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US-Gemeinschaftsbanken klagen gegen OCC: Crypto-Lizenzen im Visier

Amerikanische Gemeinschaftsbanken klagen gegen den OCC: Der Aufseher soll mit Treuhandlizenzen für Kryptofirmen seine Befugnisse überschritten haben.

2 Min. Lesezeit Wie wir arbeiten

Amerikanische Gemeinschaftsbanken ziehen gegen den nationalen Bankaufseher vor Gericht. Die Independent Community Bankers of America (ICBA) hat am 2. Oktober beim Bundesgericht im District of Columbia Klage gegen das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) eingereicht. Streitgegenstand sind die nationalen Treuhandbank-Lizenzen, die der OCC an Kryptounternehmen vergeben hat. Die Klage ICBA gegen den OCC stellt einen der wichtigsten Wege in Frage, über den die Kryptobranche Zugang zum föderalen Bankensystem anstrebt.

Was die Klage beanstandet

Der Rechtsbehelf stützt sich auf den Administrative Procedure Act und richtet sich gegen die Abschlussregel vom 2. März 2026, die mit dem OCC Interpretive Letter 1176 verknüpft ist. Die ICBA fordert das Gericht auf, beide Regelungen für rechtswidrig zu erklären. Nach Auffassung der ICBA hat der OCC die Befugnisse überschritten, die ihm der National Bank Act einräumt, da eine nationale Treuhandbank ausschließlich treuhänderische Tätigkeiten ausüben solle, nicht andersartige Geschäfte. Die Klage verlangt zudem die Aufhebung der im Februar erteilten bedingten Genehmigung für Protego Holdings, ein Unternehmen, das Verwahrung, Handel, Kreditvergabe und die Emission digitaler Assets anbietet.

Was auf dem Spiel steht

Die ICBA argumentiert, dass diese Banken, weil sie keine Einlagen entgegennehmen, weitgehend außerhalb der föderalen Regulierung verbleiben, obwohl die Lizenz viele bundesstaatliche Vorschriften aushebelt, darunter Verbraucherschutzbestimmungen. Es fehlen demnach Pflichten wie der Community Reinvestment Act, die konsolidierte Aufsicht, Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen sowie die FDIC-Einlagensicherung. Vor der jüngsten Welle von Genehmigungen, so die ICBA, hatte der OCC noch nie eine nationale Bank ohne Einlagen und ohne Treuhandtätigkeiten zugelassen. „Der Kongress hat die Treuhandlizenz nicht als Seiteneingang für Kryptounternehmen geschaffen“, erklärte ICBA-Präsidentin Rebeca Romero Rainey in einer offiziellen Stellungnahme.

Das Stablecoin-Problem

Der Hintergrund ist der GENIUS Act: laut American Banker hat das Gesetz Treuhandlizenzen attraktiver gemacht. Es Kryptounternehmen ermöglicht, bundesweit anerkannte Emittenten von Zahlungs-Stablecoins zu werden. Nach Angaben aus der Klageschrift hat der OCC unter der Trump-Regierung insgesamt 21 nationale Treuhandbanken genehmigt, teils auch nur bedingt. Laut Yahoo Finance vertritt die ICBA zudem die Ansicht, dass das Gesetz, das bis zum 18. Januar 2027 in Kraft treten soll, die bereits erteilten Lizenzen nicht heilen kann.

Relevanz für Europa und DACH-Anleger

Eine offizielle Reaktion des OCC liegt den ausgewerteten Quellen zufolge bislang nicht vor. Das Thema geht über die USA hinaus: Welche Schutzstandards für Anbieter, die digitale Assets für Dritte verwahren, gelten müssen, ist eine Frage, die auch MiCA auf europäischer Ebene adressiert, allerdings mit einem anderen Ansatz als das US-Recht. Für DACH-Anleger ist relevant, dass die BaFin im Rahmen der MiCA-Umsetzung eigene Anforderungen an Kryptoverwahrer stellt, insbesondere hinsichtlich Kapitalausstattung und Haftungsregeln, die mit den in der US-Klage kritisierten Lücken vergleichbar sind. Sollte das Gericht die OCC-Regel für rechtswidrig erklären, könnte dies Unternehmen betreffen, die bereits eine Lizenz erhalten haben oder noch auf eine Genehmigung warten, und mittelbar auch die internationale Debatte über Mindeststandards in der Kryptoverwahrung beeinflussen.

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