Großes Tresorgewölbe gefüllt mit Ethereum-Token, Krypto-Treasury Bitmine und Tom Lee
Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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Tom Lee kauft Ethereum, Saylor verkauft Bitcoin: Strategiewechsel

Bitmine hält 5,74 Mio. ETH (4,8% des Angebots) und kauft weiter, während Strategy Bitcoin verkauft. Das Staking-Modell ändert die Logik der Krypto-Treasuries.

In derselben Woche, in der Michael Saylor Bitcoin im Wert von 216 Millionen Dollar verkaufte, investierte Tom Lee 74 Millionen Dollar in Ethereum. Während Strategy einen Rückzug vollzog, baute Bitmine Immersion leise das größte öffentliche Ethereum-Treasury der Welt auf. Die Ära der Unternehmens-Treasuries endet nicht mit dem Verkauf von Strategy. Sie wechselt den Asset-Typ, und der Grund dafür ist interessanter als eine einfache Rotation.

Was ist passiert

Bitmine Immersion Technologies, an der NYSE unter dem Kürzel BMNR gehandelt und geführt von Tom Lee, dem Gründer von Fundstrat und von Peter Thiel unterstützt, hält laut dem offiziellen Unternehmensbericht (PR Newswire, Juli 2026) über 5,74 Millionen ETH, was rund 4,8 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots entspricht. Das erklärte Ziel, das Lee als „die Alchemie der 5 Prozent“ bezeichnet, ist es, bis 2026 ein Zwanzigstel des gesamten Netzwerks zu kontrollieren. Das Gesamtportfolio aus Krypto und Barmitteln nähert sich laut derselben Quelle 11 Milliarden Dollar.

Das ist das größte öffentliche Ethereum-Treasury der Welt, unter allen Krypto-Treasuries nur hinter Strategy zurück. Der Kontrast der Woche ist eindeutig: Auf der einen Seite verkauft Strategy Bitcoin, um Dividenden zu finanzieren, auf der anderen kauft Bitmine Ethereum bei Kursrückgängen. Bitmine ist dabei nicht allein: Auch SharpLink, geführt vom Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin, akkumuliert.

Knapp unter der 5%-Marke des gesamten Ethereum-Angebots

Von Bitmine gehaltene ETH im Vergleich zum 5%-Ziel des Angebots. Quelle: Bitmine, Juli 2026

5,74 Mio. ETH gehaltenZiel: 5%Heute: 4,8% des gesamten Ethereum-Angebots, rund 95% des Ziels

Warum das zählt: ein arbeitendes Treasury

Der entscheidende Unterschied zu Strategy liegt nicht in der Währung, sondern darin, dass Ethereum arbeitet. Rund 85 Prozent der ETH-Bestände von Bitmine, also fast 4,9 Millionen Token, sind per Staking gebunden: Sie sichern das Netzwerk und generieren im Gegenzug Belohnungen. Diese Belohnungen belaufen sich laut den Schätzungen des Unternehmens auf über 210 Millionen Dollar pro Jahr.

/C O R R E C T I O N -- Bitmine Immersion Technologies, Inc./
In the news release, Bitmine Immersion Technologies (BMNR) Announces ETH Holdings Reach 5.74 Million Tokens, and Total Crypto and Total Cash Holdings of $11.1…

Das verändert die gesamte Rechnung. Strategys Bitcoin liegt still und produziert nichts, was das Unternehmen zwingt, Aktien auszugeben oder zu verkaufen, um Liquidität zu schaffen. Bitmines Ethereum hingegen erwirtschaftet eine Rendite, die teilweise den Kauf weiterer ETH finanziert. Das Treasury speist sich selbst. Genau deshalb sind Bitmine und SharpLink zu wichtigen Geldgebern der Ethereum-Forschung geworden: Wer den produktiven Asset hält, hat die Mittel, das Ökosystem zu stützen.

Die Kehrseite: gleicher Mechanismus, neue Risiken

Vorsicht ist trotzdem geboten. Es ist dieselbe Maschine, die Strategy in die Bredouille gebracht hat: Der Kursaufschlag des Titels gegenüber dem Nettoinventarwert funktioniert in steigenden Märkten gut und dreht sich in fallenden Märkten um. Wenn dieser Aufschlag schwindet, gerät das Modell ins Stocken. Ethereum bringt zusätzlich eigene Risiken mit: Staking-Strafen (Slashing), zeitliche Sperrfristen beim Unstaking und die Verwundbarkeit von Smart Contracts.

Besonders das Thema Konzentration sollte man nicht unterschätzen. Ein einzelnes Unternehmen, das fünf Prozent eines Netzwerks kontrolliert, verringert dessen Liquidität und bündelt Macht: Derselbe Akteur stimmt ab, stakt und finanziert die Forschung. Aufschlussreich ist eine weitere Divergenz: Während Unternehmens-Treasuries akkumulierten, verzeichneten Ethereum-ETFs sieben Wochen in Folge Mittelabflüsse. Durch eine Tür verkaufen institutionelle Anleger, was Treasuries durch eine andere einkaufen. Einer der beiden irrt sich.

Das größere Bild

Die eigentliche Geschichte des Jahres 2026 lautet nicht Bitcoin gegen Ethereum. Sie lautet: Welches Unternehmensmodell überlebt den Zyklus? Der Akkumulator eines inerten Assets, der verkaufen muss, um Liquidität zu schaffen, oder jener eines produktiven Assets, der eine laufende Ausschüttung kassiert. Lee wettet darauf, dass ein renditeorientiertes Treasury langfristig attraktiver ist als ein reines Verwahrinstrument.

Das Konzept ist durchdacht, solange kein tiefer Kursrückgang die Frage aufwirft, ob die Staking-Rendite den Zusammenbruch des Kursaufschlags kompensieren kann. Das Treasury-Modell reift: vom Bitcoin-Denkmal zum Ethereum-Motor. Ob dieser Motor unter echtem Druck standhält, wird der nächste Bärenmarkt zeigen. Die Daten sind in den bei der SEC hinterlegten Einreichungen sowie in der offiziellen Dokumentation von Ethereum nachprüfbar.

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