GENIUS Act Stablecoin-Regulierung USA 2026, digitale Dollar und Reservenpflicht
Von Ilya Bratanov Profilbild Ilya Bratanov
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GENIUS Act: Was sich ab 9. Juni und 18. Juli 2026 ändert

GENIUS Act und MiCA ab Juli 2026: Was die neuen US-Stablecoin-Regeln für USDT, USDC und europäische Unternehmen bedeuten.

Der 9. Juni 2026 ist ein Fristdatum, das kaum jemand in Deutschland im Kalender hat. Bis dahin können Stellungnahmen zur gemeinsamen FinCEN-OFAC-Regel für Stablecoin-Emittenten eingereicht werden, dem ersten operativen Baustein des GENIUS Act. Das klingt nach amerikanischer Bürokratie. Ist es aber nicht. Von diesen Regelungen hängt ab, ob digitale Dollar, die europäische Unternehmen für Zahlungen und Abrechnungen nutzen, ab 2027 in den USA weiterhin einsetzbar bleiben.

Der GENIUS Act ist das erste föderale US-Bundesgesetz für Zahlungsstablecoins: Er schreibt 1:1-Reserven in Bargeld und kurzfristigen Staatsanleihen vor, verbietet Emittenten die direkte Zinszahlung an Nutzer, und ab dem 18. Juli 2026 treten die Durchführungsbestimmungen in Kraft. Für Tether und Circle, die beide bereits die 10-Milliarden-Schwelle überschritten haben, ist das kein zukünftiges Problem mehr.

Was ändert der GENIUS Act für Stablecoins?

Der GENIUS Act beschränkt die Ausgabe von Zahlungsstablecoins auf zugelassene Unternehmen. Die Reserven dürfen ausschließlich aus Bargeld, versicherten Bankeinlagen und kurzfristigen US-Staatsanleihen bestehen. Ein Zahlungsstablecoin ist ein dollargebundenes Token, das zum Zahlen und Abwickeln gedacht ist, nicht zur Rendite. Das Gesetz trat am 18. Juli 2025 in Kraft, nachdem der US-Senat am 17. Juni mit 68 zu 30 Stimmen zugestimmt hatte. Wer die Marktkapitalisierungsgrenze von 10 Milliarden Dollar überschreitet, muss innerhalb von 360 Tagen in das föderale OCC-Regime wechseln oder eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Direkte Zinszahlungen durch den Emittenten sind verboten. Das ist der Kern der Auseinandersetzung.

High-Tech-Innenraum eines gesicherten Serverraums
High-Tech-Innenraum eines gesicherten Serverraums

Das Marktvolumen ist beträchtlich. Laut CoinGecko übersteigt die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung im Mai 2026 die Marke von 240 Milliarden Dollar, wobei Tethers USDT einen Anteil von über 67 Prozent hält und Circles USDC rund 27 Prozent ausmacht. Der Rest verteilt sich auf PayPal USD, DAI und kleinere Emittenten. Den Rahmen der beteiligten Behörden haben wir in unserer Analyse zu den neuen Regeln von OCC, FDIC und FinCEN aufgearbeitet.

GENIUS Act und MiCA: zwei Regime, eine operative Realität

Wer zwischen Deutschland und den USA operiert, steht nicht vor der Wahl zwischen zwei Normen. Beide müssen eingehalten werden. MiCA ist in der EU seit Anfang 2025 in Kraft, und die Durchsetzung zieht an: In Frankreich hat die AMF unter Marie-Anne Barbat-Layani rund 90 Unternehmen ohne Lizenz eine Frist bis zum 30. Juni 2026 gesetzt, wie wir in unserem Beitrag über Krypto-Unternehmen am Blackout-Rand berichtet haben. Das Doppelregime aus MiCA und GENIUS Act ist für grenzüberschreitend tätige Anbieter de facto zur Pflicht geworden.

Aspekt GENIUS Act (USA) MiCA (EU)
InkrafttretenGesetz ab 18. Juli 2025, Durchführungsregeln bis 18. Juli 2026In Kraft seit Anfang 2025
Reserven1:1 in Bargeld, versicherten Einlagen, kurzfristigen StaatsanleihenSegregierte Reserven, Auflagen für E-Geld-Token
Zinsen an NutzerVerboten, wenn vom Emittenten gezahltVerboten bei E-Geld-Token
Föderale SchwelleÜber 10 Mrd.: OCC-Regime innerhalb von 360 TagenCASP-Lizenz, nationale Aufsicht und ESMA

Quellen: GENIUS Act, MiCA-Verordnung (EU) 2023/1114, Juni 2026

Der amerikanische Gesetzestext ist auf der Website des US-Finanzministeriums einsehbar, das auch den gemeinsamen FinCEN-OFAC-Vorschlag zur Geldwäschebekämpfung veröffentlicht hat. Für Europa bleibt die MiCA-Verordnung (EU) 2023/1114 die maßgebliche Referenz.

Verordnung - 2023/1114 - EN - EUR-Lex

Zur Frage der Rendite hat sich zuletzt wiederholt auch Coinbase-CEO Brian Armstrong geäußert: aktuelle Posts von @brian_armstrong auf X geben Aufschluss über die Positionierung großer Börsen.

Für DACH-Anleger und Unternehmen, die Stablecoins im Zahlungsverkehr einsetzen, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von GENIUS Act und MiCA eine klare Handlungslinie: Wer USDT oder USDC grenzüberschreitend nutzt, sollte bis zum 18. Juli 2026 prüfen, ob der jeweilige Emittent die OCC-Anforderungen erfüllt oder eine Ausnahmegenehmigung beantragt hat. BaFin-regulierte Kryptoverwahrer unterliegen ohnehin den MiCA-CASP-Pflichten; der US-Arm des Geschäfts kommt ab Mitte 2026 als zusätzliche Compliance-Schicht hinzu. Die nächste entscheidende Marke ist der 9. Juni 2026: Wer Einfluss auf die FinCEN-OFAC-Durchführungsregeln nehmen will, muss bis dahin seine Stellungnahme eingereicht haben.

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