Am 21. Mai 2026 haben Nick Begich, republikanischer Abgeordneter aus Alaska, und Jared Golden, Demokrat aus Maine, den American Reserve Modernization Act eingebracht. Sechzehn parteiübergreifende Mitunterzeichner. Das Ziel: die US-Reserven innerhalb von fünf Jahren auf 1 Million Bitcoin aufzustocken. Haushaltsneutral, betonen die Initiatoren sofort. Kein Steuergeld. Nur das, was die Regierung bereits hält oder durch Beschlagnahmungen erwirbt.
Was viele Medien bisher nicht klar herausgearbeitet haben, ist der Unterschied zwischen Überschrift und Substanz. Der BITCOIN Act der Senatorin Cynthia Lummis sah aktive Ankäufe des Finanzministeriums vor: 200.000 BTC pro Jahr, fünf Jahre lang, aus öffentlichen Mitteln. Der ARMA nicht. Es handelt sich um eine abgeschwächte Version, die den Kongress passieren soll, ohne bei einem Haushaltsdefizit von laut offiziellen US-Haushaltsdaten rund 39 Billionen Dollar allzu viel Staub aufzuwirbeln.
328.372 BTC: der reale Ausgangspunkt
In der Praxis: die US-Bundesregierung ist bereits der weltgrößte staatliche Bitcoin-Halter. Laut Daten des US-Finanzministeriums (Stand Februar 2026) verwahrt sie 328.372 BTC, angesammelt über kriminelle Beschlagnahmungen (FTX, Silk Road und andere). Beim durchschnittlichen Preis von 77.277 Dollar am 18. Mai 2026 ergibt das einen Gegenwert von 25,4 Milliarden Dollar. Seit der Executive Order vom 6. März 2025, mit der Trump Verkäufe blockierte und die Strategic Bitcoin Reserve formell einrichtete, wurde kein einziger Bitcoin veräußert.
Patrick Witt, Geschäftsführer des Präsidialrats für digitale Assets, hatte beim Consensus 2026 in Miami am 6. Mai erklärt, die formelle Ankündigung werde „in den kommenden Wochen“ erfolgen. Das Weiße Haus habe den rechtlichen Knoten gelöst, der die Struktur der SBR seit über einem Jahr blockiert hatte.
Bitcoin in staatlicher Verwahrung nach Land (BTC, Mai 2026)
Quelle: Bitcoin Treasuries · Arkham Intelligence · Aufbereitung SpazioCrypto · Mai 2026
Die Reserve ohne Ankäufe: ergibt das Sinn?
Auf den ersten Blick wirkt eine strategische Reserve, die nichts kauft, wie ein Schaufensterprojekt. Das Kalkül hinter dem ARMA ist jedoch subtiler. Das US-Finanzministerium beschlagnahmt jährlich Bitcoin über Bundesbehörden wie DEA, FBI und US Marshals. Diese Bitcoin würden laut ARMA künftig nicht mehr versteigert, sondern als Reserve einbehalten. In den fünf Jahren zwischen 2018 und 2023 hat die Bundesregierung nach Angaben aus öffentlichen Auktionsprotokollen mehr als 200.000 BTC verkauft oder zum Verkauf geplant, zu Preisen weit unter dem heutigen Niveau. Hätte sie diese Bitcoin behalten, läge der Gegenwert heute schätzungsweise rund 15 Milliarden Dollar höher. Das Versäumnis ist auf der Blockchain dokumentiert, für jeden nachvollziehbar.
Zwei Gesetzentwürfe laufen parallel. Der BITCOIN Act von Cynthia Lummis sieht aktive Ankäufe vor: 200.000 BTC pro Jahr über fünf Jahre, finanziert durch eine Neubewertung der föderalen Goldreserven. Der ARMA von Begich/Golden setzt auf die „neutrale Reserve“: Behalte, was du hast, höre auf zu verkaufen, akkumuliere durch Beschlagnahmungen. Für Leser, die die Entwicklung der Bitcoin-als-Wertreserve-Debatte auf SpazioCrypto verfolgen, ist das der Unterschied zwischen aktiver und passiver Geldpolitik.
Das offizielle Statement von Senatorin Lummis ist auf X verfügbar: aktuelle Posts von @SenLummis zum ARMA lesen.
Every month without a clear framework is another month where American investors are exposed and American innovators are left guessing. I didn't spend years writing the Clarity Act to watch us keep kicking the can down the road.
, Senator Cynthia Lummis (@SenLummis) May 24, 2026
Patrick Witt bezeichnete den ARMA in seiner Erklärung beim Consensus 2026 als „Version 2.0“ des SBR-Projekts und bestätigte, dass das Weiße Haus die rechtlichen Implikationen geprüft hat. Der praktische Unterschied zum BITCOIN Act von Lummis: Der ARMA könnte den Senat noch vor den Midterms im November 2026 passieren. Er erfordert keine Staatsausgaben, erhöht nicht das Defizit und gibt niemandem die Möglichkeit zu sagen, die Regierung kaufe Krypto mit Steuergeldern. Der politische Zuschnitt ist bewusst so gewählt, um genau dieses Veto zu umgehen.
Für den Markt bleibt die Frage offen, ob 1 Million BTC „aus Beschlagnahmungen“ realistisch ist. Beim aktuellen Tempo der Bundesbeschlagnahmungen (laut Schätzungen von Arkham Intelligence zwischen 15.000 und 30.000 BTC pro Jahr) würde es Jahrzehnte dauern, nicht fünf Jahre. Die Rechnung geht nicht auf, es sei denn, die Regierung beginnt zusätzlich zu kaufen oder Assets aus anderen Programmen einzubehalten. Die vollständige Analyse der regulatorischen Entwicklungen in den USA findet sich auf SpazioCrypto. Der Gesetzgebungsweg im US-Kongress ist öffentlich nachverfolgbar.

Mit den Midterms im November 2026 ist das Zeitfenster für eine Verabschiedung des ARMA eng. Die Priorität des Kongresses, so Beobachter aus Washington, bleibt der Clarity Act. Die Bitcoin-Reserve kann warten, sagen die Skeptiker. Bitcoin selbst notiert derweil bei rund 76.000 Dollar.
