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Consob sperrt 6 weitere Websites: Italiens Kampf gegen Krypto-Betrug

Consob sperrt sechs weitere Websites und erreicht 1.805 Sperrungen seit 2019. Erstmals setzt die Behörde zwei Rechtsinstrumente ein: das Decreto Crescita und…

5 min read Wie wir arbeiten

Alle paar Wochen veröffentlicht die Consob, die italienische Börsen- und Finanzmarktaufsichtsbehörde, eine Mitteilung über die Sperrung weiterer betrügerischer Websites. Die jüngste Meldung vom 6. August betrifft sechs neue Portale und bringt den Gesamtstand seit 2019 auf 1.805 gesperrte Seiten. Was wie eine Routinemeldung klingt, verbirgt eine wichtige Entwicklung: Der italienische Markt wird klarer strukturiert, und die Consob verfügt nun über zwei rechtlich getrennte Instrumente, um diesen Rahmen durchzusetzen.

Mit der vollständigen Anwendung des europäischen MiCAR-Regelwerks sind die Grauzonen verschwunden. Wer in Italien Krypto-Dienstleistungen anbietet, braucht eine gültige Zulassung, sonst handelt er illegal. Für DACH-Anleger ist dieser Prozess relevant: Was die Consob in Italien umsetzt, spiegelt denselben regulatorischen Druck, den auch die BaFin in Deutschland ausübt.

Was die Consob entschieden hat

Konkret: Mit der Verfügung vom 6. August 2026 ordnete die Consob die Sperrung von sechs weiteren Websites an, über die ohne gesetzliche Genehmigung Finanz- und Anlagedienstleistungen angeboten wurden. Damit stieg die Gesamtzahl der seit Juli 2019 gesperrten Portale laut Consob auf 1.805. 233 davon betreffen ausschließlich den Krypto-Bereich.

CONSOB • AUGUST 2026
1.805 gesperrte Websites seit 2019
233 davon betreffen Krypto-Aktivitäten
12,9%
Krypto-Anteil
233
Krypto-bezogene Fälle
1.572
Sonstige illegale Finanzportale
Quelle: Consob, Mitteilung vom 6. August 2026 • Auswertung SpazioCrypto

Der Sperrmechanismus ist konkret: Die Consob verpflichtet Internetanbieter, die in Italien tätig sind, den Zugang zu diesen Seiten vom nationalen Territorium aus zu blockieren, einschließlich Login-Seiten und Trading-Plattformen für Kunden. Ein wirksames Mittel, wenngleich kein perfektes: Wie die Behörde selbst feststellt, reagieren betrügerische Organisationen häufig mit der sofortigen Registrierung nahezu identischer Domains, was erklärt, warum diese Meldungen so regelmäßig erscheinen und der Zähler kontinuierlich steigt.

Abusivismo finanziario, Consob oscura 6 siti: totale sale a 1.805
(Teleborsa) - La Consob nell'ambito dell'attività di contrasto all'abusivismo finanziario ha disposto l'oscuramento di 6 siti internet mediante i quali venivano svolti abusivamente servizi e attività di investimento su strumenti finanziari.Di seguito l'elenco dei siti per cui è stato disposto l'oscu

Zwei Rechtsinstrumente, ein Ziel

Hier liegt das eigentlich Interessante dieser Mitteilung, das sie von früheren Veröffentlichungen unterscheidet. Die Consob handelt heute auf der Grundlage von zwei klar getrennten Rechtsbefugnissen. Das erste, ältere Instrument entstammt dem sogenannten „Decreto Crescita“ von 2019 und betrifft die Sperrung von Websites illegaler Finanzintermediäre im Allgemeinen: Plattformen, die ohne Lizenz Handel mit Aktien, Devisen oder Derivaten anbieten.

Legal information - CONSOB AND ITS ACTIVITIES - CONSOB

Das zweite Instrument ist neu und geht direkt auf das europäische MiCAR-Regelwerk zurück, das in Italien in nationales Recht umgesetzt wurde. Damit kann die Consob gezielt Websites sperren, über die italienischen Sparern ohne die erforderliche Genehmigung Krypto-Dienstleistungen angeboten werden. Beide Instrumente führen zum gleichen praktischen Ergebnis, der Websiteblockierung, beruhen jedoch auf unterschiedlichen Rechtsgrundlagen. Diese Unterscheidung ist keineswegs akademisch: Nicht jede Krypto-Sperrung erfolgt „im Namen von MiCA“. Das Nebeneinander beider Befugnisse zeigt, wie sich die Aufsicht zunehmend spezialisiert.

Die zwei Instrumente der Consob

Zwei getrennte Rechtsbefugnisse, ein gemeinsames Ziel. Quelle: Consob, 2026

  • Decreto Crescita (2019): zur Sperrung illegaler Finanzintermediäre im Allgemeinen (Handel, Forex, Derivate ohne Lizenz).
  • MiCAR-Regelwerk: die neue, spezifische Befugnis zur Sperrung von Krypto-Websites ohne Zulassung, die sich an italienische Sparer richten.
  • Die Gesamtbilanz: 1.805 gesperrte Websites seit 2019, davon 233 mit Krypto-Bezug, laut Consob-Mitteilung vom 6. August 2026.

Ein klarerer Markt: die Zäsur durch MiCAR

Hier zeigt sich der tiefere Wandel. Bis vor Kurzem lebte der Krypto-Markt in Europa in einer langen Grauzone, einer Übergangsphase, in der viele Plattformen auf endgültige Regeln warteten. Mit der vollständigen Anwendung des MiCAR-Rahmens ist diese Phase beendet. Ein Anbieter, der in Italien Krypto-Dienste erbringt, benötigt entweder eine gültige Zulassung nach den europäischen Regeln, etwa eine in einem anderen EU-Staat ausgestellte und unionsweit gültige CASP-Lizenz, oder er bewegt sich außerhalb des gesetzlichen Rahmens. Punkt.

Das vereinfacht das Handeln der Consob erheblich. Wer nicht auf der Liste der zugelassenen Anbieter steht und dennoch Krypto-Dienste offeriert, gilt per Definition als illegal und kann gesperrt werden. Dasselbe Prinzip gilt europaweit: Die Anwendung von MiCA in Europa zieht eine klare Linie zwischen autorisierten und nicht autorisierten Anbietern. Für Anleger im DACH-Raum ist diese Klarheit ein Vorteil: Die BaFin wendet denselben Mechanismus an, und wer auf der BaFin-Erlaubnisliste steht, operiert auf gesichertem rechtlichen Boden.

DIE AKTUELLE BESCHLEUNIGUNG
+42 gesperrte Websites in etwas mehr als einem Monat
Entwicklung der Consob-Zahlen zwischen dem 3. Juli und dem 6. August 2026
Websites gesamt +42
1.763 → 1.805
Krypto-Fälle +16
217 → 233
Quelle: Consob • Daten vom 3. Juli und 6. August 2026 • Auswertung SpazioCrypto

So schützen Sie sich konkret

Der praktische Teil für Anleger im DACH-Raum. Die Consob warnt vor einer beunruhigenden Entwicklung der Betrugsmethoden: Täter setzen zunehmend auf ausgefeilte Techniken, darunter „geklonte“ Websites, die echte Plattformen imitieren, gefälschte Social-Media-Profile bekannter Persönlichkeiten sowie KI-generierte Inhalte wie Bilder, Stimmen und Deepfake-Videos, um Opfer zu täuschen.

Die Grundregel ist einfach: immer prüfen, bevor auch nur ein Euro investiert wird. Auf der offiziellen Website der Consob gibt es einen Bereich namens „Occhio alle truffe“ (Achtung vor Betrug), der die aktualisierte Liste gesperrter Websites und Warnungen vor illegalen Anbietern enthält. Wer Geld einer Plattform anvertrauen möchte, besonders wenn diese leichte Gewinne verspricht oder über unaufgeforderte Nachrichten kontaktiert hat, sollte dort zuerst nachsehen. Kein seriöser Anbieter wird jemals mit Druck oder Dringlichkeit zum schnellen Investieren auffordern, wie wir in unserer Analyse der neuen MiCA-bezogenen Betrugswellen gezeigt haben. Im DACH-Raum bietet das BaFin-Verbraucherportal eine analoge Funktion: Dort lässt sich prüfen, ob eine Plattform über eine gültige BaFin-Erlaubnis verfügt.

CONSOB-AUFSICHT
Zwei Instrumente, ein einziges Ziel
INSTRUMENT 01
Decreto Crescita
Vorgehen gegen Intermediäre, die ohne Erlaubnis Finanzdienstleistungen und Anlagegeschäfte anbieten.
→ Sperrung der Website
INSTRUMENT 02
MiCAR
Vorgehen gegen die illegale Erbringung von Krypto-Dienstleistungen gegenüber Sparern ohne Zulassung.
→ Sperrung der Website
MiCAR: Reg. EU 2023/1114 • D.lgs. 129/2024 • Auswertung SpazioCrypto

Das größere Bild

Was auf den ersten Blick wie eine Routinemeldung wirkt, erzählt von einer tiefgreifenden Reifung des europäischen Krypto-Markts. Die konsequente Arbeit der Consob, gestützt auf neue europäische Befugnisse, verwandelt den bis vor Kurzem unübersichtlichen Markt in einen zunehmend geordneten Raum, in dem die Grenze zwischen legal und illegal immer klarer gezogen wird. Keine spektakuläre Revolution, sondern geduldige, systematische Aufräumarbeit.

Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild. Einerseits steht eine aktivere und besser ausgestattete Aufsicht, die erstmals über die nötigen rechtlichen Mittel verfügt, um auch im Krypto-Bereich durchzugreifen. Andererseits kann keine Liste gesperrter Websites persönliche Vorsicht ersetzen, denn Betrüger reagieren schnell und wechseln ständig ihr Erscheinungsbild. Echte Sicherheit entsteht dort, wo ein funktionierendes Regelwerk auf einen informierten Anleger trifft, der vor dem Vertrauen prüft. In einer Zeit immer ausgefeilterer Täuschungsmethoden ist dieses Wissen das wertvollste Kapital. Wer den regulatorischen Rahmen vertiefen möchte, findet in unserem Leitfaden zur Krypto-Regulierung in Europa einen soliden Ausgangspunkt.

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