Zweiunddreißig. So viele Bitcoin hat Strategy zwischen dem 26. und 31. Mai verkauft, für rund 2,5 Millionen Dollar, laut einem 8-K-Formular beim SEC EDGAR vom 1. Juni 2026. Der erste Nettoverkauf seit Dezember 2022. Die Zahl wirkt lächerlich klein: 0,0038 % eines Schatzes von über 843.000 BTC. Was zählt, ist das Signal, nicht die Summe.
Was Strategy wirklich getan hat
Der durchschnittliche Verkaufspreis betrug laut SEC-Dokument 77.135 Dollar pro Bitcoin, und damit mehr als die durchschnittlichen Anschaffungskosten der Gesellschaft von 75.699 Dollar. Strategy hat also mit Gewinn verkauft, nicht aus Panik. Die Erlöse fließen in die Ausschüttungen auf STRC, eine der fünf Vorzugsaktien-Serien, die in den vergangenen Monaten emittiert wurden.
Wer hier Kapitulation ruft, übersieht den größeren Kontext. Strategy hat im bisherigen Jahresverlauf kontinuierlich akkumuliert und den Bestand von 687.410 auf 843.706 BTC ausgebaut. Der Verkauf von 32 Münzen ist in diesem Rahmen ein Bruchteil.
Warum hat Strategy Bitcoin verkauft?
Um Dividenden zu zahlen. Die Erlöse finanzieren die Ausschüttungen auf die STRC-Vorzugsaktien, wie im 8-K-Dokument angegeben, und stellen keine bearishe Wette auf Bitcoin dar. Michael Saylor hatte dies bereits in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal angedeutet: Die Gesellschaft werde wahrscheinlich eine kleine Menge Bitcoin verkaufen, um eine Dividende zu zahlen, gewissermaßen als Marktsignal, dass man diesen Schritt bereits vollzogen habe.
JUST IN: Michael Saylor's Strategy announced they sold 32 BTC for over $2.5 million 👀 pic.twitter.com/0BGcnO0diA
, Bitcoin Magazine (@BitcoinMagazine) June 1, 2026
Die Bestätigung kam über die sozialen Netzwerke. Ein Post von Bitcoin Magazine vom 1. Juni 2026 verbreitete die Nachricht in Echtzeit, während der Bitcoin-Kurs in den Folgestunden unter 72.000 Dollar fiel.
Das Treasury-Modell steht unter Druck
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Die fünf Vorzugsaktien-Serien bringen feste Dividendenverpflichtungen mit sich, die nun auf einen sinkenden Bitcoin-Kurs und eine geschrumpfte Liquiditätsreserve treffen. Laut verfügbaren Gesellschaftsunterlagen sank die Liquidität von rund 2,25 Milliarden Dollar Anfang 2026 auf unter eine Milliarde Dollar. Wenn die Kapitalkosten steigen und die Kasse schrumpft, muss selbst ein auf Akkumulation ausgelegtes System Fälligkeiten berücksichtigen.
Strategy has acquired 13,927 BTC for ~$1.00 billion at ~$71,902 per bitcoin and has achieved BTC Yield of 5.6% YTD 2026. As of 4/12/2026, we hodl 780,897 $BTC acquired for ~$59.02 billion at ~$75,577 per bitcoin. $MSTR $STRC https://t.co/xVKjg2cEVP
, Michael Saylor (@saylor) April 13, 2026
Nicht alle Corporate-Treasury-Akteure bremsen. Bitmine, das auf Ethereum ausgerichtete Treasury-Unternehmen unter Führung von Tom Lee, hat in der vergangenen Woche weitere 53 Millionen Dollar in Ether investiert und bleibt im Akkumulationsmodus. Ein offizielles Update von Saylor auf X bekräftigt die Grundlogik: Bitcoin je Aktie zählt, nicht Bitcoin in absolutem Wert.
Die Gesellschaftsdokumente sind öffentlich einsehbar. Das Formular ist im Register SEC EDGAR abrufbar, wo Strategy seine 8-K-Formulare veröffentlicht.

Eine Frage bleibt offen, die Strategy bislang nicht beantwortet hat. Saylor erklärte, die Gesellschaft werde mehr kaufen als verkaufen, und im aggregierten Jahresverlauf stimmt das. Doch die Aussage erklärt nicht, zu welchem Preis der nächste Verkauf stattfindet, wenn Bitcoin länger als gedacht unter den 61.000 Dollar bleibt, die Anfang Juni kurzzeitig unterschritten wurden. Mit einem Kursrückgang von MSTR um 14 % binnen einer Woche und einem Bitcoin-Preis rund 17 % unter dem durchschnittlichen Einstandskurs der Gesellschaft ist der Handlungsspielraum erheblich enger als noch vor sechs Monaten. BaFin-regulierte Anleger in Deutschland sollten bedenken, dass Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin-Positionen, die kürzer als zwölf Monate gehalten wurden, nach § 23 EStG als private Veräußerungsgeschäfte steuerpflichtig sind. Der Fall Strategy illustriert, wie selbst langfristig orientierte Treasury-Modelle unter Liquiditätsdruck geraten können.
