Cryptosmart hat am 6. Oktober den Start von Cryptosmart Easy bekanntgegeben, dem ersten Dienst, den die Börse aus Perugia nach ihrer Zulassung als Kryptowertedienstleister (CASP) gemäß der europäischen MiCA-Verordnung vorstellt. Easy bringt über 30 neue Kryptowährungen auf die Plattform und integriert das administrierte Steuerregime: Bei jedem Verkauf berechnet, behält und führt die Börse selbst die Steuer auf Kapitalgewinne ab. Die Anzahl der Token ist dabei das weniger Interessante. Relevanter für Anleger, die Krypto in Deutschland oder Österreich beobachten, ist die Frage, was Easy über die Entwicklung europäischer Börsen nach MiCA aussagt und was das Steuerregime wirklich abdeckt.
Was ist Easy laut der Pressemitteilung?
Die Pressemitteilung, über die Milano Finanza und InvestireOggi berichteten, beschreibt Easy als einen geführten Kauf- und Verkaufsprozess in wenigen Schritten, gedacht für Einsteiger in die Kryptowelt. Man wählt die gewünschte Kryptowährung, gibt den Euro-Betrag an und sieht vorab den garantierten Preis inklusive Gebühren sowie die Nettomenge, die man erhält, bevor man bestätigt. Die Kryptos werden in einer einzigen Übersicht verwaltet, mit Guthaben und Kursentwicklung. Es gibt keine eigene Wallet und keine privaten Schlüssel zu verwahren: Das bedeutet, dass die Vermögenswerte in der Verwahrung der Plattform verbleiben, einem der Dienste, für die Cryptosmart zugelassen ist.
Die über 30 neuen Kryptowährungen wurden laut Mitteilung nach Marktkapitalisierung, Liquidität und Konformität mit der Verordnung ausgewählt. Das Dokument listet sie nicht auf und nennt keine konkreten Gebühren. Auf der Website von Cryptosmart wird Easy mit einem Festpreis beschrieben, der unabhängig von der Menge gilt, sowie einem Maximum von 10.000 Euro pro Transaktion. Die Pro-Version erlaubt höhere Aufträge: Diese Angabe stammt von der Website, nicht aus der Pressemitteilung. Gründer und CEO Alessandro Frizzoni fasst es so zusammen: „Easy dient genau diesem Zweck: den Handel und die Steuer gleichermaßen einfach zu machen, innerhalb eines zugelassenen und beaufsichtigten Rahmens.“

Das administrierte Steuerregime: nicht neu, aber jetzt in Easy integriert
Die Pressemitteilung erklärt den Mechanismus: Bei jedem Verkauf berechnet die Börse als Quellensteuerabzugsstelle die Ersatzsteuer auf den Kapitalgewinn (derzeit 33 %), behält sie ein und führt sie an die Steuerbehörde ab, wobei eventuelle Verluste im gesetzlichen Rahmen verrechnet werden. Für Kryptos, die auf der Börse gehalten werden, hat der Kunde keine Deklarationspflichten. Es ist die Alternative zum deklarativen Regime, bei dem der Steuerpflichtige alles selbst berechnet und in der Einkommensteuererklärung angibt.
Dieser Dienst ist allerdings nicht neu mit Easy entstanden. Cryptosmart stellte ihn am 27. April 2026 kostenlos zur Verfügung und präsentierte sich im Mai, laut einem Bericht der ANSA, als erste italienische Börse, die ihn integriert. Easy bringt ihn nun in den Kaufprozess ein. Der Rahmen bleibt, was das Unternehmen angekündigt hat: Das Regime deckt nur Operationen auf der Plattform ab, während Kryptos auf anderen Börsen oder in Self-Custodial-Wallets weiterhin in der Verantwortung des Kunden liegen. Die Website empfiehlt, diese dorthin zu übertragen, um vom Dienst zu profitieren. Auf der Website wird die Aktivierung als optional dargestellt; die Pressemitteilung zu Easy stellt nicht klar, ob die Aktivierung für Nutzer des neuen Dienstes automatisch erfolgt.

Beim Steuersatz bleibt die Lage beweglich. Der Satz von 33 % gilt ab 2026; ein technischer Entwurf, der der italienischen Abgeordnetenkammer vorgelegt wurde, schlägt eine Rückkehr auf 26 % ab 2027 vor, ist aber weder ein Gesetz noch ein endgültiger Gesetzesentwurf. Im DACH-Raum gilt bekanntlich eine andere Logik: Nach deutschem Einkommensteuergesetz (EStG §23) sind Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen nach einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei, unabhängig von der Höhe des Gewinns. Das macht einen unmittelbaren Vergleich schwierig, zeigt aber, wie unterschiedlich MiCA-konforme Länder steuerlich an Krypto herangehen. In Italien bleiben unterdessen die Herausforderungen bestehen: Verluste werden streng und zeitlich begrenzt verrechnet, und selbst bei kleinen Beträgen entsteht Deklarationsaufwand. Das administrierte Regime entlastet beim zweiten Punkt, aber nur für das, was auf der Plattform liegt.
Von der Lizenz zum Produkt
Easy ist der erste Schritt nach einem klar datierten Zulassungsweg. Laut Presseberichten begann das Prüfverfahren für Cryptosmart am 15. Dezember 2025; die Consob erteilte die Zulassung am 24. Juni 2026 mit der Entscheidung Nr. 24047. Am 30. Juni 2026, dem Ende der MiCA-Übergangszeit, nannten Consob und Banca d'Italia in einer gemeinsamen Mitteilung acht zugelassene Kryptowertedienstleister (CASP) in Italien, darunter CryptoSmart S.p.A., sowie ein notifiziertes Kreditinstitut. Die anderen sieben sind CheckSig, Conio, Hercle, Hodlie, Olliv Italia, Riv Digital und Young Platform; das Kreditinstitut ist Banca Sella. Anbieter ohne Zulassung müssen ihre Tätigkeit einstellen und dürfen sich nur noch auf die Abwicklung bestehender Kundenbeziehungen beschränken. Cryptosmart ist mehrheitlich an der Banca Popolare di Cortona beteiligt.

Die Zulassung schließt die Arbeit nicht ab. Die Banca d'Italia hat die Pflichtkontrollen bei Transfers ohne Mindestbetrag bekräftigt, und unsere Recherche zu den KYC- und AML-Dokumenten von 19 Anbietern für europäische CASP zeigt, wie wenig transparent die operative Compliance noch ist. Auf der anderen Seite: Zum 31. August 2026 stammten laut ESMA-Register 165 der 167 Einträge nicht konformer Anbieter von der Consob, wie wir in unserer Analyse zur MiCA-Blacklist berichtet haben.
Cryptosmart Easy im Überblick
Was bestätigt ist, was nicht. Quellen: Pressemitteilung Cryptosmart vom 6. Oktober 2026, Website Cryptosmart, Consob
- Aus der Pressemitteilung: Erster Dienst nach der MiCAR-Zulassung; über 30 neue Kryptos nach Marktkapitalisierung, Liquidität und Konformität ausgewählt; garantierter Preis inklusive Gebühren; administriertes Steuerregime integriert (Steuersatz derzeit 33 %).
- Nicht bekannt: Höhe der Gebühren, Liste der Token, Nutzerzahlen und Handelsvolumen, ob das Regime in Easy automatisch aktiviert wird.
- Geltungsbereich: Das Regime gilt nur für Operationen auf der Plattform und ist seit dem 27. April 2026 aktiv; Kryptos auf anderen Börsen oder in Wallets bleiben in der Verantwortung des Kunden.
Die größere Perspektive
Nach MiCA wird die Lizenz zur Marktzugangsbedingung, kein Wettbewerbsvorteil mehr. In Italien gibt es neun zugelassene Anbieter, und der Unterschied verlagert sich auf Produkt und Service. Das administrierte Steuerregime ist für Cryptosmart das stärkste lokale Differenzierungsmerkmal, weil es einen realen Kostenpunkt für den Anleger adressiert: das Berechnen und Deklarieren von Gewinnen. Es hat jedoch einen impliziten Preis: Es funktioniert nur für das, was innerhalb der Plattform liegt, und in Easy bleiben die Kryptos in der Verwahrung der Börse. Ob sich das lohnt, hängt von der individuellen Situation ab, angefangen bei der Frage, wo die Kryptos heute gehalten werden und wie man sie verwahren möchte.
Die Abfolge, die der Launch zeichnet, ist geradlinig: MiCAR, CASP-Zulassung, Angebotsausweitung, administrierte Besteuerung, Produkt für den Retail-Markt. Die Pressemitteilung bleibt ein Unternehmenstext: Die neuen Kryptowährungen konnten nicht unabhängig bestätigt werden, und die Kosten sind nicht bekannt. Wer eine Plattform auswählen muss, findet die aus unserer Sicht wesentlichen Kriterien in unserem Leitfaden zu den besten Krypto-Handelsplattformen, von der MiCA-Zulassung bis zu Kosten, Dienstleistungen und steuerlichen Aspekten.




