Jeffrey Sprecher ICE NYSE Hyperliquid NASDAQ Vergleich Perpetual Futures
  • Home
  • DeFi
  • Hyperliquid größer als NASDAQ? Der NYSE-Chef sagt es
Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
3 min read

Hyperliquid größer als NASDAQ? Der NYSE-Chef sagt es

Jeffrey Sprecher, Chef von ICE und Eigentümer der NYSE, nannte Hyperliquid größer als die Nasdaq: elf Personen, 180 Milliarden Dollar Volumen monatlich.

«Größer als die Nasdaq. Elf Personen.» Das sagt kein anonymer Trader auf Telegram, sondern Jeffrey Sprecher, Gründer und CEO von Intercontinental Exchange (ICE), dem Konzern, der die New York Stock Exchange besitzt. Den Satz sprach er am 27. Mai 2026 auf der Bühne der Bernstein Strategic Decisions Conference. Zwei Wochen zuvor hatte er Regulatoren aufgefordert, genau diese Plattform einzubremsen.

Der Wortlaut hält nicht stand, und Sprecher weiß das

Beginnen wir mit der Zahl, die die Schlagzeile entkräftet. Das HYPE-Token von Hyperliquid hat laut CoinDesk-Marktdaten vom 28. Mai 2026 eine Marktkapitalisierung von rund 15,1 Milliarden Dollar. Nasdaq Inc. als börsennotiertes Unternehmen kommt auf etwa 50 Milliarden Dollar, also das Dreifache. Wer den Unternehmensw ert als Maßstab nimmt, ist an diesem Punkt fertig. Sprecher meinte aber etwas anderes. Die Plattform läuft auf einer proprietären Layer-1-Blockchain, die von einem Validatoren-Set und Open-Source-Beitragenden betrieben wird.

Unternehmenswert im Vergleich, Milliarden Dollar

Unternehmenswert im Vergleich, Milliarden Dollar

Quelle: CoinDesk, Marktdaten · 28. Mai 2026

Quelle: CoinDesk, Marktdaten · 28. Mai 2026

Die Zahlen, die das Bild verändern

Sprecher sprach nicht über Bewertung. Er sprach über Handelsaktivität. Und da verändert sich das Bild grundlegend. Hyperliquid kontrolliert laut CoinDesk über 70 Prozent des dezentralen Perpetual-Futures-Marktes und bewegt rund 180 Milliarden Dollar Volumen pro Monat, betrieben von einem Kernteam mit nur elf Personen bei Hyperliquid Labs. Analysten von JPMorgan haben denselben Befund gewichtet: Händler außerhalb des Kryptobereichs nutzen die rund um die Uhr geöffneten Märkte, um am Wochenende Ölpositionen aufzubauen, wenn die Energiemärkte von ICE geschlossen sind. Dieses Verhalten explodierte während der Spannungen in der Straße von Hormuz. Bereits im März hatten wir berichtet, wie Hyperliquid traditionelle Ölmärkte in Krisenzeiten übertrifft.

Die Plattform hat auf ihren offiziellen Kanälen Stellung bezogen: → aktuelle Posts von @HyperliquidX auf X lesen.

Die Margen dieser Kontrakte laufen zu einem großen Teil über Dollar-Stablecoins, den eigentlichen Treibstoff der On-Chain-Perpetuals.

Hyperliquid und deutsche Nutzer: Rechtslage

De facto: die Frage stellen sich viele. Klare Antwort: Hyperliquid ist eine dezentrale Börse, die außerhalb der großen Regulierungsrahmen registriert ist und damit nicht die Schutzstandards einer unter der europäischen MiCA-Verordnung zugelassenen Plattform bietet. Wer in Deutschland Kryptoderivate handelt, bewegt sich im Bereich des Kapitalertragsteuerrechts nach EStG §20 sowie der BaFin-Aufsicht über Finanzinstrumente. Perpetual Futures nach US-Recht unterliegen dem Dodd-Frank Act Titel VII, mit Registrierungs- und Marginpflichten, die ICE erfüllt und Hyperliquid nicht, wie die CFTC-Swap-Vorschriften festhalten. Technisch ist der Zugriff aus Deutschland möglich, rechtlich befinden sich Nutzer jedoch in einer Grauzone: kein gleichwertiger Verbraucherschutz, steuerliche Eigenverantwortung, und Regulierung kann sich schnell verschärfen.

Marktanteile: dezentrale Perpetuals

Anteil am dezentralen Perpetual-Markt, in Prozent

Anteil am dezentralen Perpetual-Markt, in Prozent

Quelle: Branchendaten (CoinDesk) · Mai 2026

Quelle: Branchendaten (CoinDesk) · Mai 2026

Der eigentliche Knackpunkt ist das regulatorische Vakuum. „Warum verbietet ihr uns das, während es bereits passiert? Und das Ding ist global“, fragte Sprecher auf der Konferenz und forderte gleiche Regeln für alle. Der nächste Test hat ein Datum: Am 11. Juni findet das SpaceX-IPO statt, und Hyperliquid hat bereits einen Perpetuals-Markt auf die Privatbewertung des Unternehmens aufgelegt. Sprecher deutete an, das Volumen in diesem Kontrakt könnte das IPO selbst übertreffen. Zugleich rückt die MiCA-Frist vom 30. Juni 2026 für Kryptounternehmen in Europa näher. Wall Street betrachtet diese Märkte längst nicht mehr als Kuriosität.

Leerer futuristischer Kontrollraum
Leerer futuristischer Kontrollraum

Was bleibt

Ein Detail wiegt schwerer als alle Pressemitteilungen. Während Bitcoin laut CoinDesk-Marktdaten Ende Mai auf rund 73.000 Dollar fiel und neun Handelstage in Folge Abflüsse aus Spot-ETFs verzeichnete, übertrafen Spot-Produkte auf Hyperliquid die Marke von 100 Millionen Dollar Zuflüssen, und HYPE näherte sich dem Allzeithoch von über 64 Dollar. Ein Teil des institutionellen Kapitals hat seine Entscheidung bereits getroffen, ohne auf grünes Licht der Regulatoren zu warten. Die Frage ist nicht mehr, ob die traditionelle Finanzwelt On-Chain-Perpetuals absorbieren wird. Es geht darum, zu welchen Bedingungen, und wer die Regeln schreiben wird. Für DACH-Anleger bedeutet das: Die BaFin-Regulierung für Kryptoderivate und die MiCA-Frist im Juni 2026 könnten den Rahmen setzen, der bestimmt, welche Plattformen in diesem Markt noch legal operieren dürfen.

Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
Aktualisiert am
DeFi Verordnung
Consent Preferences