Kanada verbietet alle Krypto-ATMs, 4.000 Geräte betroffen, Betrug 2025
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Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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Kanada verbannt Krypto-ATMs: 4.000 Geräte vor dem Aus

Kanada plant ein Totalverbot aller 4.000 Krypto-ATMs nach 704 Millionen Dollar Betrugsschäden im Jahr 2025. Was das für den deutschen Markt bedeutet.

Vancouver, Oktober 2013. Ein Café wird zum Schauplatz einer kleinen Revolution: der erste Bitcoin-ATM der Welt nimmt seinen Betrieb auf. Dreizehn Jahre später plant die Regierung von Premierminister Mark Carney, alle derartigen Geräte im Land abzuschalten. 4.000 Krypto-ATMs stehen vor dem Ende, wenn das Parlament den Vorschlag aus dem Spring Economic Update verabschiedet.

Das Spring Economic Update setzt klare Zahlen

Das offizielle Dokument wurde am 28. April veröffentlicht. Der Spring Economic Update schlägt ein vollständiges Verbot aller Krypto-ATMs auf kanadischem Staatsgebiet vor, ohne Ausnahmen für Betreiber mit MSB-Registrierung bei FINTRAC oder für kleinere Anbieter.

Keine Übergangsregelungen, keine Mengenschwellen. Die Regierung Carney spricht nicht von strengeren Auflagen oder niedrigeren Transaktionslimits.

Sie spricht von Abschaltung. Für laufende Betreiber bedeutet das: die Tage sind gezählt. Bereits im Februar 2023 bezeichnete FINTRAC, die kanadische Finanzgeheimdienstbehörde, Krypto-ATMs als die „Hauptmethode“, mit der Betrüger Opfergelder einsammelten und wuschen. Die Verluste sprechen für sich: laut FINTRAC beliefen sich die Betrugsverluste im Jahr 2025 auf 704 Millionen kanadische Dollar, kumuliert seit 2022 auf über 2,4 Milliarden. Erschwerend kommt hinzu, dass nur 5 bis 10 Prozent der Opfer Anzeige erstatten.

Federal government plans to ban crypto ATMs to stop scammers from defrauding Canadians
CBC News untersuchte den Geldfluss durch kanadische Krypto-Kioske und brachte damit Finanzminister François-Philippe Champagne unter Druck.

Krypto-ATMs in Deutschland: BaFin und die offene Regulierungsfrage

In Deutschland ist die Lage deutlich anders als in Kanada, aber nicht ohne Parallelen. Krypto-ATMs gelten als Finanzdienstleistungsunternehmen und benötigen eine Erlaubnis nach §32 KWG sowie eine Registrierung bei der BaFin. Betreiber müssen die Anforderungen des Geldwäschegesetzes (GwG) erfüllen, einschließlich Identifizierungspflichten (KYC) und Transaktionsüberwachung.

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Vancouver installierte 2013 den ersten Bitcoin-ATM der Welt im Waves Coffee Shop. Dreizehn Jahre später ist Kanada das erste G7-Land, das ein bundesweites Verbot aller derzeit rund 4.000 aktiven Geräte vorschlägt.

In der Praxis bleibt die Durchsetzung jedoch lückenhaft. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in den vergangenen Jahren mehrfach auf Missbrauch von Krypto-ATMs für Geldwäsche und Betrug hingewiesen. Anders als in Kanada gibt es bislang keine Bewegung in Richtung eines Totalverbots. MiCAR setzt auf EU-Ebene einen einheitlichen Rahmen, doch der Schritt von der formellen Registrierung zur effektiven Kontrolle erfordert Ressourcen und spezialisiertes Personal, das bei BaFin und Landeskriminalämtern nicht flächendeckend vorhanden ist.

Bitcoin Depot und die weltweite Betrugswelle

Der Fall Bitcoin Depot zeigt, wohin unkontrollierter Betrieb führt. Der weltgrößte Krypto-ATM-Betreiber mit Sitz in Atlanta verlor im März 2026 seine Lizenz im US-Bundesstaat Connecticut wegen Verstößen gegen Regulierungsvorschriften und wegen nicht erstatteter Betrugsverluste der Opfer. Massachusetts folgte mit ähnlichen Maßnahmen.

Zwischen August 2023 und Januar 2025 war laut einer Untersuchung des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten (ICIJ) mehr als die Hälfte der an Bitcoin-Depot-Kiosken verarbeiteten Geldflüsse auf Betrug zurückzuführen. In den USA registrierte das FBI für 2025 insgesamt 13.460 Beschwerden im Zusammenhang mit Krypto-ATMs, mit Verlusten von 389 Millionen Dollar. Ein Anstieg von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr, laut FBI-Jahresbericht.

Wer das vollständige Bild der Krypto-Betrugsfälle in den USA verstehen möchte, sollte den FBI IC3-Bericht 2025 heranziehen, der Verluste von 11,4 Milliarden Dollar in den USA dokumentiert.

Der gemeinsame Nenner von Ottawa, Hartford und Berlin ist klar: Wenn eine Maschine den direkten Umtausch von Bargeld in Krypto zu einer anonymen Wallet ermöglicht, ist die Geschwindigkeit für regelkonforme Nutzer ein Vorteil und für Kriminelle eine Waffe. Wer eine Front schließt, öffnet eine andere Debatte.

Der nächste Schritt ist die Abstimmung im kanadischen Parlament über das Umsetzungsgesetz zum Spring Economic Update. Der erwartete Termin ist Juni 2026. Erst dann wird klar sein, ob das Verbot sofort greift oder ob registrierte MSB-Betreiber eine Übergangsfrist erhalten.

Für den deutschen Markt ist der Blick auf die anstehende Umsetzung der sechsten EU-Geldwäscherichtlinie entscheidend, in deren Rahmen auch strengere Anforderungen an Krypto-Dienstleister erwartet werden. Die BaFin hat sich zur Maßnahme Ottawas noch nicht öffentlich geäußert. In der Regulierung zählt Schweigen genauso viel wie eine offizielle Stellungnahme.

Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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