22.100 Tonnen CO₂ weniger. ITA Airways hat SITA OptiFlight auf die gesamte Flotte ausgeweitet. Die Zahlen des Zweijahreszeitraums 2025 bis 2026 bestätigen die Prognosen, und jeder Startvorgang wird nun in Echtzeit durch KI optimiert.
Wie das System funktioniert
SITA OptiFlight greift in der Steigflugphase ein. Genau dort, wo der Energiebedarf am höchsten ist. Die Software berechnet für jeden Start das optimale Profil, indem sie technische Flugzeugdaten mit vierdimensionalen Echtzeit-Wettervorhersagen verknüpft: Geschwindigkeit, Beschleunigung, Höhenübergänge und Steig-Mach-Zahl. Kein starrer Algorithmus. Ein adaptives System. Es passt die Lösung für jeden einzelnen Flug an, abhängig von aktuellem Wetter und konkreter Route.
Machine Learning und prädiktive Analytik arbeiten dabei parallel. Das Ergebnis ist ein maßgeschneidertes Profil. Kleine Anpassungen, die über Tausende von Starts pro Jahr summiert erhebliche Zahlen erzeugen. Eine Logik, die sich übrigens auch in KI-Anwendungen mit hoher operativer Intensität in völlig anderen Branchen wiederfindet.
Die Zahlen: 7.100 Tonnen Kerosin, 22.100 Tonnen CO₂
Mehr als 7.100 Tonnen Kerosin eingespart. Über 22.100 Tonnen CO₂ weniger zwischen 2025 und 2026. ITA Airways verzeichnete laut Unternehmensangaben bereits deutliche Einsparungen, bevor die Aktivierung auf die gesamte Flotte abgeschlossen war. Die Daten bestätigen die eingeschlagene Richtung.
Francesco Presicce, Leiter Innovation und Strategische Projekte bei ITA Airways, formuliert es klar: „Datenbasierte Erkenntnisse und künstliche Intelligenz ermöglichen es uns, erhebliche Kraftstoffeinsparungen und Emissionsreduzierungen zu erzielen, ohne Effizienz oder Sicherheit zu beeinträchtigen.“ Effizienz und Nachhaltigkeit zeigen in dieselbe Richtung, wenn das KI-System sauber implementiert ist.
Yann Cabaret, Geschäftsführer von SITA for Aircraft, blickt auf die operative Realität der Branche: Kerosin gehört zu den größten Kostenpositionen jeder Fluggesellschaft. Mit KI zu reduzieren ist nicht nur eine Umweltentscheidung. Es ist ein Margengewinn, der in der Bilanz sichtbar wird, bevor er im ESG-Bericht erscheint.
Der regulatorische Rahmen beschleunigt den Wandel
Der kommerzielle Luftverkehr verursacht laut Europäischer Umweltagentur rund 2,5 Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Eine begrenzte Zahl. Doch der tatsächliche Klimaeffekt liegt höher, bedingt durch Hochlagen-Emissionen und Kondensstreifen. Die EU-Verordnung RefuelEU Aviation schreibt ab 2025 steigende Beimischungsquoten nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) vor. Wer die operative Effizienz nicht optimiert, riskiert, die SAF-Ziele mit unkontrollierbaren Strukturkosten zu erreichen.
Mit der flottenweit rollenden Aktivierung standardisiert ITA Airways den KI-Ansatz auf jeden Start. Keine Pilotroute mehr, keine Teilflotte. Alle Flüge.
Die Europäische Kommission treibt zudem die Berichtspflichten für Einzelstreckenemissionen im Rahmen der CORSIA- und MRV-Regulierung voran, mit operativen Fristen bis 2027. Für europäische Fluggesellschaften bedeutet das: Emissionsdaten werden keine freiwillige Unternehmensinitiative mehr sein, sondern Pflichtdokumentation. ITA Airways hat die Systeme bereits im Produktivbetrieb. Wer den KI-Betriebszyklus früher abschließt, startet mit einem messbaren Vorteil: geringere Kosten heute, weniger regulatorische Risiken in zwei Jahren.
