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MiCA allein reicht nicht: Verborgene Pflichten im deutschen Krypto-Markt

MiCA-Lizenz erhalten, aber noch nicht fertig: In jedem EU-Staat lauern nationale Zusatzpflichten. Zwei Behörden, strenge AML-Regeln und Aufsichtsgebühren…

5 min read Wie wir arbeiten

Seit die europäischen MiCA-Regeln vollständig in Kraft getreten sind, könnte man annehmen, eine einzige EU-Lizenz genüge, um in allen Mitgliedstaaten frei tätig zu sein. Die Realität ist komplexer. Eine MiCA-Lizenz ist nur der erste Schritt: Wer wirklich in einen nationalen Kryptomarkt eintreten will, etwa in Italien, stößt auf eine verborgene Compliance-Schicht aus nationalen Pflichten, die nicht selten unterschätzt wird. Dieses Prinzip gilt sinngemäß auch für den DACH-Raum, denn auch die BaFin schreibt eigene Anforderungen vor, die über das EU-Regelwerk hinausgehen.

Das Thema ist technisch, hat aber unmittelbare praktische Bedeutung für jeden Anbieter, der in Europa operieren möchte. Wer versteht, wie der tatsächliche Markteintritt funktioniert, kann seriöse Anbieter von solchen unterscheiden, die nur eine Fassadenkonformität vorspiegeln.

MiCA als universeller Freifahrtschein: ein Irrtum

Zunächst ein weit verbreitetes Missverständnis. Das europäische MiCA-Regularium schafft eine einheitliche Lizenz für Kryptowertdienstleister (CASP), die nach Erteilung in einem EU-Staat dank des sogenannten „europäischen Passes“ grundsätzlich auch in anderen Mitgliedstaaten gilt. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber der früheren Zersplitterung.

Trotzdem wäre es ein Fehler zu glauben, die EU-Lizenz hebe alle nationalen Pflichten auf. Ein Unternehmen, das etwa in Italien oder Deutschland tätig werden will, muss sich weiterhin mit den lokalen Behörden und Vorschriften auseinandersetzen. Die MiCA-Lizenz öffnet das gemeinsame europäische Eingangstor, doch jedes Land hat noch eigene Schlösser. Diesen Umstand zu ignorieren ist einer der häufigsten Fehler für Unternehmen, die glauben, ein europäischer Stempel genüge.

Termina il periodo transitorio del Regolamento MiCA sulle cripto-attività: in Italia 9 soggetti abilitati (Comunicato stampa congiunto Consob - Banca d'Italia del 30 giugno 2026)
Termina il periodo transitorio del Regolamento MiCA sulle cripto-attività: in Italia 9 soggetti abilitati

Das Zwei-Behörden-System: Consob und Banca d'Italia als Vorbild

Das erste entscheidende Element des italienischen Marktes verdeutlicht, wie differenziert nationale Aufsichtsstrukturen sein können: In Italien ist nicht eine einzige Behörde für Kryptowährungen zuständig, sondern zwei, mit klar aufgeteilten Kompetenzen. Das italienische Gesetz, das die europäischen Vorgaben umsetzt, legt diese Zuständigkeitstrennung fest.

Auf der einen Seite steht die Consob, die Finanzmarktaufsicht, zuständig für die Zulassung der Anbieter, ihr Marktverhalten und die Marktintegrität. Auf der anderen Seite agiert die Banca d'Italia, die sich auf prudenzielle und systemische Aspekte konzentriert: Verwahrung von Vermögenswerten, Zahlungssysteme und Geldwäscheprävention. Wer in Italien tätig werden will, muss sich mit beiden Behörden auseinandersetzen. Diese Zweiköpfigkeit spiegelt das Ziel wider, sowohl den Anlegerschutz als auch die Systemstabilität sicherzustellen. Der Vergleich zum DACH-Raum liegt auf der Hand: In Deutschland übernimmt die BaFin eine ähnlich zentrale Rolle, doch auch hier greifen zusätzliche nationale Anforderungen nach dem Kreditwesengesetz (KWG) und dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB).

Markteintritt in den europäischen Kryptomarkt: Was wirklich nötig ist

Pflichten über die MiCA-Lizenz hinaus. Quelle: Consob, Banca d'Italia, 2026

  • Zwei Behörden (Beispiel Italien): Consob für Zulassung und Verhalten, Banca d'Italia für Verwahrung, Zahlungen und Geldwäscheprävention. BaFin-Pendant für den DACH-Markt.
  • Nationale Pflichten: nationales Umsetzungsrecht, Geldwäscheprävention, steuerliche und Transparenzregeln.
  • Kosten und Fristen: Aufsichtsgebühren sowie ein Zulassungsverfahren, das mehrere Monate in Anspruch nehmen kann.

Die Pflichten jenseits der MiCA-Lizenz

Neben dem Umgang mit den zuständigen Behörden bringt der Markteintritt eine Reihe konkreter Verpflichtungen mit sich. Es gibt zunächst das nationale Umsetzungsrecht, das die europäischen Regeln durch spezifische nationale Vorschriften ergänzt. Hinzu kommen Geldwäschepräventionspflichten, die im Kryptosektor besonders streng sind und rigorose Verfahren zur Kundenidentifikation verlangen. Schließlich greifen steuerliche Transparenzregeln: Viele europäische Länder haben die neuen EU-Richtlinien zum automatischen Informationsaustausch über Kryptobestände (DAC8) umgesetzt.

Sehr konkret fallen außerdem die Aufsichtsgebühren ins Gewicht, die an die Behörden zu entrichten sind und einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellen. Das Zulassungsverfahren selbst erfordert, von der Dokumentenvorbereitung bis zur behördlichen Prüfung, mehrere Monate Arbeit. Ein ernsthafter Anbieter muss eine angemessene Organisationsstruktur vorhalten, sichere IT-Systeme, interne Kontrollfunktionen und ein Mindestkapital nachweisen. All das geht weit über den bloßen Erhalt eines MiCA-Siegels hinaus und ist der eigentliche Prüfstein für die Seriosität eines Anbieters.

Wer es bereits geschafft hat: zugelassene Anbieter in Italien

Um das Gesagte zu konkretisieren, lohnt ein Blick auf jene, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Consob und Banca d'Italia vom 30. Juni 2026 sind nach Ablauf der Übergangsfrist in Italien acht Anbieter als Kryptowertdienstleister zugelassen, zuzüglich einer Bank, die die Aufnahme ihrer Dienstleistungen angezeigt hat. Darunter befinden sich bekannte italienische Akteure wie Young Platform und Hodli, die die behördliche Prüfung bestanden und alle geforderten Voraussetzungen nachgewiesen haben.

Diese Liste, wenngleich noch überschaubar, belegt, dass der Weg trotz seiner Komplexität gangbar ist, für alle, die ihn ernsthaft angehen. Für Nutzer ist das eine wertvolle Information: Wer sein Kapital einem Anbieter anvertraut, der diesen strengen italienischen Zulassungsprozess durchlaufen hat, genießt deutlich mehr Schutz als bei einem Anbieter, der nur eine oberflächliche Konformität vorweist. Die geringe Zahl zugelassener Anbieter zeigt, wie hoch die Messlatte tatsächlich liegt. Es ist dasselbe Argument, das auch beim Blick auf das europäische Register der zugelassenen Anbieter gilt: das ESMA-Register muss sorgfältig gelesen werden, denn nicht jeder Eintrag entspricht einer vollständigen Lizenz.

The hidden compliance layer behind market entry in Italy | The Paypers
Daniele Tagliarini explains why passporting alone is not enough for PSPs, EMIs, and CASPs entering Italy, and how a strong local AML and compliance framework can become a competitive advantage.

Das große Bild: Das Ende des Wilden Westens

Die Debatte über nationale Compliance-Pflichten erzählt, jenseits aller Fachtermini, eine wichtige Wahrheit über den europäischen Kryptomarkt von heute. Das Zeitalter des „Wilden Westens“, in dem praktisch jeder Dienstleistungen ohne Regeln oder Kontrollen anbieten konnte, ist endgültig vorbei. An seine Stelle ist ein strukturiertes System getreten, mit ernsthaften Anforderungen und aktiv aufsehenden Behörden, in dem Betrieb Engagement, Kompetenz und Transparenz erfordert. Das mag für Unternehmen wie eine Belastung wirken, ist aber eine erhebliche Garantie für Nutzer und für die Gesundheit des gesamten Sektors.

Für Beobachter und Investoren ergibt sich eine doppelte Lektion. Wer bewertet, welcher Plattform er sein Erspartes anvertrauen soll, sollte Anbieter bevorzugen, die diese Compliance-Wege tatsächlich durchlaufen haben. Das ist ein konkretes Zeichen für Verlässlichkeit. Andererseits kann diese regulatorische Komplexität, wenn sie professionell gehandhabt wird, zu einem Qualitätsmerkmal werden und einen reifen Markt von einem improvisierten unterscheiden. Deutschland und der gesamte DACH-Raum folgen demselben Muster: Die BaFin setzt strenge Maßstäbe, und wer sie erfüllt, signalisiert echte Seriosität. In einer Branche, die dringend Vertrauen braucht, ist diese Ernsthaftigkeit, so anstrengend sie auch sein mag, möglicherweise die beste Nachricht überhaupt. Wer das Gesamtbild verstehen möchte, findet in unserer Übersicht zu den MiCA-Fristen und zugelassenen Plattformen weitere Informationen.

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