BIP-361 Vorschlag zum Einfrieren von Bitcoin auf Legacy-Adressen vor Quantencomputer-Bedrohung
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Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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BIP-361: Der Plan, Satoshis Bitcoin einzufrieren

BIP-361 will 5,6 Millionen Bitcoin auf anfälligen Legacy-Adressen einfrieren — darunter Satoshi Nakamotos Coins. Jameson Lopps Vorschlag spaltet die Community und stellt auch DACH-Anleger vor steuerliche Fragen.

Das Problem, das niemand ansprechen will

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und erfährst, dass die Bitcoin von Satoshi Nakamoto — über eine Million Coins im Wert von rund 74 Milliarden Dollar — von jemandem bewegt werden sollen. Nicht von Satoshi. Von einem Quantencomputer.

Das ist keine Science-Fiction. Genau dieses Risiko hat Jameson Lopp, CTO von Casa und einer der angesehensten Bitcoin-Entwickler, dazu bewogen, am 15. April 2026 den Vorschlag BIP-361 zu veröffentlichen — betitelt „Post Quantum Migration and Legacy Signature Sunset". Das Dokument hat eine heftige Debatte ausgelöst, die innerhalb der Community längst überfällig war.

Was BIP-361 konkret vorsieht

Der Kern des Vorschlags ist nüchtern klar: Bitcoin-„Legacy"-Adressen — solche, die ihren öffentlichen Schlüssel bereits on-chain offengelegt haben — sind anfällig für einen künftigen Quantenangriff. Laut den im Dokument zitierten Daten lagen zum 1. März 2026 mehr als 34 % aller umlaufenden Bitcoin auf solchen Adressen. Das entspricht rund 5,6 Millionen BTC, die seit über einem Jahrzehnt inaktiv sind — mit einem Gegenwert von mehr als 420 Milliarden Dollar.

BIP-361 sieht drei Phasen vor:

  • Phase A — Rund drei Jahre nach der Aktivierung akzeptiert das Netzwerk keine neuen Transaktionen mehr an anfällige Adressen und erzwingt so die Migration zu quantenresistenten Formaten.
  • Phase B — Zwei Jahre später werden Legacy-ECDSA- und Schnorr-Signaturen ungültig. Nicht migrierte Coins werden dauerhaft eingefroren.
  • Phase C — Optional und noch in der Forschungsphase: Inhaber eingefrorener Coins könnten diese über Zero-Knowledge-Proofs, verknüpft mit ihrer BIP-39-Seed-Phrase, zurückfordern.

Adam Back meldet sich aus Paris zu Wort

Einen Tag nach der Veröffentlichung von BIP-361 meldete sich Adam Back — CEO von Blockstream und Erfinder des von Bitcoin genutzten Proof-of-Work — auf der Paris Blockchain Week mit einer abweichenden Position zu Wort. Back hält Quantencomputer nach wie vor für „Laborexperimente"; die Fortschritte der vergangenen zwanzig Jahre seien inkrementell verlaufen.

Sein Gegenvorschlag: optionale, nicht erzwungene Upgrades. Nutzer sollen freiwillig zu quantenresistenten Adressen migrieren können — ohne aufgezwungene Fristen oder das Einfrieren fremder Gelder.

„Vorbereitung ist entscheidend. Änderungen kontrolliert durchzuführen ist weit sicherer, als in einer Krise zu reagieren."

Auch BitMEX Research hat sich eingebracht und einen „Canary Fund"-Mechanismus vorgeschlagen: eine spezielle Bitcoin-Adresse, zu der jedermann als Kopfgeld beitragen kann. Würde sie jemals ausgegeben — als Beweis, dass ein Quantencomputer die Kryptografie gebrochen hat — würde das Einfrieren automatisch ausgelöst. Keine willkürliche Frist, sondern eine reale Antwort auf eine reale Bedrohung.

Die Community spaltet sich

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bitcoin-Entwickler Mark Erhardt bezeichnete den Vorschlag als „autoritär und konfiskatorisch". Marty Bent, Gründer von TFTC, tat ihn als „lächerlich" ab. Phil Geiger, Head of BD bei Metaplanet, kommentierte sarkastisch: „Wir müssen den Leuten das Geld stehlen, damit es ihnen nicht gestohlen wird."

Lopp blieb unbeeindruckt:

„Ich weiß, dass die Leute das nicht mögen. Ich mag es selbst nicht. Ich habe es geschrieben, weil mir die Alternative noch weniger gefällt."

Die Dringlichkeit kommt nicht aus dem Nichts. Im März 2026 veröffentlichte Google Quantum AI eine Studie, die die Schätzungen für die zur ECDSA-Kryptografie benötigten Qubits drastisch nach unten korrigiert: zwischen 1.200 und 1.450 logische Qubits. Caltech und Oratomic haben gezeigt, dass Shors Algorithmus mit etwa 10.000 Qubits kryptografisch relevant ausgeführt werden kann. McKinsey setzt das konkrete Risikofenster zwischen 2027 und 2030.

Für BaFin-regulierte Anleger im DACH-Raum stellt sich damit eine zusätzliche Frage: Coins auf Legacy-Adressen, die eingefroren werden, könnten steuerrechtlich nach EStG §23 als realisierter Verlust zu werten sein — ein Aspekt, den weder BIP-361 noch die bisherige Diskussion adressiert. Wer seine Bitcoin auf einer deutschen Plattform wie Trade Republic oder Bitpanda verwahrt, sollte prüfen, ob der jeweilige Anbieter eine automatische Migration anbietet oder plant.

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Eine philosophische Frage, noch vor der technischen

BIP-361 ist nicht nur eine Frage der Kryptografie. Es ist eine tiefgreifende Frage zur Identität von Bitcoin selbst: Kann ein Protokoll, das stets die absolute Souveränität des Inhabers garantiert hat, akzeptieren, dass der Netzwerkkonsens den privaten Schlüssel einer Person außer Kraft setzt?

Die Antwort steht noch aus. BIP-361 ist eine Entwurfsfassung — kein Aktivierungsdatum, kein Konsens. Dass der Vorschlag überhaupt auf dem Tisch liegt, mit sechs namhaften Mitautoren, konkreten Daten und wachsender Dringlichkeit, sagt aber bereits etwas Wichtiges: Der Q-Day ist keine Frage mehr, die sich aufschieben lässt.

Von Francesco Campisi Profilbild Francesco Campisi
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