Zehn Prozent. Das ist die Obergrenze, die die britische Financial Conduct Authority am 9. Juni 2026 für das Engagement autorisierter Privatanlegerfonds in Kryptowährungs-ETN vorgeschlagen hat. Die Konsultation, enthalten im 52. vierteljährlichen Diskussionsheft der Behörde, bleibt fünf Wochen lang offen, bis zum 13. Juli 2026. Zum ersten Mal könnten britische UCITS-Fonds und ein Großteil der NURS-Fonds Instrumente halten, die an Bitcoin und Ethereum gekoppelt sind, in Portfolios, die für das breite Publikum bestimmt sind.
Der Zeitplan einer schrittweisen Öffnung
Der Vorschlag kommt nicht aus dem Nichts. Die FCA hatte Krypto-ETN für Privatanleger 2021 verboten. Das Verbot fiel im Oktober 2025, als physisch besicherte Produkte von 21Shares, Bitwise, WisdomTree und BlackRock fast unmittelbar an der London Stock Exchange gelistet wurden.

Im April 2026 folgte der steuerfreie Zugang über den Innovative Finance ISA. Ein Segment blieb ausgespart: autorisierte Fonds, die ohne formales Verbot de facto ausgeschlossen waren. Sobald die Konsultation abgeschlossen und die Antworten ausgewertet sind, kann die Regel noch in der zweiten Jahreshälfte ins Regelwerk der Behörde aufgenommen werden.
Warum genau 10 Prozent?
Die Schwelle ist kein Zufall. Laut FCA würde ein höheres Engagement eine Umklassifizierung der Fonds als Masseninvestments mit Vertriebsbeschränkungen erzwingen. Die Grenze richtet sich nach den Diversifikationsstandards, die für Privatanlegerportfolios bereits gelten. Ohne Obergrenze bleiben Fonds für qualifizierte Anleger; Langzeitfonds werden vollständig ausgeschlossen. Fondsmanager müssen nachweisen, dass das Engagement mit den Fondszielen vereinbar ist, und müssen relevante Positionen offenlegen.
Maximale Krypto-ETN-Gewichtung im FCA-Vorschlag
Quelle: FCA, 52. vierteljährliches Konsultationsheft, 9. Juni 2026
Was das für Europa und den DACH-Raum bedeutet
London handelt, während Brüssel die Schrauben anzieht. Zum 30. Juni endet das MiCA-Übergangsregime, bislang wurden wenige Lizenzen erteilt. In den USA hat die SEC Kryptowährungen ins Zentrum ihres strategischen Plans 2026-2030 gestellt. Drei Jurisdiktionen, drei Geschwindigkeiten. Das Risiko für Brüssel ist real: Fondskapital folgt den klarsten Regeln, nicht den strengsten. BaFin-regulierte UCITS-Fonds in Deutschland unterliegen weiterhin dem KAGB, das keine vergleichbare Krypto-ETN-Quote kennt. Angesichts amerikanischer ETFs, die zuletzt hohe Mittelabflüsse verzeichneten, käme ein neues Segment regulierter Londoner Käufer zu einem alles andere als neutralen Zeitpunkt. Ob die City die Regulierung tatsächlich zum Wettbewerbsvorteil macht, wird sich am 13. Juli zeigen.
