Rückgang von 20% als Trauma zu erleben. Ein riesiges Segment — und bislang fast völlig ignoriert.
Wall Street akkumuliert Bitcoin nicht. Sie finanziert ihn.
Das Gesamtbild dieser Woche sagt ziemlich klar etwas aus. Goldman reicht einen BTC-Income-ETF ein. MSBT überschreitet in sieben Tagen die 100-Millionen-Marke. Legal & General bringt 50 Milliarden Sterling in Geldmarktfonds auf die Blockchain. CoinShares geht an die Nasdaq. Der US-Spot-Bitcoin-ETF-Markt verzeichnete allein am 14. April Zuflüsse von 412 Millionen Dollar.
Das ist keine Welle. Das ist eine strukturelle Migration.
David Solomon, CEO von Goldman, hatte letztes Jahr gesagt: „I'm an observer of bitcoin.“ Mit 3,6 Billionen Dollar unter Verwaltung und einem bei der SEC eingereichten ETF ist das Beobachten vorbei.
Der Launch wird für Ende Juni 2026 erwartet, sofern sich die SEC-Prüfung nicht verlängert. Eine Gebühr wurde bislang noch nicht bekannt gegeben. Aber in diesem Punkt ist Goldman es gewohnt zu gewinnen.
