Das Seoul National University Hospital (SNUH) gab am Donnerstag bekannt, eine Spende von 100.000 XRP-Token von Kim Geo-seok erhalten zu haben, einem Privatinvestor, dessen Lebensgeschichte einem Spielfilm entstammen könnte. Der Beitrag, der am 26. März formalisiert wurde, hat einen geschätzten Wert von rund 210 Millionen koreanischen Won (circa 145.000 US-Dollar) zu aktuellen Wechselkursen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Kim digitale Assets zur Unterstützung des öffentlichen Gesundheitswesens einsetzt: Im vergangenen November hatte er bereits einen ganzen Bitcoin an dieselbe Einrichtung gespendet. Diese neue Transaktion festigt die Vorreiterrolle des Krankenhauses bei der Annahme virtueller Währungen und wandelt Gewinne aus dem Kryptomarkt in greifbare Ressourcen für den Entwicklungsfonds und das pädiatrische Zentrum um.
Von der verlorenen Kindheit zum finanziellen Erfolg
Kims Großzügigkeit hat ihre Wurzeln in einer von Entbehrungen geprägten Vergangenheit. Mit nur vier Jahren während des Koreakrieges (1950–53) zum Waisenkind geworden, wurde er in ein Waisenhaus auf der Insel Jeju verlegt und trug sichtbare Narben eines Partisanenangriffs im Gesicht. Nach seiner Rückkehr nach Seoul lebte er am Rande der Gesellschaft und verrichtete Gelegenheitsjobs, um zu überleben.
Die Wende kam mit 19 Jahren, als er vom Namsan Tower aus die Stadt betrachtete und sich schwor, eines Tages eines der erleuchteten Häuser zu besitzen, die er zu seinen Füßen sah. Als Autodidakt begann er, die Märkte durch tägliche Lektüre von Finanzblättern zu studieren und sich an den Anlagestrategien von Ikonen wie Warren Buffett und Peter Lynch zu orientieren. Der Weg war allerdings nicht frei von Rückschlägen: Nachdem er bei einer Fehlinvestition alles verloren hatte, musste er von vorne beginnen — er arbeitete als Sicherheitsmann in einem Hotel und sparte jeden Cent, um sein Portfolio wiederaufzubauen.
Pionier der Krypto-Philanthropie
Heute, mit 79 Jahren, ist Kim Geo-seok nicht nur ein erfolgreicher Investor, sondern ein Symbol für die "stille Revolution" im südkoreanischen Spendenwesen. "Geld mit Bedacht ausgeben zu können, ist wichtiger als es zu verdienen", erklärte er in einem Interview mit der Maeil Business Newspaper vom Mai 2025.
Seine philanthropischen Aktivitäten haben bemerkenswerte Dimensionen erreicht: Allein an das Seoul National University Hospital hat er insgesamt 1,27 Milliarden Won gespendet. Sein Engagement erstreckt sich auch auf das Koreanische Rote Kreuz, wo er als erstes Einzelmitglied des "Super High-Value Donors Club" aufgenommen wurde — mit einem Gesamtversprechen von einer Milliarde Won für kostenlose Kliniken, die nicht versicherte Arbeitnehmer und multikulturelle Familien versorgen.
Neue Regulierung für das Gemeinwohl
Kims Hinwendung zu Kryptowährungen als Spendenform wurde durch einen Beschluss der südkoreanischen Financial Services Commission ermöglicht, die Mitte 2025 gemeinnützigen Organisationen erlaubte, Spenden in digitalen Assets legal zu liquidieren. Kim gehörte zu den Ersten, die diese Möglichkeit nutzten. Für DACH-Anleger ist dieser regulatorische Schritt interessant: In Deutschland prüft die BaFin derzeit, inwieweit ähnliche Rahmenbedingungen für gemeinnützige Organisationen im Zuge der MiCA-Umsetzung denkbar wären.
Gegenwärtig wandeln sowohl das Seoul National University Hospital als auch das Rote Kreuz Kryptospenden gemäß strikten internen Richtlinien unmittelbar über die Handelsplattform Upbit in Fiatgeld (Won) um, um Stabilität und Transparenz der erhaltenen Gelder zu gewährleisten.
Der Traum von alltäglicher Solidarität
Bei der Spendenzeremonie am 9. März äußerte Kim einen schlichten, aber kraftvollen Wunsch: Er hofft, dass Krypto-basierte Philanthropie so selbstverständlich wird, dass sie keine Schlagzeilen mehr macht. Für den Krankenhausdirektor Kim Young-tae ist das Beispiel von Kim Geo-seok wegweisend für die Modernisierung des Spendengedankens im digitalen Zeitalter.
Trotz seines hohen Alters zeigt der einstige Waisenjunge, der einst von einem Zuhause zwischen den Lichtern Seouls träumte, keine Absicht, langsamer zu werden — er verfolgt das Ziel, Südkoreas größter Einzelspender zu werden und den Schmerz der Vergangenheit in das Wohlergehen künftiger Generationen umzuwandeln.
