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Hyperliquid drängt in die USA mit Kraken: Perpetuals auf reguliertem Weg

Hyperliquid verhandelt laut Bloomberg mit Payward, der Kraken-Mutter, um Perpetual Futures über Bitnomial für US-Anleger zugänglich zu machen. Die…

4 min read Wie wir arbeiten

Eines der symbolträchtigsten Produkte der Krypto-Finanzwelt, weit abseits traditioneller Regulierung entstanden, könnte schon bald eine offizielle Eintrittspforte in den wichtigsten Markt der Welt finden: die USA. Hyperliquid, die führende dezentrale Plattform für sogenannte Perpetual Futures, soll laut Bloomberg in fortgeschrittenen Verhandlungen stehen, um seine Produkte US-Investoren über eine regulierte Struktur zugänglich zu machen. Als Brücke dient dabei Payward, die Muttergesellschaft der bekannten Börse Kraken.

Die Meldung hat Gewicht, verlangt aber Vorsicht. Es handelt sich um laufende Verhandlungen, und die behördliche Genehmigung fehlt bislang. Hyperliquid ist noch nicht in den USA aktiv. Entscheidend ist das Wie eines möglichen Markteintritts, und genau das macht diese Geschichte für DACH-Anleger so interessant: Sie zeigt, wie dezentrale Finanzprodukte regulatorische Hürden nehmen könnten, und zwar ohne ihre technische Grundstruktur aufzugeben.

Wie die Struktur der Operation funktioniert

Die skizzierte Konstruktion ist bemerkenswert präzise. US-Investoren würden die Hyperliquid-Plattform selbst nicht direkt nutzen können. Stattdessen würden sie über Bitnomial handeln, eine vollständig regulierte US-Derivatebörse, die von der Kraken-Muttergesellschaft Payward zu Jahresbeginn übernommen wurde, um sich eine CFTC-konforme Infrastruktur zu sichern.

Bitnomial würde seinen registrierten Nutzern eine Auswahl an Kontrakten anbieten, die an die Preise von Token aus dem Hyperliquid-Ökosystem gekoppelt sind, und dabei sämtliche Compliance- und Aufsichtspflichten übernehmen. Es entstünde eine klare Trennung: auf der einen Seite die originale dezentrale Plattform für den Rest der Welt, auf der anderen eine regulierte Version ihrer Produkte, ausschließlich für US-Kunden, vermittelt durch einen zugelassenen Akteur. Payward soll dieses Modell bereits bei der CFTC eingereicht haben, doch die formelle Genehmigung steht noch aus.

Das eigentliche Problem: Dezentrales Protokoll trifft auf US-Aufsicht

Hier liegt der Kern der Geschichte, weit über ein einfaches Geschäftsabkommen hinaus. Hyperliquid ist bis heute aus den USA ausgeschlossen, weil die Plattform „permissionless“ ist, also genehmigungsfrei funktioniert. Es gibt keinen zentralen Betreiber, kein Unternehmen, das sich bei US-Behörden registrieren könnte. Die Plattform ist dezentrale Software, auf die grundsätzlich jeder weltweit zugreifen kann.

Für die Krypto-Community ist diese Eigenschaft ein Grundprinzip. Für Regulatoren, auch für die BaFin in Deutschland, ist sie ein Albtraum: keine zentrale Verantwortlichkeit, kein direkter Ansprechpartner bei Preismanipulation oder Sanktionsumgehung. Das Clevere am vorgeschlagenen Modell besteht darin, dass niemand das Unmögliche verlangt. Kein Antrag auf Zentralisierung einer dezentralen Plattform, kein Lizenzierungsversuch der Infrastruktur selbst. Stattdessen wird Bitnomial als regulierter Vermittler eingeschaltet, der die Rechtsverantwortung übernimmt und die US-Produkte von der freien, darunter liegenden Plattform trennt. Dieses Modell ähnelt der Debatte, die auch rund um den Fall Polymarket geführt wurde: Wie können grenzenlose Innovation und nationale Regelwerke produktiv zusammenwirken?

Ein Kreis schließt sich

Diese Meldung kommt nicht überraschend, sie fügt sich in eine Entwicklung, die sich schon länger abzeichnet. Vor einigen Wochen hatte US-Präsident Trump öffentlich angedeutet, dass seine Regierung daran arbeite, Hyperliquid in die USA zu holen, was wir in unserem Artikel über die Öffnung der CFTC gegenüber dem Perpetual-DEX berichtet haben. Damals war es eine Absichtserklärung, ein politisches Signal. Mit den nun bekannt gewordenen Verhandlungen bekommt diese Absicht erstmals eine konkrete Form.

Es ist Teil einer breiteren, gezielten Bewegung zur Schaffung klarer Regulierungsrahmen für Krypto-Derivate in den USA. Die Interessenvertreter von Hyperliquid haben kürzlich bei den beiden wichtigsten US-Finanzaufsichtsbehörden, der SEC und der CFTC, formal eine Angleichung ihrer Positionen und klarere Regeln beantragt. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des schrittweisen Aufbaus eines Regelwerks für einen Sektor, der lange in einer regulatorischen Grauzone operierte.

Zeitplan und offene Fragen

Vorsicht ist dennoch geboten. Selbst wenn die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden, ist der Weg bis zur tatsächlichen Marktreife lang und mit Hürden gepflastert. Ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Aufsichtsbehörde schätzte laut Bloomberg, dass der gesamte Genehmigungsprozess im optimistischen Szenario mindestens zehn bis zwölf Monate dauern könnte.

Der Grund für diese Dauer liegt in der rechtlichen und technischen Komplexität der Konstruktion. Möglicherweise müssen sich nicht eine, sondern zwei Aufsichtsbehörden einigen, die für Wertpapiere und die für Derivate, wobei auch Fragen zur Verwahrung von Kundenvermögen neu interpretiert werden müssten. Die Richtung scheint klar, das Ziel ist aber noch weit entfernt. Wer auf baldigen Zugang zu diesen Produkten aus den USA hofft, sollte sich auf eine lange Wartezeit einstellen. Zwischen der Ankündigung einer Transaktion und dem operativen Betrieb liegt oft mehr als ein Kalenderjahr, und das Ergebnis ist nie garantiert.

Das große Bild: DeFi trifft auf Regulierung

Unabhängig vom konkreten Ausgang dieser Verhandlungen steht die Geschichte für eine grundlegende Tendenz, die den gesamten Sektor umformt. Es geht um den Versuch, Brücken zu bauen zwischen der dezentralen Finanzwelt, die frei und grenzenlos entstanden ist, und der traditionellen regulierten Finanzwelt. Das vorgeschlagene Modell, ein zugelassener Intermediär als Bindeglied zu einer dezentralen Plattform, könnte zum Blaupause werden: ein replizierbares Schema, das auch andere „wilde“ Krypto-Produkte in den Rahmen der Regulierung einbetten könnte.

Für DACH-Anleger ist das kein abstraktes Thema. Die BaFin beobachtet den DeFi-Sektor seit Jahren genau. Das MiCA-Rahmenwerk der EU lässt Fragen zur Behandlung von Perpetuals und anderen dezentralen Derivaten noch weitgehend offen. Was in den USA gerade zwischen CFTC, SEC, Bitnomial und Hyperliquid ausgehandelt wird, könnte Signalwirkung auch für die europäische Regulierungsdebatte haben. Die Institutionalisierung von Produkten, die in einer Grauzone entstanden, ist keine Kapitulation vor dem System. Sie ist die Anpassung eines Systems an eine Realität, die mächtig genug wurde, um nicht länger ignoriert zu werden. Wer diese Entwicklung verfolgt und versteht, liest die Zukunft der Finanzmärkte früher als andere.

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