Trump-Zölle, Drift-Hack über 285 Mio. $ und Bitcoin bei -47%: Die schwärzeste Woche für Krypto
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Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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Trump-Zölle, Drift-Hack über 285 Mio. $ und Bitcoin bei -47%: Die schwärzeste Woche für Krypto

Trump-Zölle auf 15%, Drift-Hack über 285 Mio. $, Bitcoin -47% vom ATH. Fear & Greed bei 8 für 46 Tage. ZachXBT gegen Circle, Tom Lee setzt auf die Erholung.

Wer am 5. April 2026 sein Krypto-Portfolio öffnet, braucht starke Nerven. Bitcoin handelt bei rund 67.000 Dollar — knapp die Hälfte des Allzeithochs von 126.272 Dollar, das erst am 6. Oktober erreicht worden war.

Der Fear & Greed Index steht bei 8 von 100 — ein Niveau "extremer Angst", das zuletzt beim Zusammenbruch von Terra-Luna im Juni 2022 so lange andauerte — mit 46 aufeinanderfolgenden Tagen in der kritischen Zone. Die Frage lautet nicht mehr nur "Wann endet diese Korrektur", sondern was sie wirklich ausgelöst hat und wo wir gerade stehen. Die Antworten sind komplexer, als reißerische Schlagzeilen vermuten lassen.

Zölle und die Rückkehr der Risikoaversion

Der Hauptauslöser der Markteintrübung trägt einen klaren Namen: die Handelszölle der Trump-Regierung.

Im Februar löste die Ankündigung einer pauschalen Erhöhung auf 15 % bei weltweiten Importen einen Kursverfall der Kryptowährungen um mehr als 5 % innerhalb weniger Stunden aus. Zwangsauflösungen vernichteten an einem einzigen Wochenende 2,56 Milliarden Dollar. Jeff Mei, Chief Operating Officer von BTSE, erklärte gegenüber CoinDesk unmissverständlich: "Wir glauben, dass der starke Anstieg der Zölle Investoren dazu veranlasst, Krypto-Assets zu verkaufen, in Erwartung eines noch stärkeren Marktrückgangs.

Der Mechanismus ist so einfach wie brutal: Hohe Zölle schüren die erwartete Inflation, erwartete Inflation verzögert Zinssenkungen, und hohe Zinsen drücken die Bewertung spekulativer Assets. Kryptowährungen — die viele als Absicherung gegen Makrorisiken betrachtet hatten — verhielten sich exakt gegenteilig und fielen parallel zu Technologieaktien. Für DACH-Anleger, die Bitcoin länger als zwölf Monate gehalten haben, greift nach §23 EStG die sogenannte Jahresfrist: realisierte Gewinne bleiben steuerfrei, realisierte Verluste hingegen können nicht verrechnet werden — ein Aspekt, der bei der aktuellen Marktlage sorgfältige Abwägungen erfordert.

Das schlechteste erste Quartal seit 2018

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bitcoin schloss das erste Quartal 2026 mit -23,8 % ab — die schwächste Quartalsperformance seit 2018, als der Verlust bei -49,7 % lag. Ethereum verlor gegenüber seinem Hoch mehr als 60 % und handelt bei rund 1.870 Dollar. Die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung lag bei 2,38 Billionen Dollar. Standard Chartered hat seine Jahresziele nach unten revidiert: Bitcoin-Ziel nun bei 100.000 Dollar (zuvor 150.000), mit einem möglichen Zwischentief um die 50.000-Dollar-Marke vor einer Erholung.

Tom Lee von Fundstrat bezeichnete die aktuelle Situation im CNBC-Programm The Exchange als "crypto squall" — ein vorübergehender Sturm, keine strukturelle Krise: "2026 wird ein Jahr der zwei Hälften. Die erste Hälfte kann wehtun, aber genau das bereitet die Grundlage für die große Rally in der zweiten Hälfte."

Fundstrat hatte seine institutionellen Kunden bereits gewarnt, dass ein tiefer Rücksetzer im ersten Halbjahr einzukalkulieren sei, mit einem BTC-Zielniveau zwischen 60.000 und 65.000 Dollar.

Der größte Hack des Jahres 2026: Drift Protocol ausgeraubt

Inmitten des makroökonomischen Chaos folgte am 1. April 2026 ein weiterer Schlag: der Hack von Drift Protocol, dem größten DeFi-Exploit des Jahres. Das auf Solana basierende Protokoll, das über 550 Millionen Dollar in total value locked verwaltete, verlor in nur zwölf Minuten 285 Millionen Dollar.

Der Angriff nutzte keinen Codefehler aus — Drift war zweimal auditiert worden, zuletzt im Februar durch ClawSecure — sondern eine Schwachstelle in der Governance: Mit lediglich 2 von 5 Multisig-Signaturen übernahmen die Angreifer die Kontrolle über die Administratorschlüssel und leerten drei Hauptvaults. Elliptic und TRM Labs schrieben den Angriff der nordkoreanischen Lazarus Group zu.

Das Team veröffentlichte auf X ein Statement, das unmittelbar viral ging: "This is not an April Fools joke." Der DRIFT-Token verlor in den folgenden Stunden 40 %, elf Protokolle des Solana-Ökosystems erlitten Kollateralschäden.

ZachXBT wirft Circle vor: Sechs Stunden Schweigen mit gravierenden Folgen

Was nach dem Hack geschah, fügte der Debatte eine Dimension hinzu, die die Branche so schnell nicht vergessen wird. Der Blockchain-Ermittler ZachXBT dokumentierte, wie der Angreifer das Cross-Chain Transfer Protocol (CCTP) von Circle nutzte, um über 232 Millionen Dollar in USDC von Solana nach Ethereum zu transferieren — in mehr als hundert Transaktionen über sechs Stunden hinweg, während der normalen US-Geschäftszeiten.

Circle griff nicht ein. "Circle schlief, während über Stunden Millionen von USDC via CCTP von Solana nach Ethereum transferiert wurden", schrieb ZachXBT am 2. April auf X und wandte sich direkt an Jeremy Allaire. Der aufgezeigte Widerspruch ist eklatant: Wenige Tage zuvor hatte Circle im Rahmen eines versiegelten Zivilverfahrens 16 legitime Geschäfts-Hot-Wallets eingefroren und damit Exchanges und Zahlungsdienstleister beeinträchtigt. Beim neunstelligen Hack: vollständiges Schweigen. Aus Sicht der BaFin-regulierten DACH-Finanzwelt wirft dieser Vorfall grundlegende Fragen zur Compliance-Pflicht von Stablecoin-Emittenten auf — Fragen, die im Rahmen von MiCA künftig verbindlich geregelt sein werden.

Am 3. April veröffentlichte ZachXBT ein umfangreicheres Dossier: über 420 Millionen Dollar an mutmaßlichen Compliance-Verstößen durch Circle seit 2022, darunter mindestens fünfzehn Fälle, in denen der Stablecoin-Emittent kaum oder keine Maßnahmen gegen illegal bewegte Gelder ergriffen hatte.

Unter der Oberfläche der Panik bewegen sich die Wale

Doch unter der Oberfläche dieser kollektiven Angst tauchen Signale auf, die Bullen nicht ignorieren. Im vergangenen Monat haben sogenannte große Wallets trotz historisch niedrigem Sentiment 270.000 BTC akkumuliert.

Spot-Bitcoin-ETFs halten 165 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen. Der CLARITY Act — das Gesetz, das endlich Rechtsklarheit in den USA schaffen könnte — hat laut Polymarket eine Verabschiedungswahrscheinlichkeit von 72 %, mit erwartetem Markup im Senatsausschuss für Bankwesen bis Mitte April. Charles Schwab, mit fast 12 Billionen Dollar an Kundenvermögen, bereitet den Start des Spot-Handels in Bitcoin und Ethereum im ersten Halbjahr vor.

Das Ethereum-Upgrade Glamsterdam ist für Juni geplant. Pedro Lapenta, Head of Research bei Hashdex, bleibt vorsichtig: "Aus Risikomanagement-Perspektive ist es nachvollziehbar, dass der Markt abwartend agiert." Doch die Wale warten offenbar nicht auf den Konsens, bevor sie handeln. Und die Geschichte des Kryptomarkts legt nahe, dass jene, die in Phasen extremer Angst akkumulieren, dies selten bereuen.

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