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DAC8 vor Gericht: Bull Bitcoin klagt gegen Steuerüberwachung

Bull Bitcoin, Börse mit MiCA-Lizenz, klagt gegen die DAC8 vor Frankreichs oberstem Gericht. Das Argument lautet Sicherheit, nicht Privatsphäre.

Aktualisiert 25 Aug. 2026 3 min read Wie wir arbeiten

Die erste echte rechtliche Herausforderung der DAC8 ist da, und sie setzt nicht dort an, wo es alle erwartet hätten. Sie stellt weder die Steuern noch die Meldepflichten infrage. Sie richtet sich gegen die Datenbank selbst, die, so die Klage, das Leben von Menschen gefährden könne.

Vor Gericht gebracht hat sie eine regulierte Börse mit MiCA-Lizenz. Ein Zeichen dafür, dass Regelkonformität und Widerstand sich nicht mehr gegenseitig ausschließen.

Was ist passiert

Bull Bitcoin, eine der ältesten Bitcoin-only- und Non-Custodial-Börsen, von der französischen Aufsichtsbehörde AMF unter MiCA zugelassen, hat beim Conseil d'État, dem höchsten französischen Verwaltungsgericht, Klage eingereicht, um das Dekret Nr. 2025-1276 für nichtig erklären zu lassen, jene Verordnung, mit der Frankreich die DAC8 in nationales Recht umsetzt. Nach einer ersten Anhörung am 24. Februar 2026 hat das Unternehmen nun eine vollständige Klageschrift mit seiner Argumentation vorgelegt.

Das erklärte Ziel geht über Frankreich hinaus: Das Unternehmen will sowohl die DAC8 als auch ihren globalen Standard, das CARF-Rahmenwerk der OECD, aussetzen, verzögern, aufheben oder ändern lassen, und ist bereit, den Fall bis vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Zur Unterstützung der Kampagne wurde die Seite dac8.com gestartet.

Was die DAC8 vorschreibt

Die DAC8 ist die achte Fassung der EU-Amtshilferichtlinie. Seit dem 1. Januar 2026 in Kraft, verpflichtet sie Krypto-Dienstleister dazu, Identität und Transaktionsdaten ihrer Nutzer zu erfassen, an die nationalen Steuerbehörden weiterzugeben und automatisch zwischen allen 27 Mitgliedstaaten austauschen zu lassen. Die ersten Meldungen für das Jahr 2026 werden bis zum 30. September 2027 erwartet.

Das Phänomen ist nicht rein europäisch: Die DAC8 ist die EU-Umsetzung des CARF der OECD, das 48 Länder 2026 bereits einführen und 75 Länder zu übernehmen versprochen haben. Es ist jene Ebene, die, wie wir bereits beim europäischen Rahmenwerk nach MiCA gesehen haben, die Ära der steuerlichen Intransparenz endgültig beendet.

Warum die Klage Unverhältnismäßigkeit geltend macht

Der Kern des juristischen Arguments. Quelle: Klageschrift von Bull Bitcoin beim Conseil d'État, 2026

  • Ein Bankkonto
    zeigt einen Kontostand und die jüngsten Transaktionen.
  • Eine Bitcoin-Adresse
    offenbart eine vollständige, dauerhafte Finanzhistorie, die für jeden öffentlich einsehbar ist.

Verknüpft man damit Identität und Wohnadresse, entsteht eine vollständige Akte über jeden Inhaber, auch über jene, die nichts zu deklarieren haben.

Das Argument, das alles verändert: nicht Privatsphäre, sondern Sicherheit

Der juristische Kern der Klage beruft sich auf Artikel 52 der EU-Grundrechtecharta, wonach jede Einschränkung eines Rechts notwendig, geeignet und verhältnismäßig sein muss. Bull Bitcoin argumentiert, die DAC8 verfehle alle drei Kriterien, weil sie sensible Daten weit über das hinaus zentralisiere, was eine rechtmäßige Steuerprüfung erfordern würde.

Doch das Argument, das diesen Fall von allen anderen unterscheidet, ist ein anderes. Eine zentrale Datenbank mit Identitäten, verknüpft mit Krypto-Adressen, werde laut dem Unternehmen selbst zum Ziel: Wenn die Daten durchsickern, wissen Kriminelle, wer was besitzt und wo er wohnt. CEO Francis Pouliot bringt es mit einer scharfen Formel auf den Punkt: aus „Know Your Customer" wird „Kill Your Customer". Das ist keine theoretische Sorge: Frankreich zählt zu den Ländern mit den meisten physischen Angriffen auf Krypto-Inhaber, und die Klageschrift verweist zudem auf konkrete frühere Fälle von Datenlecks bei französischen öffentlichen Datenbanken. Es ist die Verschiebung vom abstrakten Terrain der Bürgerrechte hin zu jenem, weitaus schwerer zu ignorierenden, der öffentlichen Sicherheit.

Warum das auch Italien und die ganze EU betrifft

Frankreich ist vorgeprescht, weil es bereits ein Umsetzungsdekret hat, doch dieselbe DAC8-Architektur gilt für alle 27 Mitgliedstaaten, Italien eingeschlossen, wo die Finanzbehörden die Daten der Anbieter bereits erhalten. Jeder juristische Präzedenzfall aus Paris wird zum Vorbild für Klagen überall dort, wo das CARF greift.

Und der Fall legt eine strukturelle Spannung offen. Die EU hat MiCA, DORA und die DSGVO genau deshalb geschaffen, um regulierte Unternehmen für die Datensicherheit verantwortlich zu machen, mit Marktanreizen, sie zu schützen. Die DAC8 tut das Gegenteil: Sie leitet dieselben Daten in zwischenstaatliche Verwaltungsnetzwerke, wo die Marktdisziplin schwächer ist und die Sicherheit des Gesamtsystems nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, unter Dutzenden Steuerbehörden mit unterschiedlicher Infrastruktur. Aus derselben Logik bleibt die direkte Kontrolle über die eigenen Daten die solideste Verteidigung.

Fairerweise muss man sagen: Die Aufhebung einer Richtlinie zur Steuerkooperation ist ein seltener Ausgang, und steuerliche Transparenz verfolgt legitime Ziele. Doch der von Bull Bitcoin gewählte Ansatz bringt etwas Neues zu den Akten, das Brüssel nicht einfach als üblichen libertären Einwand abtun kann. Der Ausgang wird, so oder so, das Gleichgewicht zwischen Steuervollzug und der Sicherheit der Menschen neu bestimmen, deren Daten erfasst werden. Die Angaben lassen sich auf dem Steuerportal der Europäischen Kommission und bei den Standards des CARF der OECD nachprüfen.

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