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Def-Tech in Europa: 10,5 Mrd. Dollar bis 2026, Deutschland vorn

Europas Def-Tech-Startups sammeln bis 2026 rund 10,5 Mrd. Dollar ein. Deutschland führt mit 3,5 Mrd. Euro, Italien bleibt abgehängt.

3 Min. Lesezeit Wie wir arbeiten

Europäische Def-Tech-Startups werden laut dem Dealroom-Bericht vom ersten Halbjahr 2026 bis Ende 2026 rund 10,5 Milliarden Dollar an Risikokapital einsammeln. Der Löwenanteil fließt in die mittel- und nordeuropäischen Technologiezentren. Südeuropa, insbesondere Italien, bleibt dabei weitgehend außen vor.

Das europäische Bild: USA noch weit vorn, EU holt auf

Die Vereinigten Staaten absorbieren laut Dealroom-Daten noch immer 75 % des gesamten Risikokapitals für Verteidigungstechnologie in NATO-Ländern und alliierten Staaten. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber 2021, als dieser Anteil noch bei 93 % lag, doch die USA bleiben klar führend. Die EU hat ihren Anteil von 15 % im Vorjahr auf 21 % gesteigert, was in absoluten Zahlen einem Sprung von 2,2 auf 5,4 Milliarden Dollar entspricht.

Besonders aufschlussreich ist die geografische Verteilung dieser Mittel. Deutschland führt das europäische Ranking mit 3,5 Milliarden Euro an Def-Tech-Investitionen an. Dahinter folgen Finnland mit 1,2 Milliarden Euro (fast vollständig durch das Satellitenüberwachungsunternehmen Iceye eingeworben, das mit 1,1 Milliarden Euro bewertet wird), das Vereinigte Königreich mit 932 Millionen Euro und Frankreich mit 376 Millionen Euro. Allein die Region München, wo sich die meisten deutschen Def-Tech-Startups konzentrieren, hat rund 3 Milliarden Dollar angezogen.

Auf technologischer Ebene dominieren Drohnen und autonome Systeme: Sie machen laut Dealroom 74 % der EU-Mittel und 77 % der britischen Investitionen in diesem Bereich aus, verglichen mit 57 % in den USA. Unbemannte Luftfahrzeuge allein haben in Europa 4,7 Milliarden Dollar eingesammelt.

Für den deutschen Markt ist die Lage besonders bedeutsam. Verteidigungstechnologie macht bereits 15 % des gesamten Venture-Capitals in der EU aus, gegenüber 6,2 % noch im Jahr 2025. Blockchain-basierte Logistik- und Verschlüsselungslösungen gewinnen in diesem Segment an Relevanz, ebenso wie KI-gestützte Aufklärungssysteme, ein Bereich, in dem Deutschland traditionell stark ist.

Eine Strategie nimmt Form an: EU zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Ursula von der Leyen skizzierte in ihrer Rede zur Lage der EU im September den Anspruch, den technologischen Rückstand gegenüber den USA und China aufzuholen. Die Strategie steht, das Investitionsvolumen aber bleibt noch weit entfernt von dem, was Washington und Peking in ihre Rüstungstechnologie pumpen. Die EU scheint derzeit nicht in der Lage, gegen diese beiden Schwergewichte wettbewerbsfähig zu werden.

Der Technologiesektor gehört zu den dynamischsten weltweit, angetrieben von der globalen KI-Infrastrukturoffensive. Gleichzeitig ist Verteidigung nach rund drei Jahrzehnten, in denen der Westen vom Krieg direkt verschont blieb, wieder in den Mittelpunkt gerückt. Das Ende des Jugoslawienkriegs markierte den Beginn dieser langen Pause, die mit dem russischen Angriff auf die Ukraine abrupt endete.

Der Ukraine-Krieg zeigt exemplarisch, wie moderne Kriegsführung aussieht: ferngesteuerte Drohnenschwärme, KI-gestützte Zielerfassung, Satellitenaufklärung in Echtzeit. Technologische Überlegenheit ist heute gleichbedeutend mit militärischer Schlagkraft. Wer bei Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen führt, bestimmt das Schlachtfeld.

Der Fall Italien: Know-how vorhanden, Umsetzung fehlt

Italiens Problem liegt nicht im fehlenden technischen Wissen. Das Land verfügt über qualifizierte Ingenieure und Forschungseinrichtungen. Die Schwäche liegt in der Unfähigkeit, dieses Know-how in skalierbare Unternehmen zu überführen, die mit den Wachstumsraten nordeuropäischer Pendants mithalten können. Das Venture-Capital-Ökosystem ist im Vergleich zu Skandinavien oder dem DACH-Raum weniger reif, und eine zersplitterte politische Debatte über Verteidigungsausgaben schreckt potenzielle Investoren ab.

Für den DACH-Raum stellt sich die Lage anders dar. Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahren mit dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro und der Abkehr vom „Wandel durch Handel“-Paradigma eine strategische Neuausrichtung vollzogen, die direkt in die Def-Tech-Finanzierungszahlen einfließt. Österreich und die Schweiz profilieren sich zunehmend als Standorte für Cybersicherheits-Startups und duale Technologien.

Die Gründung einer echten EU-Armee, in der alle Streitkräfte der Mitgliedstaaten zusammengeführt werden, gilt vielen als Ausweg. Ein solches Modell würde alle 27 Mitgliedstaaten auf ein höheres Verteidigungsniveau heben und Ländern wie Italien ermöglichen, von gemeinsamen Beschaffungs- und Technologieprogrammen zu profitieren, ohne allein ein wettbewerbsfähiges Startup-Ökosystem aufbauen zu müssen.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob die EU-Kommission ihre strategischen Ankündigungen in konkrete Finanzierungsmechanismen übersetzen kann. Beobachter sollten den Fortschritt des Europäischen Verteidigungsfonds sowie die geplanten BaFin-Leitlinien zu Dual-Use-Finanzierungen im Blick behalten. Deutschland bleibt dabei der entscheidende Taktgeber für das gesamte europäische Def-Tech-Ökosystem.

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